Coronavirus

Senat und RKI warnen vor schneller Rückkehr zur Normalität

Die Infektionszahlen sind niedrig, doch der Senat warnt, die Pandemie sei noch nicht vorbei.“

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach: "Lockern zu viel gleichzeitig"

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) sieht die jetzt vereinbarten Lockerungen bei den zu Reise-Beschränkungen skeptisch. Er habe die Sorge, "dass wir derzeit zu viel gleichzeitig lockern", sagte Lauterbach im Interview.

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Berlin. Am Montag waren es gerade einmal zwei neue Corona-Neuinfektionen, die in Berlin offiziell gemeldet wurden. Seit drei Wochen liegt die Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich. Am Donnerstag gab es noch 478 aktive Fälle, von denen 352 im Krankenhaus behandelt wurden. So wenige, wie seit dem 18. März nicht mehr. Der grüne Grafik-Balken, der die genesenen Fälle anzeigt, wächst und wächst.

Auch nach den Feiertagswochenenden um Ostern, dem 1. und 8. Mai blieben die Berliner Corona-Infektionszahlen erfreulich niedrig. Anders, als von vielen befürchtet, da viele Berliner die langen Wochenenden nutzten, um den Frühling im Freien zu genießen - auch ohne Einhaltung der Abstandsregeln.

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Lebensdauer der Coronaviren sinkt unter Sonneneinfluss

Auch der Leiter der Virologie der Charité, Christian Drosten, nährte zuletzt in seinem Podcast beim NDR die Hoffnungen. Immer mehr zeige sich, dass das Ansteckungsrisiko im Freien als gering einzuschätzen sei, sagte Drosten. Der Windzug verdünnt die Anzahl ansteckender Tröpfchen offenbar so stark, dass das Risiko deutlich sinkt. Auch die Lebensdauer der Viren sinkt unter Sonneneinfluss im Freien stark im Vergleich zu geschlossenen Räumen.

„Man muss dann nicht sagen, alle Restaurants müssen weiter geschlossen bleiben, sondern man kann auch sagen, es wird Sommer, und der Außenbereich ist zunächst einmal als eine relativ sichere Zone einzustufen“, so der Chef-Virologe. „Ich würde da so weit gehen, zu sagen, man muss auf Terrassenbereichen nicht so strikt auf diese Abstandsregelung achten.“

Sind in einer 3,7-Millionen-Stadt wie Berlin also noch strikte Beschränkungen notwendig – oder sollten die Auflagen nicht deutlich mehr gelockert werden, weil das Ansteckungsrisiko in der Stadt so gering ist? Nein, sagen der Senat und das Robert-Koch-Institut (RKI). „Wir dürfen nicht so tun, als ob die Pandemie vorbei ist“, sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Noch immer sind wenige Menschen gegen das aggressive Virus immun, und es fehlen weiter Medikamente oder ein Impfstoff. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Infektionszahlen nach den beschlossenen Lockerungen wieder ansteigen“, sagte Kalayci am Donnerstag.

Zweite Welle würde ungeklärte Infektionsketten aufwerfen

Das sieht auch das RKI so. In der jüngsten Risikobewertung heißt es: „Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernstzunehmende Situation. Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt, für Risikogruppen als sehr hoch“ – trotz der erfreulichen Entwicklung.

So lange kein Impfstoff gefunden ist, besteht zudem jederzeit die Gefahr, dass die Infektionszahlen wieder exponentiell in die Höhe schießen und eine zweite Welle auslösen können. Diese könnte nach Einschätzung der Experten weit schlimmer verlaufen, weil dann wohl ungeklärte Infektionsketten auftreten. „Diese Gefährdung variiert von Region zu Region“, heißt es im aktuellen RKI-Bericht weiter. „Die Belastung des Gesundheitswesens hängt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, Quarantäne, physische Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein.“

Durch eine schrittweise Lockerung soll den Behörden nun ermöglicht werden, zu erkennen, welche Lockerungen weiter möglich sind und welche möglicherweise wieder zurück genommen werden müssen, weil sich einzelne Infektionsherde bilden – zum Beispiel in Kitas, Schulen oder Pflegeeinrichtungen – überall da, wo sich viele Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten.

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