Kultur

Gayle Tufts in den Wühlmäusen – und keiner geht hin

Artists Against Corona versteht sich als „Netflix für Kleinkunst“. Die Berliner Entertainerin nahm ein Programm für die Plattform auf.

Gayle Tufts am Dienstag in den Wühlmäusen am Theodor-Heuss-Platz. Zu sehen ist der Auftritt im Internet.

Gayle Tufts am Dienstag in den Wühlmäusen am Theodor-Heuss-Platz. Zu sehen ist der Auftritt im Internet.

Foto: Reto Klar

Berlin. Das Publikum und den Applaus muss sich Gayle Tufts bei ihrer Show am Dienstagvormittag in den Wühlmäusen dazudenken. „Das erinnert mich an meine ersten Auftritte in Berlin“, sagt die Entertainerin. „Mit drei Gästen – einer davon betrunken.“

Nach acht Wochen Zwangspause steht Tufts im Kabarett-Theater am Theodor-Heuss-Platz erstmals wieder auf der Bühne und auf High Heels. Für die Initiative Artists Against Corona, ins Leben gerufen von der Berliner Starkl Filmproduktion, zeichnet sie ein etwa 20-minütiges Programm auf. Verfügbar ist das Home Entertainment auf der Website des virtuellen Theaters, das Gründer Michael Starkl als „Netflix für Kleinkunst“ versteht. Für Beiträge von Ingo Appelt, Katharine Mehrling oder Ingmar Stadelmann können die Besucher auf freiwilliger Basis ein Ticket kaufen und damit die Künstler direkt unterstützen.

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Sie habe ein wenig Geld zur Seite gelegt und die Unterstützung für Selbstständige bekommen, sagt die 59-Jährige. Wenn sie im September wieder auftreten könne, komme sie finanziell über die Runden, danach werde es eng.

Eigentlich hätte Gayle Tufts am 10. Mai die Premiere ihrer Show „Make America Gayle Again“ im Schiller Theater feiern sollen. „Das Gute ist, ich war nie reich. Mein Vater war Barkeeper, meine Mutter Supermarktkassiererin und ich lange mittellose Künstlerin in New York“, so Tufts. „Ich kenne ausreichend Rezepte, um Pasta zu kochen.“ Zudem gebe es unter den Menschen derzeit eine Hilfsbereitschaft, wie sie es seit den Anschlägen vom 11. September nicht erlebt habe.

Gayle Tufts hat vergangene Wochen zum Schreiben genutzt

Die vergangenen Wochen hat die gebürtige Amerikanerin unter anderem zum Schreiben genutzt. Die Einsamkeit des Schreibtisches sei ihr auch in ihrem Beruf nicht ganz fremd und deshalb für eine Weile erträglich. Die ersten drei Wochen habe sie sogar die Ruhe genossen. „Ich bin die vergangenen 30 Jahre so viel getourt, es war auch mal ganz schön, morgens nicht im ‚Motel One‘ in Dortmund aufzuwachen.“

Daneben habe sie viel gelesen – „leider habe ich es nicht ganz durch das Gesamtwerk von Thomas Mann geschafft“ – und versucht, bei den Nachrichten auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die „anhaltende qTragikomödie“ ihres Heimatlandes hat Tufts dann auch direkt zu einem Song inspiriert. „Shut the fuck up“, singt sie in Richtung von Donald Trump.

Ihren 60. Geburtsttag muss Gayle Tufts umplanen

Sie sei derzeit besonders froh, in einem Land zu leben, das von einer Wissenschaftlerin und nicht von einem ehemaligen Reality-TV-Star regiert wird. „Solidarität ist etwas, was die Deutschen gut können“, sagt sie. Auch wenn sich derzeit ein paar Ermüdungserscheinungen breit machten. „So wie am Ende einer Diät, wenn man endlich wieder eine Pizza essen möchte.“

Eine persönliche Großveranstaltung, die Gayle Tufts aufgrund der Corona-Pandemie umplanen muss, ist ihr 60. Geburtstag am 17. Juni. „Vielleicht verteile ich die Gäste auf mehrere Tage. Mir wird schon etwas Kreatives einfallen.“