Krankheiten

Coronavirus in Britzer Pflegeheim: Viele Bewohner genesen

Die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind eine besonders gefährdete Risikogruppe. Häufen sich die Infektionen?

Mundschutzmasken.

Mundschutzmasken.

Foto: dpa

Berlin. Nach einer Welle von Coronavirus-Infektionen in einem Berliner Pflegeheim Anfang April sind die meisten Bewohner genesen oder auf dem Weg der Besserung. Sie hoffe, dass die Quarantäne für das Hermann-Radke-Haus im Stadtteil Britz am Mittwoch aufgehoben werde, sagte Marion Timm, Geschäftsführerin des Diakoniewerks Simeon.

Insgesamt hatten sich 23 der 88 Bewohner und 6 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. In der Zeit danach habe es sechs Todesfälle unter alten Menschen gegeben, von denen drei in direktem Zusammenhang mit dem Virus standen, berichtete Timm. Alle Toten hätten Vorerkrankungen gehabt.

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Pflegeheim-Bewohner infizierten sich wohl bei Kegelabend

Grund für die Häufung der Infektionen war vermutlich ein Kegelabend, den ein ehrenamtlicher Helfer Mitte März noch vor den Kontaktverboten organisiert hatte. Der Helfer war selbst über 80 Jahre alt und starb. Diese Verkettung sei tragisch, sagte Timm. Das Haus habe die ganze Zeit über ausreichend Schutzkleidung verfügt.

Bei acht Trägern von Pflegeeinrichtungen in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz, die Mitglied im Diakonischen Werk sind, gibt es inzwischen mit Corona infizierte Menschen - sowohl Pflegebedürftige als auch Mitarbeitende, berichtete Sprecherin Anne-Katrin Hennig. Erkrankte Bewohner würden in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt in ihrem Einzelzimmer betreut. Die Einrichtungen stimmten mit den Gesundheitsämtern intern ab, ob Erkrankte auch gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden können, um soziale Isolation zu vermeiden.

Schwierig bleibe aber die Versorgung mit Schutzausrüstung. „Wir haben bereits mehrere Bestellungen ausgelöst und Lieferungen sowie Materialspenden erhalten, wofür wir sehr dankbar sind“, sagte Diakonie-Direktorin Barbara Eschen. Trotzdem bleibe die Beschaffung schwierig, weil die Lager quasi leer seien.

Auch die Preise seien aktuell vollkommen überhöht, kritisierte Caritas-Sprecher Thomas Gleißner. „Es tummeln sich viele schwarze Schafe auf dem Markt, die die Notlage ausnutzen. Die Preise liegen um das drei- bis zehnfache über denen vor der Coronakrise.“ Vor Ostern habe es in den Seniorenheimen der Caritas Altenhilfe in Berlin, Brandenburg und Vorpommern noch keine infizierten Bewohner gegeben. „Dennoch bereiten wir uns verstärkt für den Ernstfall vor. Es werden eigene Bereiche für die Isolierung von infizierten Bewohnern geschaffen.“

Beim Träger Vivantes gebe es genug Schutzmaterial

Beim großen Alten- und Pflegeheim-Träger Vivantes gibt es nach eigener Aussage noch ausreichend Schutzmaterial. Unter den rund 2300 Bewohnern war bis Ostern ein Fall bekannt: Ein positiv auf Covid-19 getesteter Bewohner werde isoliert in einem Krankenhaus behandelt, teilte die Pressestelle mit. Beim Personal seien vor Ostern keine Covid-19-Erkrankungen bekannt gewesen.

Auch in den landeseigenen Vivantes-Kliniken habe sich der Anteil von Alten- und Pflegeheim-Bewohnern bis Ostern nicht erhöht, teilte die Pressestelle mit. Bei den Mitarbeitern in Kliniken habe es vereinzelt positive Testergebnisse gegeben.