Blutkrebs

Knochenmarkspender dringend gesucht

Gerade hat die Familie Nachwuchs bekommen, da erhält der Vater eine unerwartete Diagnose - Blutkrebs. Wie weiter?

Monika Hasenmüller mit ihrem kleinen Sohn Tobias beim Spaziergang – nur Vater Amgad Elsayed fehlt. Er liegt mit Blutkrebs im Krankenhaus, nun suchen sie dringend einen Knochenmarkspender für ihn.

Monika Hasenmüller mit ihrem kleinen Sohn Tobias beim Spaziergang – nur Vater Amgad Elsayed fehlt. Er liegt mit Blutkrebs im Krankenhaus, nun suchen sie dringend einen Knochenmarkspender für ihn.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Abends, kurz bevor sie ihren Sohn ins Bett bringt, ruft Monika Hasenmüller immer ihren Ehemann an. Im Videochat erzählt er den beiden dann eine Geschichte, meist angelehnt an Erzählungen aus „Tausendundeine Nacht“ – und immer mit einem Sohn als Helden. Geister, die aus Flaschen kommen, Prinzessinnen, die auf Teppichen fliegen. Wenn ihr Mann Amgad diese Geschichte erzählt, vergisst Monika Hasenmüller für einen Moment, dass er im Krankenhaus liegt und auf eine Knochenmarkspende wartet.

„Wenn ich jetzt verzweifele, ändert sich nichts“

Es ist Dienstagmorgen. Die Bäume im Fritz-Schloß-Park in Moabit spenden Schatten. Die 37-Jährige Monika Hasenmüller hat ihren Sohn Tobias in einer Babytrage um den Bauch geschnallt. Sie will ein paar Schritte laufen, damit er nicht weint. Sie läuft langsam über den Schotterweg. Sie sagt: „Wenn ich jetzt verzweifle, ändert sich nichts.“

Erst habe sich ihr Mann immer wieder müde gefühlt, erzählt Hasenmüller. Aber so etwas könne doch vorkommen, wenn man arbeite und gleichzeitig noch ein Kind großziehe, dachte sie. Vielleicht habe er einen Eisenmangel, zumindest nichts Ernsthaftes, dachte sie. Es war Februar, als ihr Mann Amgad Elsayed zum Hausarzt ging und vorerst nur noch für einen Nachmittag zurückgekommen ist. Sie sei damals beim Arbeiten gewesen, als ihr Mann sie anrief und ihr die Diagnose des Hautarztes sagte: Blutkrebs. „Ich konnte es zunächst nicht glauben.“ Ihr Mann ist 36 Jahre alt und sei doch gesund gewesen.

Der Sohn Tobias kam dreieinhalb Monate zu früh zur Welt

Für die junge Familie war das binnen kurzer Zeit das zweite einschneidende Erlebnis. Als Monikas Sohn Tobias vor 18 Monaten auf die Welt gekommen ist, war das dreieinhalb Monate zu früh. Sie erzählt, dass der kleine Junge, der nun schlafend an ihrem Bauch hängt, fast nicht überlebt hätte. Wegen Hirnblutungen verbrachte er seine ersten Monate auf der Intensivstation. Sie und ihr Mann standen stundenlang zwischen piependen Geräten und fürchteten jeden Tag das Schlimmste für ihr Kind. Sie sagt: „Als wir endlich mit Tobias aus dem Krankenhaus gekommen sind, dachten wir, jetzt sind wir wieder in der Spur.“ Etwa ein Jahr später muss ihr Ehemann ins Krankenhaus.

Seit Februar hat ihr Mann zwei Chemotherapien überstanden. Anfangs konnte sie ihn noch besuchen. Nach der zweiten Therapie war das wegen der Kontaktbeschränkungen nicht mehr möglich. Dann hätten Ärzte gesagt, er könne vielleicht schon bald nach Hause. Allerdings seien die Blutwerte weiterhin schlecht gewesen. Für Monika Hasenmüller vergingen Wochen bis sie ihren Ehemann wieder in die Arme nehmen konnte. Jetzt darf sie ihn einmal täglich für eine Stunde sehen. Aber ohne den gemeinsamen Sohn Tobias.

„Ich versuche alles zu tun, was ich tun kann“

Sie hält kurz inne und schaut entlang des Schotterwegs. Die Mutter schiebt ihrem Sohn das Stirnband von den Augen zurück auf die Stirn und lächelt. Sie wirkt nicht müde. Es ist die Hoffnung, dass ihre Familie wieder vereint wird, die sie antreibt. „Ich kann die Situation nicht ändern“, sagt sie. „Aber ich versuche alles zu tun, was ich kann.“

Doch die Suche nach einem Spender für ihren Mann gestaltet sich schwierig. Normalerweise könnte sie zu einer Typisierungsaktion aufrufen. Zu einem Termin könnten dann hunderte Menschen kommen. Wegen der Kontaktbeschränkungen ist das aber nicht möglich. Deshalb muss Monika Hasenmüller die Suche ins Internet verlagern. Auf Facebook hat sie die Seite „Together for Amgad“ eingerichtet. Dort finden mögliche Spender Informationen und können sich für die Typisierung registrieren. Auch die DKMS hat eine Online-Aktion unter dem Titel „Rettet Tobis Papa“ gestartet. Wer sich registriert hat, bekommt ein Test-Kit mit einer genauen Anleitung zugeschickt. Die Abstriche packt man wieder ein und schickt sie an die DKMS.

In Ägypten gibt es keine Stammzellendatenbank - das ist jetzt ein Problem

Monika Hasenmüller zufolge sei die Suche nach einem Stammzellenspender schwierig, da ihr Mann aus Ägypten komme. Dort gebe es keine Stammzellendatenbank wie in Deutschland. Deshalb wolle sie vor allem Menschen mit arabischer Herkunft ansprechen, da die regionale Abstammung ein entscheidender Punkt sei. 575 Menschen haben sich schon registriert.

Monika Hasenmüller läuft langsam auf den Ausgang des Fritz-Schloß-Parks zu. Kennengelernt habe sie ihren Ehemann vor 14 Jahren in Kairo. Später seien sie wegen ihr nach Berlin gezogen. Er studierte an der Technischen Universität und ist Lehrer geworden, sie arbeitet als Bibliothekarin. Sie haben sich ein Leben in Berlin ausgemalt, das jeden Abend mit einem kleinen Ritual enden soll – einer Geschichte am Bett des Sohnes.

Helfen kann man der Familie unter: facebook.com/TogetherForAmgad oder dkms.de/de/better-together/amgad