Familienbericht

So könnte Berlin noch familienfreundlicher werden

Bezahlbarer Wohnraum und flexiblere Arbeitszeiten: Diese Wünsche stehen im neuen Familienbericht ganz weit oben.

Ein Kind spielt mit seinen Eltern auf einem Spielplatz im Volkspark Wilmersdorf auf einer Rutsche.

Ein Kind spielt mit seinen Eltern auf einem Spielplatz im Volkspark Wilmersdorf auf einer Rutsche.

Foto: Christoph Soeder/dpa

Mehr familiengerechter und bezahlbarer Wohnraum: Das steht bei den Wünschen Berlins Familien ganz oben. Hinzu kommt der Ausbau wohnortnaher Infrastruktur, ebenso wie mehr Unterstützung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das geht aus dem aktuellen Familienbericht des Berliner Beirats für Familienfragen hervor.

„Die Stadt Berlin hat in den letzten Jahren bereits große Fortschritte in Sachen Familienfreundlichkeit erreicht“, sagt der Beiratsvorsitzende Karlheinz Nolte. „Dennoch gibt es Themen, bei denen Familien sich wünschen, dass sie künftig noch stärker in den Fokus der politischen Entscheidungen rücken“, führt er fort.

Anlässlich des internationalen Tages der Familie am Freitag hat der Berliner Beirat für Familienfragen ihren neuen Familienbericht an die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Sandra Scheeres (SPD) feierlich übergeben. „Familien in der wachsenden, vielfältigen Stadt“ lautet der Titel des mehr als 214 Seiten langen Bandes.

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Familienbericht: Was Familien wünschen und kritisieren

„Im Mittelpunkt des Ganzen steht die Frage, wie das Leben in den Familien in der wachsenden Stadt gelingen kann und welche Unterstützung die Berliner Familien dafür benötigen“, erklärt Karlheinz Nolte. Er ist Vorsitzender des unabhängigen, ehrenamtlichen und gesellschaftlich repräsentativen Gremiums aus rund 30 Mitgliedern, das sich aus verschiedensten Akteuren der Gesellschaft zusammensetzt. Sie sollen den Senat beratend unterstützen und alle fünf Jahre einen Bericht über die familienpolitischen Entwicklungen sowie die Lage der Berliner Familien analysieren und Handlungsempfehlungen geben.

Ganz oben auf der Liste steht das große Thema Wohnen. Denn damit würden sich laut einer Online-Umfrage des Gremiums immer mehr Berliner Familien beschäftigen. Zu den am häufigsten genannten Kritikpunkten zählen: massiv steigende Preise auf dem Wohnungsmarkt als Folge der Verdrängung, Mietkosten bis zur Hälfte des Nettogehalts, kaum große und familientaugliche Wohnungen, Mangel an seniorengerechtem Wohnen und nicht mehr ausreichende Instandhaltung von Wohnungen durch Eigentümer.

„Wir sehen hier zwar bereits deutliche Verbesserungen, dennoch muss noch weit es mehr getan werden“, erklärt Nolte zu den Forderungen. Die Schaffung von Wohnraum und eine familiengerechte Wohnungspolitik sollten in Berlin oberste Priorität haben.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig

Ebenso wichtig sei vielen Berlinern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In einer weiteren Online-Befragung, an der mehr als 1000 Familienmitglieder teilnahmen, nannten sie als größte Herausforderung Zeitmangel, Termine, Arbeitszeiten und Verpflichtungen sowie fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Als hilfreiche Unterstützungsmaßnahmen nannten sie flexiblere Arbeitszeiten und finanzielle Unterstützung, ausreichende und qualitativ gute Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Angebote am Arbeitsplatz.

Zwar habe der Senat im Ausbau von Schule und Kita bereits viel getan, dennoch dürfe nicht nachgelassen werden, erklärt Nolte. Ein weiter Wunsch: 88 Prozent der befragten Berliner Familien gaben bei einer Umfrage an, dass ihnen bürger- und serviceorientierte Ämter und Behörden wichtig seien. Dazu zähle unter anderem die Onlinebearbeitung von Anträgen, die Möglichkeit sich übers Internet zu informieren, längere Öffnungszeiten von Behörden an Wochentagen oder Spielecken in den Wartebereichen.

„Vor allem der Ausbau der digitalen Infrastruktur ist ein großer Wunsch vieler Berliner Familien und somit besonders wichtig, da diese ihnen einiges erleichtert und Zeit erspart“, erklärt Nolte weiter. Weitere Themen im Bericht sind die Prävention von Kinderarmut genauso wie der Kinderschutz und Gesundheit.

Corona-Krise dürfte weitere Notwendigkeiten mit sich bringen

Die Auswirkungen der Corona-Krise konnten im aktuellen Bericht nicht mit berücksichtigt werden, mit Sicherheit aber im Folgenden ein großes Thema sein.

Familiensenatorin Sandra Scheeres versichert, dass sie den Bericht sehr ernst nehme. „Ich sehe ihn als konstruktive Kritik, die wertvolle Impulse liefert“, so Scheeres. Auch wenn derzeit an vielen Ecken gespart werden soll, dürfe dies nicht beim Ausbau der Schulen und Kitas geschehen und das Geld dafür sei auch da, so die Senatorin. „Berlin ist eine familienfreundliche Stadt und wir wollen alles dafür tun, dass das auch so bleibt.“