Einzelhandel

Corona-Krise: Ladenöffnungen helfen Berliner Händlern kaum

Umfrage: Zwei Drittel der Berliner Geschäfte melden trotz der wiedererlaubten Öffnungen Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent oder mehr.

Merkel ruft zu anhaltender Vorsicht gegenüber Coronavirus auf

Nach dem Inkrafttreten weiterer Lockerungen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bürger zu anhaltender Vorsicht gegenüber dem Coronavirus aufgerufen.

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Berlin. Die Lockerungen für den Einzelhandel haben den Geschäften in Berlin bislang kaum geholfen. Einer neuen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge melden zwei Drittel der Berliner Einzelhändler Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent oder mehr. Die Ergebnisse der Studie lagen der Berliner Morgenpost vorab vor.

„Die wieder geöffneten Geschäfte und belebten Einkaufsstraßen mögen zwar den Anschein von Normalität erwecken, doch der Schein trügt. Sechs Wochen ohne Einnahmen bei gleichbleibenden Kosten stellen viele Unternehmen vor enorme, teils existenzbedrohende Probleme“, sagte Kammer-Präsidentin Beatrice Kramm mit Blick auf die neuen Zahlen.

Die Befragung hatte die IHK in der vergangenen Woche (4. bis 7. Mai) unter 1400 Berliner Unternehmen durchgeführt. Auch 200 Einzelhändler nahmen teil. Berlinweit war ein Großteil der Geschäfte von Mitte März bis Mitte April geschlossen. Erst seit dem 22. April darf der Einzelhandel unter Auflagen wieder öffnen. Die Lockerungen haben der Umfrage zufolge aber nicht zu einem Besucheransturm auf die Läden geführt.

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Corona-Krise in Berlin: Viele Händler mit "nahezu keinem Umsatz"

Nach Angaben der IHK gab fast ein Viertel der Einzelhändler sogar an, derzeit „nahezu keinen Umsatz“ zu haben, 17 Prozent der befragten Händler teilten Umsatzeinbrüche von bis zu 75 Prozent mit. Jedes vierte Unternehmen gab Einnahmeverluste in Höhe von bis zu 50 Prozent an. Profiteure gibt es der IHK zufolge kaum. Nur bei acht Prozent der Geschäfte ist der Umsatz im Vergleich zur Vor-Krisen-Zeit gestiegen.

Besonders dramatisch erscheinen die Zahlen mit Blick auf die Kostensituation der Einzelhändler. Trotz vereinzelter Mietstundungen sagten 74 Prozent der Händler, ihre durchschnittlichen Ausgaben seien nicht oder nur kaum gesunken. Nur einem Bruchteil der Befragten (vier Prozent) gelang es, die Kosten um immerhin bis zu 50 Prozent zu senken. 2,7 Prozent gaben an, dass die Ausgaben sogar um bis zu 75 Prozent oder mehr gesenkt werden konnten.

Die Folgen der Corona-Pandemie haben allerdings nicht nur den Einzelhandel in Berlin hart getroffen.

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Berlins Wirtschaft geht davon aus, Arbeitsplätze abbauen zu müssen

Der IHK-Umfrage zufolge rechnet ein Großteil der Unternehmen aus allen Branchen mit deutlichen Geschäftsrückgängen: 41 Prozent gehen demnach mit Blick auf das Gesamtjahr von Umsatzeinbußen in Höhe von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. 17 Prozent rechnen mit 25 bis 50 Prozent weniger Umsatz. Nur zwei Prozent gaben an davon auszugehen, durch Corona ihr Geschäft sogar noch ausbauen zu können.

Wegen der schlechten Aussichten prognostiziert die Berliner Wirtschaft schon jetzt dramatische Auswirkungen auf die Beschäftigtensituation. „Dass fast jeder zweite Betrieb davon ausgeht, als Folge des Lockdowns Arbeitsplätze abbauen zu müssen, sind bedrückende Aussichten“, stellte IHK-Präsidentin Kramm fest.

Der Umfrage zufolge rechnen 42 Prozent aller Firmen in Berlin mit einem Abbau von Arbeitsplätzen. 54 Prozent der Unternehmen teilten mit, den Stand der Beschäftigung in ihrem Betrieb halten zu wollen. Lediglich 3,7 Prozent der Befragten rechnet nach dem Wiederhochfahren der Wirtschaft mit einem Job-Zuwachs.

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Berliner IHK legt Vier-Stufen-Plan vor

Kramm hatte zuvor auch weitere Unterstützung durch die Politik gefordert. Man dürfe sich nicht der Illusion hingegeben, die Wirtschaft könne jetzt nahtlos an Vor-Corona-Zeiten anknüpfen, sagte sie. „Die vergangenen Wochen haben Berlin verändert und wie dramatisch sich die Pandemie auf die Berliner Wirtschaft auswirkt, lässt sich derzeit nur annähernd schätzen“, so Kramm. Entscheidend sei nun, dass Politik und Verwaltung die Revitalisierung der Wirtschaft aktiv unterstützten. Die IHK hat dafür einen Vier-Stufen-Plan skizziert.

Der erste Baustein müsse demnach der Ausgleich sozialer, wirtschaftlicher und gesundheitlicher Interessen. Als Folge fordert die Kammer den Aufbau eines Zuschusssystems, der die Unternehmen aus ihrer Rolle als Bittsteller entlasse. Darüber hinaus plädierte die IHK für mehr Flexibilität vor allem mit Blick auf Genehmigungsverfahren und Öffnungszeiten. Politik und Verwaltung sollten zudem verstärkt kreative Lösungen fördern und rasch auf digitale Lösungen umsteigen, auch im Bereich Bildung, so die Kammer.

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