Bildung in Berlin

Corona-Testreihe an 24 Berliner Schulen geplant

Der Schulausschuss berät über künftige Unterrichtsszenarien. Doch Bildungssenatorin Scheeres lässt sich entschuldigen.

Wie lange soll das so weitergehen, wie groß dürfen die Lerngruppen sein, und was ist mit den Lernlücken? Das fragen sich Eltern genauso wie Lehrer.

Wie lange soll das so weitergehen, wie groß dürfen die Lerngruppen sein, und was ist mit den Lernlücken? Das fragen sich Eltern genauso wie Lehrer.

Foto: Luka Dakskobler / dpa

Berlin. Viele Fragen sind drängend beim Thema Schule – wie sollen gerechte Noten für ein Halbjahr gegeben werden, das aufgrund einer Pandemie nur zum Bruchteil stattgefunden hat? Welche Möglichkeiten hat man, entstandene Lernlücken zu schließen? Und wie kann es im nächsten Schuljahr weitergehen, was sind die Szenarien? Wer allerdings beim Schulausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus auf Antworten gehofft hatte, der wurde enttäuscht.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sollte dort eigentlich den Bildungsexperten der Berliner Fraktionen Rede und Antwort stehen, doch sie tauchte nicht auf. Mit gutem Grund ließ sie sich entschuldigen, tagte doch wenig später auch der Berliner Senat, wo über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten wurde.

Bei der Berliner CDU ließ man diese Entschuldigung nicht gelten. „Die erneute Abwesenheit von Scheeres heute im Bildungsausschuss, letzte Sitzung vor der Sommerpause, ist ärgerlich“, ließ deren Bildungssprecher Dirk Stettner noch während der Sitzung verkünden. Sie würde die Sitzung „schwänzen … jetzt, wo wir in der Coronakrise den Neustart unseres Bildungsbetriebs besprechen und das neue Schuljahr vorbereiten müssen“. Da aber genau diese beiden von Stettner geforderten Dinge in den kommenden drei Stunden nicht passierten, hatte die Senatorin auch nicht viel verpasst. Vertreten wurde sie von ihren beiden Staatssekretärinnen: Beate Stoffers (SPD), die für Bildung zuständig ist. Und Sigrid Klebba (SPD), die über Kitafragen entscheidet. Zumindest ganz zu Beginn wurde Stoffers sehr konkret, als sie die neue Corona-Teststrategie der Bildungsverwaltung vorstellte.

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Corona-Testreihe an 24 Schulen geplant

Denn die Frage, welche Rolle Kinder und Jugendliche bei der Verbreitung des Coronavirus spielen, treibt ja nicht nur die Virologen um. Die Antwort bestimmt auch das Tempo bei der Öffnung von Kitas und Schulen. Deshalb braucht man gesicherte Daten. Zusammen mit der Charité plant die Senatsbildungsverwaltung nun eine einjährige Langzeitstudie. An 24 Schulen sollen regelmäßig einige Schüler und Lehrer getestet werden, alles in allem werden es 48 Klassen sein. Grundschulen werden genauso darunter sein wie weiterführende Schulen.

Auch die Sommerferien hat man im Blick – hier sollen an 24 Schulen die Kollegien komplett zu Beginn der Sommerferien und am Ende durchgetestet werden. Das gibt Sicherheit, weil die Frage ja immer ist, wie viele Coronafälle unentdeckt bleiben. Außerdem soll das Personal an Schulen bald die Möglichkeit haben, sich an einer der acht Teststellen der Stadt testen zu lassen – auch ohne Symptome. „Alle, die sich Sorgen machen“, so Stoffers, dürften davon Gebrauch machen: ob Lehrer, Erzieher oder die Schulsekretärin. Staatssekretärin Klebba deutete an, man plane für Kitas etwas ähnliches. „Wenn eine Erzieherin drei Tage lang eng zusammen mit Kindern war, von denen fünf eine Rotznase hatten, muss sie Sicherheit haben“, so Klebba. Da hilft nur ein Test.

Ansonsten rechnet man bis zu den Sommerferien mit einem „Mischbetrieb“ in der Schule – Präsenzunterricht und digitaler Fernunterricht. Für letzteres ist der „Lernraum Berlin“, die Lernplattform der Senatsverwaltung für Bildung, weiterhin zentral. 30.000 bis 35.000 Nutzer verzeichne man täglich, sagte die IT-Leiterin der Bildungsverwaltung Anja Tempelhoff. Und mit jedem Tag kämen 1000 bis 1500 neue Nutzer dazu. Gehackt sei man auch schon worden, das ließe sich kaum verhindern. Was man dagegen tun könne? „Wir müssen schneller sein als die Hacker“, sagte Tempelhoff – und unmittelbar reagieren, wenn man den Angriff kommen sieht.

Kommentar zum Thema: Die Mehrheit der Schüler in Berlin ist abgehängt

Präsenzunterricht vor allem für Kinder aus ärmeren Verhältnissen

Und der Präsenzunterricht? Mit dem Antrag „Chancengerechtigkeit an Schulen in Zeiten von Corona“ machte die rot-rot-grüne Koalition klar, dass dieser Präsenzunterricht nicht gleichmäßig auf alle Schüler verteilt werden solle. Pädagogen sind ja eine knappe Ressource – welche Schüler kriegen sie also im Klassenzimmer zu sehen? Besonderen Zugang zum Präsenzunterricht sollen laut Antrag Kinder aus ärmeren Verhältnissen erhalten, Schüler, „deren gute Betreuung und Entwicklung in der häuslichen Umgebung allein nicht gewährleistet ist“, und Familien, die als Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften lebten. „Gerade Kinder, die es nicht ganz so einfach haben, lernen zu können“, brachte es Stefanie Remlinger von den Grünen auf den Punkt. Der Antrag wurde mit der Mehrheit angenommen, auch die CDU stimmte trotz ihrer Oppositionsrolle dafür. Im Schulbereich war dies die einzige gewichtige Entscheidung.

Beim Kitabereich hörte man zumindest Zahlen. 40 Prozent der Kinder besuchten inzwischen wieder die Kita, so Klebba. Allerdings sehr unterschiedlich lang, je nachdem, ob sie unter die Notbetreuungen fielen oder nicht.

40 Prozent? Diese Zahl wurde auch schon vor drei Wochen genannt. Und seitdem hat sich doch allerlei getan. Rund 64.500 Kinder seien in der Notbetreuung, hätten die Träger aktuell rückgemeldet. 35.000 Kinder seien „zusätzlich angefragt“, so Klebba weiter. Das sind 100.000 berechtigte Kinder – danach stünde Berlin schon bei 60 Prozent.