Nach Aufnahmestopp

Charité öffnet wieder für normale Patienten ohne Corona

Nicht unbedingt nötige Behandlungen und OPs waren wegen der Pandemie verschoben worden. Nun normalisiert sich die Lage an der Charité.

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Berlin. Die Charité hat nach achtwöchigem Aufnahmestopp für nicht unbedingt nötige Behandlungen und Operationen ihre Kliniken wieder für die normalen Patienten ohne Covid-19 geöffnet. Inzwischen würden wieder 600 Menschen am Tag an den drei Standorten stationär aufgenommen, zuvor waren es weniger als 500 gewesen. Das sagte der ärztliche Direktor des Berliner Universitätsklinikums Ulrich Frei am Mittwoch. Die Zahl der Operationen und anderer Eingriffe sei vorübergehend von 1000 möglichen pro Tag auf 500 heruntergefahren worden. Mittlerweile liege sie wieder bei 650 bis 700.

Charité-Chef Heyo Kroemer warb bei den Menschen darum, bei Beschwerden wieder die Krankenhäuser aufzusuchen. In der Corona-Pandemie habe man in Berlin Zahlen, „die wir gut bewältigen können“, sagte Kroemer. „Wir kommen jetzt in Berlin eine Phase, in der wir einen Teil der Kapazitäten wieder für andere nutzen können.“ Die Charité sei „bisher ein sicherer Ort“. Die „bedarfsgerechte Versorgung könne stattfinden“.

Zuletzt hatten die Ärzte einen deutlichen Rückgang von Patienten mit akuten Herz- oder Hirninfarkten an der Charité festgestellt.

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Charité: Geringe Corona-Infektionsquote bei Beschäftigten

Die Vorstände der Universitätsklinik beteuerten, dass die Charité - was das Coronavirus angehe - ein „sicherer Ort“ sei. Denn die in Berlin bislang umfangreichsten Reihentests von hätten nur sehr geringe Infiziertenzahlen ergeben. Von den 5000 Beschäftigten, die sich aus eigenem Antrieb testen ließen, weil sie sich krank fühlten oder Kontakt zu Infizierten hatten, seien nur 115 positiv auf Covid-19 getestet worden.

In einer weiteren Untersuchungsreihe seien zudem 7500 Mitarbeiter vom Bettenschieber über die Reinigungskraft bis zum Arzt und dem Verwaltungsexperten untersucht worden. Nur 25 positive Fälle seien dabei aufgetaucht. Diese Menge nannte der Charité-Chef „überraschend gering“. Es gäbe auch keine Unterschiede zwischen solchen Mitarbeitern, die mit Covid-19-Patienten zu tun haben und den anderen, die weit weg sind von den Betten der Infizierten. Im Juni werde man eine weitere solche Reihenstudie mit den gleichen Mitarbeitern durchführen. Sollte sich das Ergebnis bestätigen, könne man sagen, dass die Charité „einigermaßen virusfrei“ sei, so Kroemer.

In der Frühphase der Pandemie habe es auch in der Charité meldepflichtige Ausbrüche gegeben, hieß es. Diese seien aber von zurückgekehrten Urlauben in die Kliniken geschleppt worden. Auch für die im Zuge der Reihentests entdeckten Fälle gehen die Krankenhaus-Manager davon aus, dass sie von außerhalb aus dem privaten Bereich in die Kliniken mitgebracht wurden.

Charité soll Konzept für Tests in Altenheimen, Schulen und Kitas erstellen

Die Erfahrungen der Universitätsmediziner mit den Tests sind für den Senat wichtig, weil die Charité dem Senat kommende Woche ein Konzept für eigene Testaktivitäten liefern soll. Denn künftig will Berlin auch in Altenheimen, Schulen, Kitas und anderen Bereichen sehr viel mehr Menschen auf Covid-19 untersuchen. „Das ist die Erfahrung, auf die wir im Senat setzen“, sagte der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) beim Pressetermin mit den Charité-Chefs im Roten Rathaus. Dabei gehe es auch darum, in welchem Abstand welche Gruppen zu testen seien.

An der allen Bürgern offen stehenden Corona-Abklärungstelle auf dem Campus Virchow in Wedding habe man mehr als 5000 Menschen getestet, die mit Krankheitssymptomen oder Sorge, sich angesteckt zu haben, dorthin gekommen waren. Sieben Prozent dieser Menschen seien positiv gewesen, berichtete Heyo Kroemer. Die Resultate belegten aber auch, wie ansteckend das Virus ist. Das Durchschnittsalter der Getesteten habe bei 34 Jahren gelegen. Darunter sei auch die „Besatzung aus einem Nachtclub“ gewesen, die sich „gegenseitig angesteckt“ habe. „25 Prozent der Nachtclubbesucher waren positiv“, sagte Kroemer.

Charité hat bislang 282 Corona-Fälle behandelt

Mit den Corona-Patienten kommt die Charité derzeit gut zurecht, obwohl sie als zentrale Koordinierungsstelle und einziges Level-3-Krankenhaus mittlerweile die meisten schweren Fälle betreuen muss. Seit dem ersten Patient, der am 1. März aufgenommen wurde, hat die Charité 282 Covid-19-Fälle behandelt. 170 davon lagen oder liegen noch immer auf Intensivstationen. 34 Covid-Patienten sind in der Charité verstorben. Aktuell behandelt die Universitätsklinik 68 Patienten, die an dem Coronavirus leiden. Die auf dem Campus Mitte neu eröffneten Intensivstationen in einem Modul-Bau werde derzeit nicht belegt, sondern als Reserve vorgehalten, sagte Frei

Die vielen leeren Betten sind für die Charité auch ein wirtschaftliches Problem. Der Bund kompensiere jedes unbelegte Bett mit 580 Euro pro Tag, sagte der Vorstandsvorsitzende Kroemer. Die Kosten in der Universitätsmedizin lägen aber um 300 Euro höher. Man hoffe auf „finanzielle Nachbesserungen“ zugunsten der Universitätsmedizin.

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