Pandemie

Die Spielplätze brauchen Corona-Regeln

Wenn am 30. April in Berlin Spielplätze eröffnen, droht die Corona-Epidemie aufzuflammen. In Pankow gibt es erste Ideen zur Vorsorge.

In Pankow warten Kinder auf die Eröffnung der Spielplätze.

In Pankow warten Kinder auf die Eröffnung der Spielplätze.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Wenn Spielplätze überall in Berlin am kommenden Donnerstag eröffnen, droht ein brisanter Tanz in den Mai. Dann dürfen Kinder zwar wieder im Sandkasten toben und auf Gerüsten turnen - aber unter Beachtung der Mindestabstandsregeln. 1,5 Meter von Kind zu Kind können darüber entscheiden, ob das Coronavirus beherrschbar bleibt oder die Epidemie neu entflammt. Aber wer außer den Eltern soll die Einhaltung des Abstands formell überwachen?

Nach ersten Überlegungen aus dem Rat des Bürgermeisters sind die Ordnungsämter gefragt. Weil sie aber kaum flächendeckend Spielplätze kontrollieren können, gibt es im kinderreichen Pankow eine zweite Überlegung: Freiwillige sollen nach dem Rechten sehen. Initiativen, Vereine und Jugendeinrichtungen könnten laut Bezirksamt mit einer freundlichen Ermahnung die Ordnung wahren. Eine Idee, die bei der Pankower Spielplatz-Initiative „Kiezinseln“ auf Zustimmung stößt.

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Eltern aus Pankow wollen helfen – aber nicht haften

„Als Eltern freuen wir uns, wenn die Pandemielage sicher genug ist, Spielplätze unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen wiederzueröffnen. Im Rahmen unserer eigenen zeitlichen Möglichkeiten sind wir Vereinsmitglieder auch bereit, zu verabredeten Zeiten auf dem Spielplatz anwesend zu sein und Hinweise zu Abstandsregeln zu geben“, sagt der Vorsitzende Christoph Weyl. Er hält es für möglich, dass auch umliegende Kitas in diese Spielplatz-Aufsicht einbezogen werden. „Es muss aber sichergestellt sein, dass Eltern oder Kita-Erzieher keinerlei Haftung für etwaige Verstöße oder Ansteckung tragen können“, stellt Weyl eine Bedingung.

Auch Uwe Scholz von der Pankower Initiative „Ja! Spielplatz“ begrüßt die jetzt angestrebte, rasche Wiedereröffnung der Anlagen grundsätzlich und sagt: „Sport, Spiel, Luft und Bewegung und eben auch Spiele unter Kindern sind sehr wichtig. Wichtiger als Shoppen.“ Die Idee von freiwilligen „Spielplatzwächtern“ sieht seine Initiative „mit einigen Zweifeln“. Selbstverantwortung der Familien sei ein besseres Model. Grundsätzliche Bedenken hat man bei der Hygiene: „Einkaufswagen werden vor jeder Benutzung desinfiziert – wie soll das bei Spielgeräten gemacht werden?“, fragt sich Scholz. Solche Fragen gelte es schnell zu klären.

Pankower Initiative rät zu konstanten Spielgefährten

Wenn Spielplätze mit neuen Regeln geöffnet würden, müssten die Regeln extrem einfach sein, erklärt der Experte. Zum Beispiel: Auf jedem Spielplatz maximal fünf Kinder gleichzeitig. Die Eltern müssten sich dann absprechen, wann gewechselt wird. Aus seinem Bekanntenkreis gibt Scholz ein Beispiel, wie man Spaß am Spiel ermöglicht, aber zugleich einem größeren Ausbruch des Coronavirus vorbeugt: „Einige Eltern gehen so vor, dass sie einzelne wenige Kinder aus der Nachbarschaft aussuchen, mit denen öfter gespielt wird. Im Hof, im Park, bei einem Fahrradausflug. Das kann ein praktikabler Zwischenweg sein. Eltern sollten vermeiden, dass die eigenen Kinder mit wechselnden Kindern aus vielen verschiedenen Haushalten spielen“, meint Scholz, der mit „Ja! Spielplatz“ seit Jahren für die Sanierung maroder Anlagen kämpft.

Unter welchen Regeln die knapp 160 Spielplätze in Tempelhof-Schöneberg ab 30. April wieder geöffnet werden sollen, stand am Freitag noch nicht fest. Zunächst müssten das Gesundheitsamt und vor allem die Amtsärztin dazu zurate gezogen werden. Ein entsprechendes Treffen werde es am kommenden Dienstag geben, teilt Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck (SPD) am Freitag mit. Die Entscheidung, die Spielplätze zu öffnen, sei für ihn überraschend gekommen. Zumindest in Tempelhof-Schöneberg habe man vor der Sitzung des Rats der Bürgermeister am Donnerstag weder Gesundheitsamt noch Amtsärztin mit einbezogen, so Schworck.

Noch kein Konzept zur Spielplatznutzung in Tempelhof-Schöneberg

„Bisher gibt es kein Konzept darüber, wie man die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts auf den Spielplätzen sicherstellen will“, sagt der Stadtrat. Dies sei aus seiner Sicht aber zwingend erforderlich. Man müsse genau klären, wie man den Gesundheitsschutz bei zusätzlichen sozialen Kontakten durch spielende Kinder auf Spielplätzen gewährleisten will. Es gelte nach wie vor der Auftrag von Bundeskanzlerin und Senat, wenn möglich zu Hause zu bleiben. „Ich bin skeptisch,“ sagt Schworck. Er habe außerdem die Sorge, es könne nun der Eindruck entstehen, die Lage sei nicht mehr so akut. Als Jugendstadtrat könne er das Bedürfnis bei Familien mit Kinder gleichwohl gut verstehen, die Spielplätze wieder zu nutzen.

Neben den Spielplätzen sollen mit dem gestrigen Freitag die bezirklichen Sportanlagen wieder öffnen. Von 8 bis 20 Uhr an Werktagen und 10 bis 20 Uhr an Wochenenden werden die Anlage im Volkspark Mariendorf, die Friedrich-Ebert-Sportanlage in Tempelhof, der Sportplatz an der Halker Zeile in Lichtenrade, der Sportplatz Vorarlberger Damm sowie der Dominicus-Sportplatz in Schöneberg wieder für den Individualsport öffnen, berichtet Schworck. Neben den Platzwarten soll Sicherheitspersonal für die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sorgen. So sind Gruppen, die nicht aus einem Haushalt stammen, nicht gestattet. Die öffentlichen Sportgeräte bleiben weiterhin gesperrt.