Wetter

Viel zu trocken: Aprilwetter sorgt Meteorologen

Der April macht, was er will - mit viel Regen und Schneegestöber? Das war einmal. Der April fühlt sich in Berlin nun wie Frühsommer an - das hat keine guten Folgen für die Natur.

Blumen blühen auf einer Wiese.

Blumen blühen auf einer Wiese.

Foto: dpa

Berlin. Die Erde im Gartenbeet ist so trocken, das sie aufreißt. Die Balkonprimel will täglich Wassernachschub. Das ungewöhnliche Wetter in diesem Frühjahr sorgt Thomas Dümmel, Meteorologe an der Freien Universität. "Das Klima spielt verrückt. Alles kommt zu falschen Zeit", sagt er. Durch das trockene, windige und sonnige Frühlingswetter besteht derzeit in Berlin auch ein sehr großes Waldbrandrisiko. Trockenes Laub kann sich leicht entzünden.

Normalerweise bringt der April Regen - und zwar satt. Das hat seinen Sinn, denn an vielen Pflanzen entfalten sich die Blätter. Für den Frühjahrsaustrieb brauchen gerade Flachwurzler und junge Bäumchen Feuchtigkeit.

Regen gab es in Berlin in Hülle und Fülle - allerdings im Februar: 81 Liter pro Quadratmeter maßen Dümmel und seine Kollegen in Dahlem. "Normal für Februar sind bei uns 37 Liter", berichtet er. Statt der gewohnten "Russenpeitsche" mit frostigem Ostwind und Schnee platschte ein Atlantiktief nach dem anderen vom Westen her über die Stadt. Im Ergebnis war es dadurch auch mehr als fünf Grad wärmer als üblich und so manche Tulpe fühlte ihre Zeit schon gekommen.

Voreilige Pflanzen mögen das bitter bereut haben, denn der kalte Ostwind kam doch noch - aber unerwartet und sorgte für einen Kälteeinbruch Ende März. Dafür fehlte dann der Regen. In Dahlem fielen im ganzen Monat nur 28 statt der üblichen 38 Liter, sagt Dümmel.

Seit dem Start in den April erfreut die Fülle warmer Sonnenstrahlen viele Menschen - aber weniger die Pflanzen. "Die Regenmengen seit Jahresanfang ergeben insgesamt kein Defizit", rechnet Dümmel vor. Dennoch sei die Austrocknung des Bodens gerade unübersehbar. Das liege daran, dass sich Hoch- und Tiefdruckgebiete in diesem Jahr nicht mehr abwechselten, sodern zeitlich lange ballten. "Und zwar zu Jahreszeiten, an denen es früher nicht üblich war."

Bäume kämen damit zur Zeit wahrscheinlich noch zurecht, weil sie mit ihren Wurzeln an Grundwasser herankommen. Zwiebelgewächse aber lassen die Blätter hängen oder kommen gar nicht erst hoch. Kriechgewächse sparen nicht allein Austrieb, einige vertrocknen jetzt schon.

Ein dritter trockener Frühling und heißer Sommer mit wenig Regen könnte der Natur erhebliche Schäden zufügen, warnt Dümmel. Denn bereits die vergangenen beiden Hitzesommer haben den Wäldern der Hauptstadt massiv zugesetzt: Neun von zehn Waldbäumen zeigen Schäden durch extreme Trockenheit, heißt es im Waldzustandsbericht von November. Die kritische Lage trifft auch Menschen: Denn der Wald ist Frischluftversorger und Erholungsraum.