Corona-Krise

Berlins Gastronomen hoffen auf nächste Woche

Die Restaurantbetreiber in Berlin sind nach der Wiedereröffnung mäßig zufrieden. Es fehlen die Touristen.

Wiedereröffnung von Berliner Restaurants und Cafés

Nach mehreren Wochen Schließung soll te die Berliner Gastronomie-Branche wieder aufatmen können. Im Rahmen der Corona-Lockerungen dürfen Restaurants und Cafés unter Hygiene- und Abstandsregeln wieder Gäste empfangen. IMAGES AND SOUNDBITESN°1RN3C2

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Berlin. Am Sonntag spielt auch endlich das Wetter mit. Die 26-jährige Marie sitzt mit ihrer Freundin bei Kaffee und Kuchen am Boxhagener Platz in Friedrichshain und genießt die Sonne – selbstverständlich mit 1,5 Metern Abstand zum nächsten Tisch. „Ich freue mich, wieder in einem Café sein zu können“, sagt sie und sieht sich um. „Und vielen anderen geht es wohl ebenso.“

Tatsächlich wirkt bei einem Spaziergang durch die benachbarte Simon-Dach-Straße auf den ersten Blick alles wie beim Alten, wie vor der Corona-Pandemie. Vor den zahlreichen Gaststätten sitzen Menschen mit Sonnenbrillen meist zu zweit auf Stühlen und Bänken und genießen ihren freien Tag. Doch der Andrang ist nicht so groß wie gedacht.

„Für einen Sonntag ist wenig los“, sagt Tunjep, der im „Café Euphoria“ an der Ecke Grünberger Straße als Kellner arbeitet, „die Leute sind noch etwas zurückhaltend. Man darf nicht vergessen, dass bei vielen durch die Krise das Geld nicht mehr so locker sitzt.“

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Restaurants in Berlin: „Wirklich gelohnt hat es sich noch nicht“

Von dem Vorschlag des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, in Gastronomie-Kiezen wie der Simon-Dach-Straße oder der Bergmannstraße Fahrbahnen und Parkplätze komplett zu sperren, um so Platz für Außenbestuhlung im Sicherheitsabstand zu schaffen, hält er aber nichts: „Ich bekomme meine Terrasse ja jetzt schon kaum voll.“

Berk Köprülügil stimmt ihm da zu: „Es gibt Menschen, die hier ganz normal leben und arbeiten und sowieso schon zu viele Einbahnstraßen. Denen sollte man damit nicht noch mehr Platz nehmen.“

Köprülügil ist Inhaber der „Blechbilderbar“ an der Simon-Dach-Straße, die jetzt wie viele Kneipen in Berlin kleine Speisen anbietet, um wieder öffnen zu dürfen. „Wirklich gelohnt hat es sich noch nicht“, so Köprülügil, „wir bekommen erst zum Nachmittag richtig Sonne, und da wir um 22 Uhr schließen müssen, bleiben die Einnahmen einfach weg. Und natürlich fehlen auch die Touristen.“

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Corona-Krise: Einiges ist noch ungewohnt – auch die Abstandsregeln

Diese Tatsache trifft andere Teile Berlins noch härter. Am Wittenbergplatz war seit Freitag nur wenig los, die Betreiber zahlreicher Cafés und Restaurants warteten vergeblich auf Kundschaft. „Aller Anfang ist schwer“, heißt es aus dem „Noahs“ gegenüber der U-Bahnstation stoisch, „das muss sich erst wieder einspielen, auch mit den Abstandsregeln.“

Ähnlich sieht es am Gendarmenmarkt aus. Vor dem „Erdinger“ sitzen an diesem Sonntag nur zwei Herren mit Weißbier. Sie sind froh, wieder Gaststätten besuchen zu dürfen, haben aber auch Verständnis für die Startschwierigkeiten. „Die Leute wurden lange entwöhnt, jetzt muss man sie erst einmal wieder gewöhnen“, sagt einer der beiden und nimmt darauf einen Schluck Bier.

Grund hierfür könnte aber auch das durchwachsene Wetter an Freitag und Sonnabend gewesen sein. „Wir hoffen auf die nächste Woche und die anstehenden Feiertage“, kommentiert Rene, der im „Erdinger“ als Kellner arbeitet.

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Hotel- und Gaststättenverband zieht negative Bilanz

Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Berlin zieht nach den ersten offenen Tagen eine negative Bilanz. „Aus unserer Sicht war es eine Katastrophe“, sagt Vizepräsident Uwe Schild. Derart niedrige Umsätze hätten viele Betriebe noch nie gemacht. „Das war nicht mal ansatzweise, was wir uns vorgestellt haben.“ Aus unternehmerischer Sicht wäre es in vielen Fällen schlauer gewesen, Cafés und Restaurants geschlossen zu lassen, so Schild.

Im Gegensatz dazu sind die Gaststätten im Bergmannkiez in Kreuzberg mit dem ersten Wochenende nach der coronabedingten Schließung größtenteils zufrieden. „Der Andrang am ersten Tag war sehr groß“, sagt Dennis Liermann vom Craft-Biergarten „Hopfen-Dolde“, „viel mehr als gedacht. Die Leute freuen sich, dass sie wieder rausdürfen, das merkt man sofort.“ Und das, obwohl Liermann streng darauf achtet, die Kontaktdaten aller Gäste aufzunehmen.

Dominic Müller ist Anwohner des Begmannkiezes und an diesem Sonntag spazieren. „Von meinem Gefühl her ist nicht so viel los wie sonst“, sagt er 26-Jährige, „aber trotzdem merkt man schon, dass wieder etwas mehr Leben auf die Straße zurückkehrt.“ Besonders im vietnamesischen Restaurant „Umami X-Berg“ stehen die Leute bald Schlange, um eingelassen zu werden. Nur zwei Bänke und wenige Tische laden zum Verweilen vor der Gaststätte. Die befragten Gastronomen im Bergmannkiez und auch in der Simon-Dach-Straße gaben derweil alle an, dass sich die Kunden größtenteils an die Abstandsregelungen gehalten hätten.