Corona-Krise

Überfüllte Gehwege, aber kaum Kunden in Geschäften

Die Berliner genießen die Sonne, doch im Einzelhandel läuft das Geschäft nach der Wiedereröffnung vielerorts nur schleppend an.

Francesco Iaccarino (21) und seine Mutter Jana (49) aus Lichtenrade bummeln über die Schlossstraße in Steglitz 

Francesco Iaccarino (21) und seine Mutter Jana (49) aus Lichtenrade bummeln über die Schlossstraße in Steglitz 

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Der strahlende Sonnenschein zieht die Berliner am Sonnabendmittag ins Freie. Aufgrund der Lockerung der Corona-Maßnahmen ist nun auch wieder ein Einkaufsbummel in großen Läden möglich. Doch während sich die Menschen auf den überfüllten Gehwegen der Schlossstraße aneinander vorbeidrängen, ist in den Geschäften eher wenig los. „Ich habe erwartet, dass heute mehr los ist“, sagt Alicia Niere, als sie mit ihrem Bekannten Vaidas Verbauskas aus dem Boulevard Berlin kommt.

Auch sie freue sich, nach der Shoppingtour im Einkaufszentrum nun wieder an der frischen Luft zu sein, sagt die 17-Jährige. Das Atmen mit der Maske falle ihr in der Einkaufshalle schwer. „Heute wollte ich auch nichts kaufen, weil ich nichts gebraucht habe“, sagt Niere.

Verbauskas steht neben ihr und hält eine Papiertüte in Hand. Bei Hollister hat er zwei T-Shirts gekauft. „Wir wollten auch noch zu Sportscheck in der Mall, aber die lange Schlange davor hat uns abgeschreckt“, sagt der 17-Jährige.

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Corona-Krise: „Grausam ist es, so einkaufen zu gehen“

In der Tat warten vor einigen Filialen im Boulevard Berlin Leute, die von Schnäppchenangeboten gelockt werden. Insbesondere Kleidergeschäfte werben mit bis zu 50 Prozent reduzierter Ware. In viele andere Läden verirrt sich hingegen kaum jemand. Kleinere Geschäfte, die besondere Lebensmittel, Pflegeprodukte oder Schuhe anbieten, sind meist leer.

Die Atmosphäre in dem Einkaufszentrum bleibt trotz der Lockerungen angespannt. Immer wieder sieht man, wie Sicherheitsmitarbeiter mit Menschen diskutieren, die nicht den gebotenen Abstand wahren. Eine elektronische Ansage weist alle paar Minuten auf die Sicherheitsmaßnahmen hin. Die Sitzbänke in der Mitte des Ganges sind abgeklebt. Die neuen Corona-Regeln schreiben vor, dass Kunden die Sitzgelegenheiten nicht nutzen dürfen, damit sie die Geschäfte möglichst schnell wieder verlassen.„Grausam ist es, so einkaufen zu gehen“, sagt Jana Iaccarino.

Sie steht neben ihrem Sohn Francesco auf der Schlossstraße, in der Hand eine Tüte mit Jeans. Die beiden haben den Laden nur kurz betreten, um das Notwendigste zu kaufen, sagt sie. Ihren Sohn scheinen die Bedingungen beim Einkauf nicht so sehr zu stören. „Ich freue mich, dass wir heute seit langer Zeit unsere erste Shoppingtour machen konnten. Man kann sich in Ruhe beraten lassen und Klamotten anprobieren“, sagt der 21-Jährige. Während der Schließung der Geschäfte haben beide bei Online-Anbietern gekauft. Doch auch dabei hat es Probleme gegeben, sagt seine Mutter: „Dann verpasst man DHL und steht stundenlang in der Post, um das Paket abzuholen.“

Wenige Kunden verteilen sich auf Flächen der Kaufhäuser

An der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg zeigt sich ein ähnliches Bild: überfüllte Gehwege, aber kaum Kunden in den Geschäften. Während in den Filialen nervöse Blicke getauscht werden, wenn keine Distanz gewahrt wird, scheint der Sicherheitsabstand auf der Straße keine Rolle mehr zu spielen. Dicht gedrängt gehen Menschen aneinander vorbei oder versammeln sich vor den Sitzbänken in der Fußgängerzone.

In Kaufhäusern wie Karstadt muss man nicht auf Abstand gehen, denn die wenigen Kunden verteilen sich auf die große Fläche. Sylvia Feige hat sich heute auf den Weg dorthin gemacht, um die Wiedereröffnung mitzuerleben. „Ich war vor der Corona-Krise oft hier und wollte mir das heute ansehen“, sagt die 67-Jährige. Sie verlässt die Filiale letztlich ohne Einkäufe.

Als sie wieder auf der Straße steht, putzt sie ihre Brille, die wegen der Atemmaske immer wieder beschlägt. Das ständige Putzen sei lästig, sagt Feige. Dann bemerkt sie: „Hier im Freien ist viel mehr los. Ich denke, die Leute fühlen sich befreit. Sie wollen das Wetter genießen und nicht ins Kaufhaus gehen.“

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