Coronakrise

Kühlere Temperaturen - Weniger Andrang in Parks

Am Sonntag gab es keine Massen im Volkspark am Weinberg. Gruppen treffen sich vereinzelt im Mauerpark und Schlosspark Charlottenburg.

Menschen am Sonntag im Volkspark am Weinberg.

Menschen am Sonntag im Volkspark am Weinberg.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Große Gruppen, die dicht gedrängt auf Decken in der Sonne sitzen – diese Fotos vom Volkspark am Weinberg in Mitte kursierten im Internet. Fast schien es, als hätten Berliner aufgrund der gelockerten Pandemieregeln die Coronakrise vergessen. Am Sonntagnachmittag ergab sich ein anderes Bild: Zwar hatten es sich einige Menschen dort auf der Wiese gemütlich gemacht – jedoch meist zu zweit oder augenscheinlich im Familienverbund und mit gebührendem Abstand zum Wiesennachbarn. Dass diese Situation im Park eher die Ausnahme ist, weiß Familienvater Reno Marioni, der in der Nähe wohnt.

Marioni steht am Wegesrand neben einem Kirschblütenbaum und lässt seinen Blick suchend über die Wiese schweifen. Er hält Ausschau nach seiner Frau Natalie und seiner Tochter Mica, mit denen er sich verabredet hatte. „Normalerweise kommen wir nur vormittags hier hin. Ab 4 Uhr nachmittags, wenn das Wetter besser ist als heute, gibt es dichtes Gedränge, das wir vermeiden wollen“, sagt Marioni.

Im Mauerpark trifft sich eine Gruppe von Musikern

Besonders regt er sich über die „Massen von Hipstern“ auf, die die Abstandsregeln missachten, als würden sie „keine Nachrichten lesen“. Neben den Gruppen junger Menschen stellen aus Marionis Sicht auch Jogger ein Problem dar: „Eigentlich müsste man zu ihnen fünf Meter Abstand halten. Durch ihren Schweiß und das schnelle Atmen können sie Viren verbreiten.“ Er sei sich sicher, dass am Montag bei wärmeren Temperaturen wieder mehr Menschen in den Park strömen werden.

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Einige größere Gruppen sind unterdessen im Mauerpark in Pankow anzutreffen. In der Nähe des Eingangs haben sich sechs Musiker getroffen, die trommeln und Gitarre spielen. Auch auf dem Hügel neben dem Atrium kann man vereinzelt drei oder vier Menschen zusammensitzen sehen, jedoch stets in angemessener Distanz zu anderen.

„Letztes Wochenende war viel mehr los“, sagt Domen Podner. Er komme jede Woche in den Mauerpark, da er in der Nähe wohnt, erklärt er. Gemeinsam mit seinem Bekannten Steve M. sitzt er auf dem Rand der Atriumsbühne. Dann zeigt er hoch auf die Steinbänke: „Hier saß alles voll, als ich das letzte Mal da war.“ Angst habe er angesichts der Menschenmassen nicht gehabt. Doch er nehme die Krise ernst, und große Ansammlungen stellen seiner Meinung nach ein Problem dar, so der 47-Jährige. Er bemerke, dass die Lockerungen der Regeln zunehmend zu leichtsinnigem Verhalten führen.

Im Schlosspark Charlottenburg sitzen Vierergruppen zusammen

Steve M. sagt, er habe Podner früher jeden Sonntag im Mauerpark getroffen. „Damals war es noch lustiger hier. Da gab es noch den Flohmarkt“, sagt der 51-Jährige mit einem nostalgischen Blick auf die Wiese, auf der damals Stände aufgebaut waren.

Im Schlosspark Charlottenburg sind zwar mehr Menschen unterwegs als am Sonnabend, doch der Andrang hält sich in Grenzen. Viele Familien picknicken in der Sonne oder treiben gemeinsam Sport. Doch auch hier sitzen einige junge Menschen in Dreier- oder Vierergruppen zusammen.

Joggerin Magda K. schüttelt kurz den Kopf, als sie an einer solchen Gruppe vorbeiläuft. „Ich komme jeden Tag in diesen Park, um Sport zu treiben. Aber ich würde mich nicht mit meinen Freunden hier auf die Wiese setzen“, erklärt sie.