Start-up

Berliner Lernplattform Sofatutor meldet Rekordzugriffszahlen

Aus ganz Deutschland nutzen Schüler das digitale Angebot. Das Berliner Start-up will in der Corona-Krise auch Eltern entlasten.

Stephan Bayer hat die Lernplattform Sofatutor 2008 gegründet. Mittlerweile stehen mehr als 10.000 Erklärvideos zur Verfügung.

Stephan Bayer hat die Lernplattform Sofatutor 2008 gegründet. Mittlerweile stehen mehr als 10.000 Erklärvideos zur Verfügung.

Foto: Tina Rettschlag/Sofatutor

Berlin. Der Sprung ins kalte Wasser erfolgte unvermittelt und erbarmungslos: Seit Mitte März arbeiten deutschlandweit Schüler und auch Lehrer von zu Hause aus. Die Schulen sind geschlossen. Und damit fehlt auch der Raum, in dem Probleme diskutiert und Lösungswege gemeinsam erarbeitet wurden. „In der Corona-Krise steht das selbstorganisierte Lernen mehr denn je im Vordergrund. Zwangsläufig setzen sich die Menschen deswegen mit digitalen Lernhilfen auseinander“, sagt Stephan Bayer, Gründer der Berliner Lernplattform Sofatutor.

Vor Beginn der Corona-Krise nutzten jeden Monat etwa 1,5 Millionen Schüler mehr oder weniger regelmäßig die Lernhilfen von Sofatutor, jetzt seien es laut Bayer eine Million pro Woche – und damit so viele wie nie zuvor. Sofatutor ist ein digitaler Lernhelfer. Kerninhalt sind mehr als 10.000 jeweils fünf Minuten lange Videos zu allen relevanten Inhalten aus den Lehrplänen der Bundesländer. Dazu gibt es Übungen, Arbeitsblätter und auch einen Lehrer-Chat, in dem täglich etwa 60 Pädagogen Schülern bei individuellen Fragestellungen helfen. Das soll in Zeiten des „Home-Schoolings“ vor allem Eltern entlasten.

Staatliche Schulen aus Berlin nutzen Sofatutor derzeit nicht

30 Tage lang ist das Angebot zunächst kostenlos. Danach werden – je nach Funktionsumfang – 15 oder 20 Euro im Monat fällig. Wegen der aktuellen Lage sei die Nutzung des Portals aber auch für komplette Schulen derzeit kostenlos, sagt Bayer. Denn Geld verdient Sofatutor nicht nur über individuelle Abos, sondern vor allem über die Kooperation mit Schulen und sogar gesamten Bundesländern. Bremen etwa nutzt die Berliner Plattform bereits seit zwei Jahren für alle Schulen im Land, in zwölf Städten Sachsen-Anhalts wird zum Beispiel der Vertretungsunterricht über Sofatutor organisiert. Eine Zusammenarbeit mit Schulen des Landes Berlin gebe es derzeit noch nicht, so Gründer Bayer. Lediglich einige freie Schulen in der deutschen Hauptstadt würden das Angebot nutzen.

Wegen Corona hätten Anfragen aus den Bundesländern zuletzt zugenommen, heißt es aus dem Unternehmen. Ermöglicht hat das gestiegene Interesse auch der Bund, der wegen der Pandemie kurzfristig Gelder aus dem Digitalpakt freigemacht hat, damit Schulen digitale Inhalte einkaufen können. 100 Millionen stehen dafür zunächst zur Verfügung.

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Sofatutor-Gründer: „Sind ein kleines Hollywood-Studio“

Schulische Inhalte sind seit 2008 das Kerngeschäft von Sofatutor. Gründer Stephan Bayer hatte zunächst die Idee, nach der Arbeit im eigenen Wohnzimmer Erklärvideos zu produzieren. Doch daran scheiterte er schnell. „Das können nur Lehrer“, sagt er rückblickend. Skripte zu den Videos erstellen deswegen ausschließlich Pädagogen. Heute ist Sofatutor auch eine Medienproduktionsfirma. „Wir sind eigentlich ein kleines Hollywood-Studio, das in Serie animierte Kurzfilme produziert“, erklärt der Gründer. Das Berechnen einer Geraden im Mathematik-Unterricht wird schon mal anhand zweier Yetis erklärt, die einen Schlitten den Berg hochschieben. „Das macht aus trockener Theorie eine witzige Geschichte“, sagt Bayer.

Einen zweistelligen Millionenbetrag haben Investoren bisher in das Start-up investiert. Umsatzzahlen nennt das mittlerweile profitable Unternehmen allerdings nicht. Investieren will Sofatutor nun weiter in Inhalte, aber auch in neue Funktionen auf dem Portal. So soll etwa das Klassenmanagement verbessert werden. Lehrer könnten sich dann zum Beispiel bald anzeigen lassen, welche Schüler die gestellten Aufgaben bereits erledigt haben.

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