Landesunternehmen

Berliner Wasserbetriebe rüsten sich für Extremwetter

Dürre und Starkregen: Das Landesunternehmen schraubt die Investitionen nach oben. Die Preise sollen aber bis Ende 2023 stabil bleiben.

Die Wasserbetriebe wollen mit Überschwemmungen – so wie hier 2019 am Sachsendamm in Schöneberg – künftig besser umgehen.

Die Wasserbetriebe wollen mit Überschwemmungen – so wie hier 2019 am Sachsendamm in Schöneberg – künftig besser umgehen.

Foto: Thomas Peise

Berlin. Die Berliner Wasserbetriebe haben im vergangenen Jahr erneut mehr Geld in Technik investiert, um künftige Extremwetterereignisse besser bewältigen zu können. „Die Resilienz unserer Systeme zur Ver- und Entsorgung ist angesichts des Klimawandels noch stärker ins Zentrum unseres Handelns gerückt“, sagte Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, am Montag in Berlin.

Unter anderem seien die Investitionen in die Wasser- und Zwischenpumpwerke im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf 36 Millionen Euro gesteigert worden. Zentrale Projekte seien der Neubau der Reinwasserbehälter im Zwischenpumpwerk Lindenberg und ein 50.000-Kubikmeter fassender Wasserspeicher in Waßmannsdorf gewesen. Um bei künftigen Starkwetterereignissen mehr Regenwasser aufnehmen zu können, würde aber auch verstärkt öffentliches Straßenland genutzt, so Simon. So sei etwa unter dem Mauerpark mit dem Bau eines Stauraumkanals begonnen worden, auch an der Sophie-Charlotten-Straße soll ein Mischwasserspeicher entstehen. Bereits 2018 hatten die Wasserbetriebe die Regenwasseragentur gegründet. Die Beratungsdienstleistungen der Agentur würden auf eine große Nachfrage treffen, so Simon. Inzwischen unterstütze das bei den Wasserbetrieben angesiedelte Unternehmen die Planung von 20 künftigen Stadtquartiere.

Berliner Wasserbetriebe wollen weiter investieren

Laut Plan wollen die Wasserbetriebe bis 2031 insgesamt 5,9 Milliarden Euro in Sanierung, aber auch den Ausbau des Leitungsnetzes und weiterer Anlagen wie Klärwerke investieren. 2019 gab das Landesunternehmen 384 Millionen Euro aus. Unter anderem seien insgesamt zehn Kilometer Versorgungsleitungen erneuert worden, so Simon. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sprach von einem guten Jahr für die Wasserbetriebe mit einem guten Gewinn für das Land Berlin. 2019 erwirtschaftet der Landesbetrieb rund 113 Millionen Euro für die Kasse des Finanzsenators.

Pop hatte gemeinsam mit den Wasserbetrieben im vergangenen Jahr auch den sogenannten Unternehmensvertrag aufgesetzt. Darin seien Meilensteine für die Zusammenarbeit und stabile Tarife bis Ende 2023 abgesichert worden, sagte Pop. „Das ist eine gute Perspektive. Dann werden wir Bilanz ziehen und schauen“, erklärte sie. Simon betonte, dass jeder Berliner 55 Cent am Tag für Trinkwasserversorgung und Abwasseraufbereitung ausgebe. Das sein ein Wert, den viele Leute im Portemonnaie nicht einmal bemerken würden, so Simon.

Projekt soll mögliches Corona-Frühwarnsystem erforschen

Im vergangenen Jahr verbrauchten die Berliner rund 220 Millionen Trinkwasser, etwas weniger als 2018. Der Umsatz stieg um 23,3 Millionen Euro auf 1,18 Milliarden Euro. Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auch auf Projekte zur weiteren Digitalisierung der Prozesse. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern soll unter anderem die Verkehrslenkung bei Starkregen und Überschwemmungen verbessert werden. Eine Art Frühwarnsystem könnte auch aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Technischen Universität Dresden und Helmholtz Zentrum für Umweltforschung entstehen: Generell lässt sich das Coronavirus auch im Abwasser nachweisen. Simon sagte, es solle nun erforscht werden, ob sich auch in kleineren Einheiten im Berliner Leitungssystem Aussagen zu etwaigen Ausbrüchen treffen ließen. Erste Ergebnisse werden Mitte des Jahres erwartet.