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"Marktbereinigung": Coworking Spaces in der Corona-Krise

In der Corona-Krise bleiben Gemeinschaftsbüros meist geschlossen. Das macht der Branche der sogenannten Coworking Spaces zu schaffen. Doch nicht alle Einrichtungen sind gleich stark betroffen.

Eine Person arbeitet in einem Coworking Space.

Eine Person arbeitet in einem Coworking Space.

Foto: dpa

Berlin. Die Corona-Pandemie bereitet Betreibern von sogenannten Coworking Spaces Schwierigkeiten - doch nicht alle sind gleichermaßen betroffen. "Ich befürchte, dass nicht alle Spaces die Krise überstehen werden. Es wird eine ungewollte Marktbereinigung geben", sagte Tobias Kollewe, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Coworking Deutschland. Betreiber in Berlin und anderen großen Metropolen seien vergleichsweise gut aufgestellt, da die Spaces oft schon seit Jahren bestünden und ein großes Publikum hätten. "Je weiter Sie aufs Land hinausgehen, desto kritischer wird es", sagt Kollewe.

In Coworking Spaces können Einzelpersonen, Teams oder ganze Firmen Schreibtische oder Büroräume anmieten. Die Einrichtungen dürfen trotz der Pandemie in Betrieb bleiben, allerdings unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Weitere Einnahmequellen wie Events oder die Vermietung von Meetingräumen fallen derzeit meist weg.

Ihm seien aktuell keine Berliner Coworking Spaces bekannt, die durch Corona in eine finanzielle Schieflage geraten seien. "Ich rechne damit, dass sich die Lage in den kommenden Wochen entspannt", sagte Kollewe. Wie betroffen die Einrichtungen von der Corona-Krise seien, hänge jedoch von der Struktur ihrer Nutzer ab. Gerade Start-ups seien von der Krise stark betroffen, weil ihnen Kapital fehle.

"Wir haben relativ viele Coworker, die mit ihrem Geschäft etabliert sind und keine kurzfristige Finanzierung benötigen", sagt Ben Roth vom Berliner Coworking Space "Office Club". Der Anteil der Einnahmen bei Events und Veranstaltungen am Gesamtumsatz liege bei rund zehn Prozent. Er glaube, dass die Einrichtung mit einem "blauen Auge" davonkomme, falls die Beschränkungen ab Mai gelockert würden. "Ich kann mir vorstellen, dass es bei Spaces, die gerade aufgemacht haben und noch Kredite abbezahlen, anders aussieht."

Auch die Gemeinschaft des "Sankt Oberholz", das mehrere Standorte in Berlin und einen in Frankfurt (Oder) unterhält, sei divers. Zu den Mietern gehörten Start-ups, aber auch etablierte Unternehmen. "Wir sind mit den Nutzern im Kontakt und bieten ihnen Hilfe an", sagte Geschäftsführer Ansgar Oberholz. Wer durch die Krise finanziell stark angeschlagen sei, erhalte einen individuellen Rabatt. "Im Gegenzug wünschen wir uns eine verlängerte Kündigungsfrist. Dieses Angebot wird bislang sehr gut angenommen."

Er glaube, dass die meisten Coworking Spaces mit einer intakten Gemeinschaft Lösungen finden würden. "Das hängt aber auch davon ab, in welchen Branchen die Mitglieder unterwegs sind. Start-ups aus der Reisebranche haben es gerade extrem schwer."