Coronavirus

Trotz Corona: Gedränge auf den Berliner Wochenmärkten

Obwohl der empfohlene Abstand von 1,50 Metern nur schwer garantiert werden kann, kommen viele Berliner zum Einkaufen im Freien.

Viele der Kunden tragen Gesichtsmasken: Szene vom Wochenmarkt auf dem Winterfeldtplatz.

Viele der Kunden tragen Gesichtsmasken: Szene vom Wochenmarkt auf dem Winterfeldtplatz.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Wochenende und sonnig-warm – viele zieht es da auf die Wochenmärkte Berlins. Gemüse, Obst, Brot, Käse oder Pflanzen unter freiem Himmel zu kaufen, kommt vielen Menschen in Zeiten des Coronavirus offensichtlich sicherer vor als in Supermärkte zu gehen. Auf den Märkten jedoch herrscht großer Andrang. Die eng gestellten Stände auf geringem Platz erschweren es den Kunden zusätzlich, den gebotenen Abstand von 1,50 Metern einzuhalten.

Auf dem Markt am Winterfeldtplatz in Schöneberg laufen am Sonnabend etliche Besucher durch die schmalen Gassen, die die Markthändler mit ihren Ständen gebildet haben. Wer hierher kommt, weiß, dass man vielen anderen Menschen nahe kommt. Viele Besucher schützen sich deshalb mit Gesichtsmasken, manche auch mit Gummihandschuhen. Da Händler mit Textilien ihre Ware derzeit nicht auf Märkten anbieten dürfen, haben Obsthändler und Co. mehr Platz für den eigenen Stand, können den Abstand zum Nachbarn ein bisschen vergrößern. Dennoch: Auf 1,50 Meter kommen hier die wenigsten Händler.

Markt am Winterfeldtplatz: Abstandsmarkierungen fehlen

Die Besucher scheint das nicht zu stören. Vor Hakan H.s Obst- und Gemüsestand tummelt sich die Kundschaft. Kein Wunder, preist er mit mehreren Mitarbeitern doch seine Ware lautstark an. Abstandsmarkierungen gibt es bei ihm nicht. Der Mindestabstand zum Stand oder zwischen den Kunden wird deshalb auch eher vernachlässigt. Seine Strategie: „Wir bedienen so schnell wie möglich, damit die Leute wenig Kontakt zueinander haben.“ Dass seine Kunden auch selbst nach Früchten oder Gemüse greifen, stört ihn nicht. Das Geschäft laufe nun mal ausgesprochen gut, lässt er noch kurz wissen, dann wendet er sich wieder seiner Kundschaft zu.

Ganz am Rand hat Regine N. ihren Stand mit Gewürzen, Tee und Kräutern aufgebaut. Der Stand gehöre ihrem Cousin Peter Ehmann, der schon seit mehr als 50 Jahren auf Märkten seine Waren anbietet. Auch sie sagt: „Es läuft wirklich gut.“ Jeden Sonnabend betreut sie den Gewürzstand. Gut zu beobachten sei, wie unterschiedlich sowohl Kunden als auch Markthändler mit dieser Situation umgehen, sagt Regine N. Die meisten aber nähmen es „locker“. Auch zwei Polizeibeamte laufen über den Markt. Sie sind aber nicht etwa wegen der Abstandsregelungen dort, sondern sorgten für Ordnung auf dem Markt und seien Ansprechpartner für die Besucher, wie die Beamten erzählen. Mit dem Coronavirus habe das aber nichts zu tun, sagen sie. Positiv sei ihnen aufgefallen, dass man als Polizist wieder gern gesehen sei.

Am Chamissoplatz in Kreuzberg ist viel Platz

Ein etwas anderes Bild zeigt sich im Bergmannstraßenkiez in Kreuzberg. Auf dem Ökomarkt am Chamissoplatz haben die vergleichsweise wenigen Händler viel Platz. Die extra für den Markt abgesperrten breiten Kopfsteinpflasterstraßen bieten ausreichend Fläche für Stände und Besucher. Das nutzen die Händler, um viel Abstand untereinander zu lassen. Ein improvisiertes Besucherleitsystem aus Abstandshaltern und gekennzeichneten Wegen sorgt dafür, dass Kunden nicht unkontrolliert an den Stand herantreten, sondern dies nur von einer Seite tun können. An den Eingängen weisen Tafeln darauf hin, dass aus hygienischen Gründen derzeit nur Einweggeschirr verwendet werden kann. Bei Bedarf können Kunden sogar an einem Waschbecken ihre Hände waschen.

Unterschiedlicher könnten Marktbesuche also kaum sein. Ob auf dem Winterfeldtplatz oder auf dem Chamissoplatz – einen einheitlichen Umgang der Märkte scheint es auch nach Wochen mit dem Coronavirus nicht zu geben.