Corona-Pandemie

Kinder dürfen nur noch vier Stunden pro Tag in die Kita

Die Betreuung wird ausgebaut, doch von einem Regelbetrieb kann noch lange keine Rede sein. Es droht Ärger.

Coronavirus-Irrtümer im Faktencheck

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Berlin. Das 12. Trägerschreiben an die Kitas war am Montagabend kaum raus, da war klar, es musste von der Senatsverwaltung für Bildung und Familie überarbeitet werden. „Diese 13. Trägerinformation ersetzt die am gestrigen Abend versendete 12. Trägerinformation“, steht da nun in Rot. Was war geschehen?

Ab Donnerstag haben alle Kinder, die nach dem Sommer in die Schule kommen, Anrecht auf Kitabetreuung. Auch Kinder, die nochmal ein Jahr von der Schule zurückgestellt werden. Und jeweils die Geschwisterkinder. Allerdings: Das Betreuungsangebot wird drastisch eingeschränkt. „Der Betreuungsanspruch wird für alle Kinder grundsätzlich auf maximal vier Stunden am Tag beschränkt“, heißt es im Infoschreiben. Kinder werden also beispielsweise nur vormittags oder nur nachmittags in der Kita betreut werden. Anders geht es in Coronazeiten nicht.

Berliner Kitas und Corona: Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen irritiert

Für Eltern, die arbeiten, ist das ein echtes Problem. Deshalb ist geplant, die systemrelevanten Berufe „unter Berücksichtigung des Bedarfs“ von dieser Vier-Stunden-Regelung auszuklammern. Allerdings hatte man wohl ursprünglich darüber nachgedacht, wieder den Kreis der systemrelevanten Berufe auf eine Kerngruppe zu beschränken, so wie es zu Beginn der Coronakrise gewesen war. Denn unter dem Punkt „eingeschränktes Angebot“, wo die vier-Stunden-Regelung erläutert wurde, hatte es im ersten Schreiben noch geheißen: „Dies kann bedeuten, dass auch bei Eltern aus systemrelevanten Berufen die bisher vereinbarten Betreuungszeiten in der Notbetreuung eingeschränkt werden müssen.“ Im Klartext: Manche Familien wären von einer Ganztagesbetreuung wieder auf eine Teiltagesbetreuung zurückgestuft worden.

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In dem zweiten aktuellen Schreiben ist dieser Satz, der sofort für Ärger in den Kitas vor Ort sorgte, nun gestrichen. „Offenbar wurden Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen darauf hingewiesen, dass sie nunmehr nur noch einen Anspruch auf ein Halbtagsangebot hätten“, so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Das ist aber nicht der Fall.“ Die Kitas dürfen die Arbeitszeiten der Eltern aber prüfend abfragen. Allerdings: Die „Abgabe einer Arbeitgeberbescheinigung“ sei nicht vorgesehen. Da kann es sich sehr leicht zwischen Kitaleitung und Eltern verkanten. Für Streitfälle ist deshalb ab Donnerstag eine Hotline für Eltern eingerichtet (Telefon 90227-6600). Die Hotline ist von 9 Uhr bis 15 Uhr besetzt. Auch für Kitaträger gibt es eine Nummer, um Rückfragen zu klären. In Härtefällen entscheidet die Kitaaufsicht.

Kitas in Berlin in der Corona-Krise: die Informationen der Senatsverwaltung in der Übersicht

Kitas in Berlin: „Stabile Kleingruppen“ sollen gebildet werden

Doch die Frage bleibt: Wie sollen die Kitas auf längere Sicht überhaupt alle Kinder versorgt kriegen? Denn in Ein- oder Zwei-Wochen-Schritten sollen zeitgleich nach und nach alle weiteren Kinder bis zum Sommer in die Kitas zurückkehren – jahrgangsweise, erst die älteren, dann die jüngeren Kindern. Entscheidend ist da nur, ob man als Elternteil grundsätzlich einen Kitaplatz für den Nachwuchs hat. Notbetreuung spielt hier keine Rolle. Bei diesen neu hinzukommenden Kindern gilt aber ausschließlich die Vier-Stunden-Begrenzung als Regel, die eigentliche Stundenzahl auf dem Kita-Gutschein zählt jetzt nicht mehr.

Ausdrücklich wird von der Senatsverwaltung für Familie von den Kitas erwartet, dass dort „stabile Kleingruppen“ gebildet werden – die Größe von zehn Kindern pro Gruppe soll nicht überschritten werden. Nur so hält man potenzielle Infektionswege klein und nachvollziehbar. Das heißt aber, dass es deutlich mehr Kita-Gruppen geben wird als in normalen Zeiten. Unter den Verhältnissen des Corona-Notbetriebes ist eine Kita so schon mit der Hälfte der Kinder an ihrer Grenze angelangt. Was passiert danach, werden dann Kinder abgewiesen?

Bald fehlen Räume und Erzieher - das ist schon jetzt klar

Auch bei der Senatsverwaltung wird erwartet, dass die Kita-Kapazitäten bald erschöpft sind. Ein Grund können auch fehlende Räume sein - die Gruppen sollen ja getrennt bleiben, „offene Konzepte“ sind in dieser Zeit nicht erlaubt. Man hofft dann, auf Kirchenräume oder Familienzentren ausweichen zu können. Woher aber das Kitapersonal kommen soll, das auch knapp ist, bleibt offen. Denn in den Kitas können nur ein Teil der Erzieherinnen und Erzieher zur Arbeit kommen, ein beachtlicher Prozentsatz gehört der Risikogruppe an. Rund 30 Prozent der Berliner Erzieher sind über 50 Jahre alt, zehn Prozent davon über 60 Jahre.

„Mit der Forderung, die bisherige bedarfsorientierte Betreuung der Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen fortzusetzen, alle weiteren Kinder schrittweise aufzunehmen und gleichzeitig noch auf den Infektionsschutz durch die Betreuung in kleineren und stabilen Gruppen zu achten, werden die Berliner Kitas vor eine unmögliche Aufgabe gestellt - und dabei alleingelassen“, protestiert nun der Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden (DakS).

Das sei ein „offensichtlich politisch motivierter Schwenk“, der Senatsverwaltung für Familie und Bildung. Aber man könne nicht alles haben: Zugang für alle und ausreichenden Infektionsschutz der Kinder und Erzieher. Ursprünglich sei eine Halbtagsbetreuung für die meisten Kinder geplant gewesen, nach dem Prinzip „Ausweitung durch Teilung“. „Mit einem solchen System hätte man eine Weile durch die Pandemie kommen können, ohne einzelne Gruppen ganz unversorgt und ohne Kinder und Beschäftigte ganz ohne Schutz zu lassen“, so die Sprecher des DakS.

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