Stadtbaumkampagne

Berliner lassen die Bäume wieder wachsen

Anwohner und Naturfreunde machen Berlin grüner: Sie spenden für die Stadtbaumkampagne. Wir stellen zwei von ihnen vor.

Rechtsanwältin Heidi Schairer aus Charlottenburg betreut einen eigenen Stadtbaum.

Rechtsanwältin Heidi Schairer aus Charlottenburg betreut einen eigenen Stadtbaum.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Unter den Dürreperioden der letzten Jahre litten die Sauerstoffspender Berlins: die Stadtbäume. Allein bis Ende 2019 mussten die Bezirke 3300 von ihnen fällen. Nun engagieren sich Hunderte Berliner dafür, die Hauptstadt grüner zu machen: Sie spenden für die Stadtbaumkampagne, die die Senatsverwaltung gemeinsam mit den Bezirksämtern umsetzt. 628 Bäume in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf konnten so in diesem Frühjahr finanziert und gepflanzt werden.

Eine der Unterstützerinnen der Kampagne ist Karin Germer. Sie sei begeistert von der Kampagne, weil Bäume lebenswichtig seien: „Ein Baum kann zehn Menschen in der Stadt mit Sauerstoff versorgen“, sagt sie. Darum setzte sie sich in ihrer Nachbarschaft für die Pflanzung ein. Die 59-Jährige aus Wilmersdorf konnte 16 Nachbarn zu einer Spende zu motivieren. „Wir wollten die zwei fehlenden Bäume in der Uhlandstraße 145 ersetzen“, so Germer.

Nachbarn wollen Bäume mit Party feiern – nächstes Jahr

Germer erkundigte sich bei der Senatsverwaltung und informierte anschließend ihre Nachbarn: „Ich habe ihnen erklärt, dass wir pro Baum 500 Euro spenden. Rund 1500 Euro gibt der Senat dazu. Er veranlasst auch die Pflege der Bäume in den ersten Jahren.“ Schließlich habe sie ihre Nachbarn überzeugen können, als Hausgemeinschaft „Für eine lebenswerte Uhlandstraße – die NachbarInnen Uhlandstraße 144“ für die Bäume zu spenden. Mitte März wurden zwei Spitz-Ahorne gepflanzt, die prächtig gedeihen.

Insgesamt wurden in Charlottenburg-Wilmersdorf in diesem Frühjahr 162 neue Stadtbäume gepflanzt, in Pankow 166 sowie in Mahrzahn-Hellersdorf und Lichtenberg jeweils 150. Auch die übrigen Bezirke gehen nicht leer aus: Sie sollen in den kommenden Pflanzperioden, jeweils im Herbst und im Frühjahr, mit einer ähnlichen Stückzahl bedacht werden. Neben Privatpersonen und Hausgemeinschaften spenden auch Vereine und Unternehmen.

Mehrmals in der Woche kommt nun ein Bewässerungsfahrzeug vorbei, um die neuen Bäume in der Uhlandstraße zu gießen. Aber auch die Anwohner kümmern sich um die jungen Pflanzen. So konnten die beiden Spitz-Ahorne bereits eine Höhe von etwa fünf Metern erreichen. Ein Gestell wurde um sie herum angebracht, um Verschmutzung, etwa durch Hunde, vorzubeugen.

Stolz darauf, dass neue Bäume wachsen

Doch Germer fiel noch ein weiterer Baumstumpf an der Ecke Uhlandstraße/Düsseldorfer Straße auf. „Der abgeholzte Baum befand sich vor dem Getränkehandel Lehmann. Also habe ich dort per E-Mail angefragt, ob die Firma für einen neuen Baum spenden möchte“, sagt Germer. Die Antwort fiel positiv aus. Nun steht auch dort ein junger Spitz-Ahorn.

Germer ist stolz darauf, dass drei neue Bäume in der Nachbarschaft wachsen können. Eigentlich habe sie die Bäume mit einem kleinen Straßenfest begrüßen wollen. Dieses habe sie jedoch aufgrund der Coronakrise auf kommendes Jahr verschieben müssen. „Dann wird es eben eine Feier zum ersten Geburtstag“, so Germer.

Dank der Unterstützung belief sich der Spendenstand der Stadtbaumkampagne für das Jahr 2020 bis jetzt auf 85.527 Euro. „Spender können sich ihren Beitrag aussuchen und auch weniger als 500 Euro zahlen“, erklärt Derk Ehlert, Landschaftsplaner bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Im Zuge einer solchen Sammelspende könne man sich den Standort des Baumes zwar nicht aussuchen, werde aber als Spender auf einem Schild vor Ort erwähnt.

Die Senatsverwaltung sowie die Bezirke gewährleisten die intensive Pflege der heranwachsenden Bäume für zwei Jahre. „Durch die Aktion werden Menschen miteinbezogen. Sie erkennen, dass es sich nicht einfach irgendwelche Bäume des Bezirksamtes handelt. Berlinern wird das Gefühl vermittelt: ,Das sind unsere Bäume‘“, so Ehlert.

Spitz-Ahorn „Heidi“ fehlen noch die Blätter

Auch Rechtsanwältin Heidi Schairer aus Charlottenburg betreut nun einen Stadtbaum, der ihren Vornamen trägt. Sie spendete nicht selbst – der Baum war ein Geschenk ihrer Schwester Kerstin Albrecht. „Auf diese Idee ist sie durch die Internationale Grüne Woche gekommen. Sie hat meiner Mutter, meinem Vater und mir jeweils einen Baum geschenkt“, sagt Schairer.

Nun kümmert sie sich um ihren Sprössling „Heidi“, der an der Schillerstraße 61 in Charlottenburg steht. Auf dem Weg zur Kanzlei fährt sie dort jeden Tag vorbei und nimmt dann Wasser mit, um den Baum zu gießen. Da „Heidi“ erst vor wenigen Wochen gepflanzt worden sei, fehlten ihr noch Blätter, so Schairer. Dabei ist der Ahorn schon drei Meter hoch und etwa so dick wie ihr Unterarm.

Die 45-Jährige macht sich Sorgen um die Klimaerwärmung und die damit zusammenhängenden Waldbrände im Berliner Umland. Darum sei sie froh, dass in der Hauptstadt an einigen Stellen mithilfe der Stadtbaumkampagne wieder aufgeforstet werde: „Bäume sind für mich etwas Positives. Sie geben Schatten, spenden Kraft und stehen für Wachstum.“