Pandemie

Wohlfahrtsverbände fordern Corona-Prämie für alle Helfer

Durch die Trennung von Landesangestellten und Mitarbeitern bei gemeinnützigen Trägern würde eine Zweiklassengesellschaft entstehen.

Landesbeschäftigte in Krankenhäusern gehören zu denen, die in Berlin eine Dankesprämie bekommen sollen.

Landesbeschäftigte in Krankenhäusern gehören zu denen, die in Berlin eine Dankesprämie bekommen sollen.

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Berlin. In den vergangenen Wochen wurde oft über Prämien für Menschen gesprochen, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Arbeitsalltag besonders belastet sind. Bis zu 1000 Euro steuerfrei sollte es für Berliner Landesangestellte geben. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin (LIGA) kritisieren, durch dieses Vorgehen eine Zweiklassengesellschaft zu schaffen. Denn die Mitarbeiter der gemeinnützigen Träger würden nicht annähernd eine so hohe Prämie bekommen.

Die Betonung liegt auf „würde“, denn „sicher wissen wir noch nicht, ob unsere Mitarbeiter überhaupt etwas bekommen. Wenn, könnten wir mit der Hälfte rechnen“, sagt Barbara Eschen, Direktorin Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Und genau mit dieser Aussage deutet Eschen auf das eigentliche Problem. Während die Landesbediensteten beispielsweise in den Krankenhäusern bei Polizei und Feuerwehr mit einer Prämie rechnen können, könnten die Mitarbeiter der gemeinnützigen Träger in Berlin nur die Hälfte bekommen oder gar leer ausgehen.

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Selbst, wenn das Land Berlin die Hälfte zahlt, könnten die Wohlfahrtsverbände dies nicht aufstocken, um eine Gerechtigkeit herzustellen. „Wir sind gemeinwohlorientiert. Wir haben keine Rücklagen beziehungsweise dürfen keine Gewinnüberschüsse haben“, sagt Oliver Bürgel, Geschäftsführer Arbeiterwohlfahrt Landesverband Berlin und Vorsitzender der LIGA Berlin. Die Grundidee einer Prämie sei gut, aber diese sei nicht gut umgesetzt.

Mitarbeiter von Beratungsstellen werden bei Prämie vergessen

Deshalb fordert die LIGA Berlin – ein Zusammenschluss aus Arbeiterwohlfahrt, Diakonisches Werk, Caritasverband, Paritätischer Wohlfahrtsverband und dem Deutschen Roten Kreuz – die Gleichstellung aller Menschen, die durch das Coronavirus besonders belastet sind. „Wer sagt, dass die Mitarbeiter in landeseigenen Einrichtungen besser sind als die in den gemeinnützigen Einrichtungen?“, fragt Barbara Eschen. Kollegin Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin, ergänzt mit einem Beispiel: „Gar nicht aufgeführt sind Mitarbeiter bei den Beratungsstellen für Menschen, die sich alleine gelassen fühlen, Mitarbeiter der Drogen- und Suchtberatung oder von der Beratung für Krebspatienten. Diese Menschen führen die Gespräche nicht per Video, sondern sind vor Ort. Und die sind gerade durch die Corona-Pandemie noch engagierter und müssen sich noch mehr Zeit nehmen als sonst.“ Auch Mitarbeiter in Jugend-Wohngruppen würden nach Angaben von Barbara Eschen nicht berücksichtigt und die müssten die ohnehin psychisch angeschlagenen Jugendlichen aufbauen, weil Schule und Freizeit durch das Coronavirus nur in der Wohngruppe stattfinden könne – das sei eine zusätzlich seelische Belastung.

Unruhe und Frustration bei den Mitarbeitern

Gudrun Sturm, Vorstandsvorsitzende und Landesgeschäftsführerin Deutsches Rotes Kreuz Landesverband Berlin macht die drohende Zweiklassengesellschaft noch deutlicher: „Bei den Kindertagesstätten hat das Land Berlin eine Sonderprämie bewilligt, nicht nur für Landesangestellte, sondern auch für freie Träger. Das ist sehr gut. Aber: Bei der Notfallrettung arbeiten die Menschen an vorderster Front, hatten anfangs nicht einmal Schutzkleidung. Das Schlimme ist, dass die neben der Berufsfeuerwehr arbeiten, die eine Prämie bekommen. Wie sollen wir unseren Mitarbeitern erklären, dass sie wahrscheinlich keine Prämie erhalten? Das können wir nicht erklären.“ Es entstehe Unruhe und Frustration unter den Mitarbeitern, was verhindert werden müsse.

Gleichwohl müsste auch bei den gemeinnützigen Wohlfahrtsverbänden geschaut werden, wer für eine Prämie infrage kommt. Denn in Berlin arbeiten circa 100.000 Menschen für Wohlfahrtsverbände. „Es ist nicht schön, dass wir darüber nachdenken müssen, aber es muss auch wirtschaftlich leistbar sein“, sagt Prof. Dr. Ulrike Kostka, Direktorin Caritasverband für das Erzbistum Berlin.

LIGA wünscht sich gemeinsame Lösung mit dem Senat

Die LIGA wünscht sich aber vor allem nicht nur den finanziellen Bonus, sondern auch Respekt, Wertschätzung und Anerkennung in der Öffentlichkeit – besonders vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). „Der Bürgermeister ist für alle da. Das Land Berlin muss alle Krankenhäuser im Blick haben, nicht nur Charité und Vivantes“, betont Kostka. Viele Briefe an Müller seien nicht beantwortet worden. Jetzt fordert die LIGA, dass der Regierende Bürgermeister sowie der Senat in den Dialog tritt, damit sie gemeinsam eine Lösung finden können. Aber so, da sind sich alle Wohlfahrtsverbände einig, darf die Prämie nicht ausgezahlt werden. Sonst würde wirklich eine Zweiklassengesellschaft hervorgerufen.

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