Prozess in Berlin

Überfall mit USB-Stick - Automaten geben Tausende Euro aus

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Kriminelle haben sich mit einem USB-Stick Zugang zu Geldautomaten verschafft.

Kriminelle haben sich mit einem USB-Stick Zugang zu Geldautomaten verschafft.

Foto: dpa

Vier Männer sollen Geldautomaten mithilfe von Schadsoftware geplündert haben. Sie erwarten mehrjährige Haftstrafen.

Berlin. Sie müssen sich wie im Schlaraffenland gefühlt haben. Abend für Abend zogen sie los – wenn sie fertig waren, spuckte der Geldautomat viele Tausend Euro aus. Kein Bankangestellter musste bedroht werden, kein Geldtransporter gestoppt werden. Es reichte ein Computerprogramm – und etwas Geschick, um den Anschluss des Automaten für den USB-Stick mit der Schadsoftware freizulegen.

Im Internet wird die Manipulation von Geldautomaten per USB-Stick und Computerprogramm als „elegante Art des Banküberfalls“ bezeichnet. Doch weil auch Elegantes, wenn es denn verboten ist, bestraft wird, fanden sich die vier Männer am Montag auf der Anklagebank der 34. Strafkammer des Berliner Landgerichts wieder. 37-mal, so hielt ihnen die Staatsanwältin vor, sollen sie versucht haben, mithilfe der Methode des sogenannten „Jackpotting“ Geldautomaten zu knacken. In 25 Fällen sei dies auch gelungen.

Ihre Streifzüge führten sie quer durch die Stadt. Bei einem Automaten am Kurt-Schumacher-Damm erbeuteten sie laut Anklage 18.000 Euro. Ein manipuliertes Gerät an der Müllerstraße spuckte demnach 42.640 Euro aus. Gesamtschaden laut Anklage: 662.630 Euro. Der Vorwurf: gewerbs- und bandenmäßiger Computerbetrug.

Radulian H. soll der Anführer gewesen sein. Für den Prozessauftakt hatte sich der 39-Jährige ein blütenweißes Hemd angezogen. Mal räkelte er sich, dann warf er seinen mutmaßlichen Helfern aufmunternde Blicke zu. Führungsqualitäten soll der Deutsch-Rumäne auch als Kopf der Bande unter Beweis gestellt haben. Laut Anklage beschaffte der ausgebildete Elektriker Tatfahrzeuge und Werkzeug und kundschaftete die Geldautomaten aus. Seine Wohnung in Reinickendorf sei „Anlaufpunkt und Unterschlupf“ der Bande gewesen.

Matei-Petru G., 36 Jahre, auch er gebürtiger Rumäne, sei für die Manipulation durch die Schadsoftware verantwortlich gewesen. Die zwei anderen Männer, auch sie stammen aus Rumänien, sollen die Aktionen abgesichert haben, etwa durch Warnungen per Laserpointer, wenn Passanten sich näherten.

Der Richter wollte auf eine Beweisaufnahme verzichten

Der Richter machte deutlich, dass die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft ihn überzeugten. Auf eine langwierige Beweisaufnahme wollte er daher verzichten – und schlug eine sogenannte Verständigung vor. Das Gericht stellt bei diesem Verfahren einen zu erwartenden Strafrahmen in Aussicht. Die Angeklagten kündigen – wenn sie sich auf die Verständigung einlassen – im Gegenzug umfassende Geständnisse an.

Drei der vier Angeklagten folgten dem Vorschlag. Matei-Petru G., der „Computerexperte“, muss demnach mit einer Strafe zwischen zwei Jahren und zehn Monaten und drei Jahren und vier Monaten rechnen. Mircea C. erwartet nach dem zu leistenden Geständnis eine Strafe zwischen einem Jahr und zehn Monaten und zwei Jahren und vier Monaten. Marian C. soll mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Die Staatsanwältin stimmte zu. Bereits beim nächsten Verhandlungstag am 11. Mai könnten die Urteile gesprochen werden.

Der mutmaßliche Chef der Bande, Radulian H., lehnte das Verständigungsverfahren dagegen ab. Sein Verteidiger, der Rechtsanwalt Stefan König, zweifelte die Höhe der angeblich erbeuteten Geldsummen an. In einer Nebenbemerkung kritisierte König zudem die Betreiber der Geldautomaten. Die Methode des „Jackpotting“ sei bereits seit 2010 bekannt. Einige Betreiber hätten trotzdem keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen. „Hier ist wirklich in grob fahrlässiger und fast schon einladender Art und Weise verfahren worden“, sagte König.

Das Verfahren gegen Radulian H. wird nun abgetrennt. Bis zu einem Urteil dürfte er in Untersuchungshaft bleiben. Wo die 662.630 Euro geblieben sind, ist indes unklar. Die Staatsanwaltschaft erwirkte zwar einen Beschluss zur Einziehung des auffindbaren Vermögens der Angeklagten. Viel war es allerdings nicht: Die Männer mussten ihre Handys abgeben und einen Laserpointer, einen Laptop und etliche USB-Sticks.