Coronavirus

Erste Quarantäne-Station für Obdachlose eröffnet

An der Lehrter Straße beim Hauptbahnhof wurde eine Quarantäne-Station für Obdachlose eröffnet. Bis zu 16 Menschen können dort wohnen.

Zu Besuch mit Maske: Sozialsenatorin  Elke Breitenbach (Linke).Sergej Glanze/ Funke Foto Services

Zu Besuch mit Maske: Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke).Sergej Glanze/ Funke Foto Services

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Das Eingangsschild macht gleich klar, um was es geht: „Covid-19-Quarantäne“. Wer dort hineinwill, muss aber erst einmal durch die „Schleuse“: Mund-Nasen-Schutz, Handschuhe, Helm und einen Schutzumhang anziehen. Erst dann darf man über eine Markierung auf dem Boden laufen. Auch sie macht gleich klar, um was es geht: „High Risk“.

„Hohes Risiko“ also an der Lehrter Straße beim Hauptbahnhof. Es geht schließlich um etwas. Um das Coronavirus. Um das Überleben. Und um Obdachlose. Denn wir befinden uns in der ersten Quarantäne-Station für wohnungslose Menschen. Sagt Barbara Breuer, Pressesprecherin der Berliner Stadtmission. Bis zu 16 Gäste könnten dort während der zweiwöchigen Isolation wohnen.

Bereits am Montag sollen die ersten Bewohner kommen. Luise Rust von der Berliner Stadtmission koordiniert das Projekt. Sie sagt: „Hier können sich Obdachlose in Ruhe kurieren, und wir können verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet.“ Innerhalb des Hauses sollen sich die Bewohner weitestgehend frei bewegen können. Zudem gibt es Spielangebote und einen Raucherraum.

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Kosten für Platz in der Quarantäne-Station teilen sich Bezirk und Senatsverwaltungen

Umgerechnet rund 100 Euro täglich kostet ein Platz in der Quarantäne-Station. Die Kosten teilen sich der Bezirk, die Senatsverwaltung für Finanzen und die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Derzeit belaufen sich die monatlichen Kosten auf insgesamt rund 200.000 Euro. Denn es gibt noch eine zweite Einrichtung gegenüber: In den Räumlichkeiten des Jugendgästehauses können bis zu 108 Menschen während der Krise dauerhaft wohnen und werden durch Mitarbeiter der Berliner Stadtmission betreut. Für Bewohner, die Symptome aufzeigen, soll es in der Unterkunft auch 15 Quarantänezimmer geben. Des Weiteren sollen rollstuhlgerechte Plätze und eine Etage für Frauen geschaffen werden.

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) sagt, die beiden Einrichtungen seien für die nächsten drei Monate geplant. Danach werde man weitersehen. „Es gibt auch eine Exit-Strategie“, ergänzt Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). „Denn auf Dauer werden wir es uns nicht leisten können, die Menschen in einer Jugendherberge mit drei Mahlzeiten täglich zu versorgen.“ Einen genauen Plan zeigte sie allerdings nicht auf. Immerhin: Das Resultat der Quarantäne-Station und der 24/7-Unterkunft in der Jugendherberge werde später in den Gremien erörtert.

Mit Jugendherbergen hat man Erfahrung: In der Storkower Straße in Pankow können bis zu 150 Obdachlose untergebracht werden, und in einer Jugendherberge nahe dem Tiergarten gibt es rund 200 Plätze. An der Storkower Straße wurde die Eröffnung wegen Personalproblemen verschoben. Das soll in der Lehrter Straße nicht passieren. Dort wohnen bereits Menschen. Und ab Montag auch in der „Covid-19-Quarantäne“.

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