Corona in Berlin

Weniger Diebstahl, weniger Sexualdelikte, weniger Gewalt

Die Zahl der Straftaten ist seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen gesunken. Bei häuslicher Gewalt könnte die Dunkelziffer hoch sein.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD).

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD).

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus haben in Berlin zu einem Rückgang der Kriminalität geführt. Die Polizei habe nach Erlass der Eindämmungsverordnung des Senats deutlich weniger Straftaten registriert, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Insgesamt gab es laut Statistik einen Rückgang von rund 23 Prozent. Als Vergleichszeitraum nannte Geisel die Woche vom 13. bis 19. April im Vergleich zur gleichen Kalenderwoche des Vorjahres.

Die Zahl der erfassten Sexualdelikte sei in diesem Zeitraum um gut 41 Prozent gesunken. Bei Rohheitsdelikten – Körperverletzung, Raub und weitere Gewalttaten gegen Personen – habe die Polizei gut 19 Prozent weniger Taten erfasst. Die Zahl der Diebstähle sei laut Statistik um knapp 33 Prozent gesunken. Bei Straftaten im öffentlichen Nahverkehr habe die Polizei ein Minus von fast 38 Prozent registriert.

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Einen Anstieg weist die Statistik für den Tatbestand des Subventionsbetruges auf. Wie berichtet, geht die Polizei Fällen nach, in denen Kleinunternehmer sich mutmaßlich Hilfen der Investitionsbank Berlin erschleichen wollten.

Ein unklares Bild ergibt sich beim Thema häusliche Gewalt und Gewalt gegen Kinder. Experten hatten zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen wegen zu erwartender Stresssituationen in Wohnungen starke Anstiege befürchtet. Die Zahl der bei der Polizei eingehenden Notrufe wegen häuslicher Gewalt stieg nach Erlass der Eindämmungsverordnung laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik tatsächlich um mehr als 40 Prozent. Paradox erscheint allerdings, dass die Zahl der erstatteten Anzeigen dennoch annähernd konstant blieb.

Über die Gründe können auch Experten nur spekulieren. Die Zahl der Alarmierungen stieg demnach möglicherweise, weil in Folge der Ausgangsbeschränkungen mehr Menschen in ihren Wohnungen bleiben und deswegen auch häufiger Streitgeräusche bemerken, die auf häusliche Gewalt schließen lassen. Die Zahl der Anzeigen könnte praktisch konstant geblieben sein, weil sich viele Verdachtsfälle später als Irrtum erweisen – oder aber weil die Betroffenen sich nicht trauen, der Polizei die erlittene Gewalt zu bestätigen. „Dass die Anzeigen wegen häuslicher Gewalttaten derzeit nicht steigen, sollte uns nicht beruhigen“, sagte der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Dunkelfeld aktuell gigantisch ist, weil die institutionelle Kontrolle durch Kitas, Schulen, Sportvereine und ähnliche Einrichtungen fehlt.“ Umso wichtiger sei es, dass Nachbarn und Angehörige wachsam blieben. Opfer dürften nicht auf sich allein gestellt sein.

Der Innenausschuss gehört zu den wenigen Ausschüssen des Abgeordnetenhauses, die trotz Corona-Krise noch tagen. Die Abstandsregeln werden durch eine geänderte Sitzordnung der Abgeordneten gewährleistet. Journalisten und Besucher können die Sitzung per Livestream verfolgen.