Natur

So schön präsentieren sich Berliner Gärten

Die Veranstaltung „Offene Gärten“ muss wegen des Coronavirus ausfallen. Zu schade. Deshalb stellen wir hier vier Berliner Gärten vor.

Fast wie ein Park: der Garten von Rosemary und Rainer Bischoff in Zehlendorf.

Fast wie ein Park: der Garten von Rosemary und Rainer Bischoff in Zehlendorf.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. An diesem Wochenende sollte es wieder soweit sein: Zahlreiche Berliner und Brandenburger wollten ihre privaten Gärten für Besucher öffnen. Seit 2004 gibt es die Veranstaltungsreihe „Offene Gärten“, aus anfangs acht Teilnehmern sind zuletzt weit über 100 geworden, die sich an verschiedenen Tagen im Jahr beteiligt haben. Wegen der Corona-Pandemie aber muss die Veranstaltung an diesem Wochenende ausfallen. Für den Verein ist das „ein Drama“, wie Sandy Wolf aus dem Vorstand der „Initiative Offene Gärten Berlin-Brandenburg“ sagt.

Geschätzt würden durch die Absage Einnahmen von rund 15.000 Euro fehlen. „Die brauchen wir jedes Jahr, um weitermachen zu können“, sagt sie. Erstmal sei der Verein nun auf finanzielle Unterstützung angewiesen, auf seiner Internetseite hat er deshalb zu Spenden aufgerufen. „Wir wissen noch nicht wie es weitergeht“, sagt Wolf, „aber wir wollen die Offenen Gärten nicht so aufgeben.“ Die Hoffnung ist bei Veranstaltern, aber auch Teilnehmern groß, dass zumindest die späteren Termine im Sommer stattfinden können. Die Berliner Morgenpost stellt vier von ihnen mit ihren Gärten vor.

„Unser Garten ist ein Kunstwerk“

Lange Zeit war der Garten von Rosemary und Rainer Bischoff in Zehlendorf vor allem ein Spielplatz für ihre eigenen Kinder und die aus der Nachbarschaft. Als Kinder aus dem Haus waren, habe man einen richtigen Garten anlegen wollen, sagt Rosemary Bischoff. Heute gibt es einen Gartenteil mit Teich und großer Rasenfläche sowie einen 800 Quadratmeter großen Rosengarten.

„Das war immer unser Traum“, sagt Rainer Bischoff, rund 40 Rosensorten würden dort farblich sortiert wachsen. „Wir sagen immer, unser Garten ist ein Kunstwerk“, sagt Rosemary Bischoff. Die Tage der „Offenen Gärten“ sind für sie auch Motivation, alles herzurichten. Wenn dann die Besucher kommen und die Resonanz positiv ist, ist das die Belohnung.

„Ein Zauber in der Stadt“

Über seinen Garten sagt Bernd Schumann, er sei ihm „sozusagen zugefallen“. 2006 zog er in ein Mehrfamilienhaus in Weißensee und fragte, ob er den dazugehörigen Garten bewirtschaften könne. Das tut er seitdem, und für ihn steht fest: „Ich will eigentlich nie mehr ohne Garten sein.“ Dabei geht es ihm aber nicht darum, einen Garten nur für sich zu haben – in diesem Fall wird er von allen Bewohnern des Hauses genutzt. „Alle haben etwas davon. Ich kann so meine Leidenschaft ausleben“, sagt der gelernte Gärtner.

Angelegt ist der Hofgarten in der Grundform eines Klostergartens, in der Mitte gibt es ein kreisrundes Beet. Dazu kommen verschiedene Sitzecken und ein neues Gewächshaus. Für Schumann entfaltet ein Garten „einen Zauber mitten in der Stadt“. Er bringe die Menschen dazu, sich gegenseitig wahrzunehmen, was sie ansonsten kaum täten. Auch deshalb öffnet er den Garten für Besucher. „Es ist immer ein schöner und erfüllender Tag“, sagt er. Im Juni hofft er, wieder dabei zu sein.

„Ein Hobby, in dem ich aufgehen kann“

Was notwendig ist, um einen Garten zu gestalten und zu pflegen? „Erfahrung und eine gute Schere“, sagt Klaus Steinke und lacht. Den Vorgarten seines Hauses hat er als Heidelandschaft angelegt, der Garten hinter dem Haus ist von drei Teichen mit Brücken und Stegen, mehr als 150 Rosen und Natursteinmauern geprägt. Für letztere habe er eine besondere Vorliebe, sagt Steinke, „da lasse ich auch niemanden ran“. Zum Garten gehören auch eine „Toskana Terrasse“ und ein Steinbrunnen. Einen solchen habe er vor Venedig gesehen, fotografiert und nachgebaut.

Von den „Offenen Gärten“ spricht er mit großer Begeisterung, seit zehn Jahren ist er mit seiner Frau Monika bereits dabei. Teilweise seien schon mehr als 300 Menschen an einem Tag gekommen, erzählt der 73-Jährige. „Wir haben auch schon Gäste aus Japan und Österreich hier gehabt.“ Auch abseits der Veranstaltung würden manchmal Interessierte anrufen und fragen, ob sie den Garten besichtigen dürfen. „Zweimal sind sogar schon Reisebusse gekommen“, erzählt Steinke, dessen Ziel es vor allem war, seinen Garten zu etwas Besonderem zu machen. Für ihn sei das auch keine Arbeit. „Das ist ein Hobby, in dem ich aufgehen kann.“

„Jedes Jahr kommt etwas Neues dazu“

Für Sybille und Jörg Kuhlmann sollte es eigentlich eine besondere Gartenöffnung werden. Am Sonnabend feierten sie ihren 45. Hochzeitstag, und geplant war, das mit vielen Besuchern zu tun. „Es wäre schön gewesen, so viele Leute im Garten zu haben“, sagt Sybille Kuhlmann. „Jetzt haben wir beide erstmal allein gefeiert.“

Seit elf Jahren wohnt das Paar in dem Reihenhaus in Spandau, mit einem schmalen, länglichen Garten. Form und Größe machten die Bepflanzung zu einer kleinen Herausforderung. „Wir haben uns da richtig reingekniet“, sagt die Spandauerin. Zwei Drittel der Fläche sind als Ziergarten angelegt, ein Drittel als Nutzgarten.

„Wir haben den Garten mit seltenen, nicht handelsüblichen Pflanzen bepflanzt“, erzählt Kuhlmann, und jedes Jahr sehe der Garten ein bisschen anders aus. Was den Garten außerdem besonders macht, sind die alten Gegenstände, mit denen er dekoriert ist: das Vorderteil eines Kutschwagens, eine alte Wäschemangel, Fenster mit Sprüchen. „Jedes Jahr kommt etwas Neues dazu“, sagt Kuhlmann, die auch ein Herz für Bäume hat: „Ich rette Bäume, die irgendwo wachsen, wo sie nie überleben würden“, sagt sie. Einige sind schon mehr als 30 Jahre alt.