Corona in Berlin

So sollen die Berliner Kitas jetzt weiter geöffnet werden

Erst kommen die Vorschulkinder, danach geht es in Jahrgängen bis zu den Sommerferien weiter – der Berliner Kita-Plan.

Ab Donnerstag füllt es sich weiter in den Kitas der Stadt - ab dann kommen die Vorschulkinder zurück.

Ab Donnerstag füllt es sich weiter in den Kitas der Stadt - ab dann kommen die Vorschulkinder zurück.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Ab Donnerstag kehrt zum ersten Mal eine große Gruppe von Kindern in die Kita zurück, ohne dass es einen elterlichen Grund dafür gibt: die Vorschulkinder. Bislang galt ja die erweiterte Notbetreuung. Ihren Kitaplatz in Anspruch nehmen konnten nur Familien, bei denen entweder ein Elternteil in einem „systemrelevanten Beruf“ arbeitet oder es waren Alleinerziehende oder die Verhältnisse sind sehr schwierig. Genau in einer Woche, am 14. Mai, heißt es nun: alle Vorschulkinder dürfen zurück. Auch deren Geschwisterkinder sollen bevorzugt berücksichtigt werden. Das nennt man dann wohl einen „eingeschränkten Regelbetrieb“.

Die Kitazeiten können nur mit Beschränkung funktionieren - beispielsweise halbtags

Denn – eingeschränkt wird es bleiben. „Wir können nicht allen einen Vollzeitplatz in der Kita anbieten, wenn wir alle an Bord holen“, sagte Staatssekretärin Sigrid Klebba, die bei der Senatsbildungsverwaltung für Kita zuständig ist, im Berliner Abgeordnetenhaus.

Eltern sollten also nicht mehr auf ihren Gutschein blicken; die 6 bis 8 Stunden Betreuungsgarantie, sie zählt nun nichts mehr. Denn die Kitaplätze müssen jetzt sozusagen aufgeteilt werden: Kita nur vor- oder nachmittags oder Kita nur Montag bis Mittwoch. Oder halt nur wenige Stunden. „Das muss vor Ort entschieden werden“, sagt Klebba. Damit andere Kinder auch in den Genuss der Teilbetreuung kommen. Solidarisch wird die Kitazeit also in den nächsten Wochen begrenzt.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Für Eltern heißt das, sie können eine ganze weitere Weile womöglich nicht mehr Vollzeit ihrem Job nachgehen. Die Rechtslage dafür? „Unsere Eindämmungsverordnung“, erläutert Klebba. Aber natürlich: Eltern die nicht voll arbeiten, verdienen auch nicht voll. Deshalb müsse man über finanziellen Hilfen nachdenken, sinniert Klebba. Eine Art „Existenzunterstützung“, sagt sie.

Die Kita öffnet sich wieder! Das Virus? Über den redet man kaum noch

Worüber im Familienausschuss aber relativ wenig geredet wird, ist das Coronavirus selbst. Der „echte Stufenplan“, sagt Klebba zwar pflichtschuldig, sei natürlich abhängig vom „virologischen Geschehen“. Und das lässt sich in Klebbas Worten etwa so zusammenfassen: „Wir hoffen mal, dass keine zweite Welle kommt.“ Allerdings werde nun wichtiger, in den Kitas auf Corona zu testen. Das gehe selbstverständlich nur mit Einverständnis der Eltern. Wer diesen Test als Elternteil nicht möchte, lässt sie auch durchblicken, der solle sein Kind erst gar nicht in die Kita bringen.

Am Ende sollen bis zum Sommer alle Kinder wieder in der Kita sein, zumindest ein bisschen. „Ich kann aber nicht garantieren, dass alles wie ein Uhrwerk abläuft“, gibt Klebba zu bedenken. „Das wäre nicht seriös.“ Wie seriös diese Kita-Planung allerdings in der Perspektive eines Virologen ist, danach fragt keiner der anwesenden Abgeordneten des Berliner Landtages.

Die Kita-Gruppen müssen auf zehn Kinder erhöht werden

Denn - klar ist, die kleinen Notbetreuungsgruppen von bislang fünf Kindern werden sich auf Dauer nicht mehr halten lassen. „Wir müssen die Gruppen vergrößern auf bis zu zehn Kinder“, glaubt beispielsweise Babette Sperle vom Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden. Anders kriege man das Konzept nicht umgesetzt. „Das ist der Preis dafür, dass so viele wie möglich partizipieren.“ Ein ganz anderer Kurs also als der, der bislang bei Corona gefahren wurde.

Sperle ärgert sich über die „Verkündigungspolitik“ – wie alle Träger musste auch der DaKS von den neuen Kita-Plänen aus dem Radio erfahren. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) verkündete dem Volk die Maßnahmen im Inforadio, nun müssen alle folgen. Ähnlich verärgert ist man beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Man will auch dort den Eltern entgegenkommen und den Kindern wieder einen Kita-Alltag ermöglichen. Aber: „Schnelle Ankündigungen ohne Konzepte schaffen Frust, weil die Versprechen am Ende nicht eingehalten werden können“, sagt Hoyer.

Der „echte Stufenplan“: alle zurückholen und ein bisschen testen

Allerdings: ein Konzept gibt es ja. Den „echten Stufenplan“ wie Sigrid Klebba betonte. Einfach alle nach und nach wieder zurückholen und dazwischen ein bisschen testen.

So einfach kann es offenbar in Zeiten von Corona sein. Erstaunlich.