Corona-Krise

Gäste retten „Puschel’s Pub“ an der Potsdamer Straße

Die Corona-Krise bedroht die Fußballkneipe an der Potsdamer Straße in Tiergarten. Dank Spenden ist die Insolvenz abgewendet.

Fred Eichhorn alias „Puschel“, vor „Puschel’s Pub“.

Fred Eichhorn alias „Puschel“, vor „Puschel’s Pub“.

Foto: Sergej Glanze

Berlin.  Puschel sagt, schon Lemmy Kilmister habe in seinem Pub einen Whisky bestellt. Nicht nur einmal. Am Spielautomat sei er oft gesessen und jeder Gast habe in erkannt. Der mittlerweile verstorbene Gründer der Rockband Motörhead habe sich nicht nur auf der Bühne mit Cowboy-Stiefeln und Hut gezeigt. „Lemmy war so etwas wie ein Stammgast, wenn er für Auftritte in Berlin war“, erzählt Puschel, der mit bürgerlichen Namen Fred Eichhorn heißt, in seiner Stimme klingt Wehmut mit. Vielleicht, weil der Musiker seit fünf Jahren nicht mehr durch die Glastür gekommen ist, vielleicht auch weil unter Umständen gar niemand mehr durch die Glastür an der Potsdamer Straße kommen wird.

Einer, der die Gemeinschaft in „Puschel’s Pub“ schätzt, ist Kai Leptien. Vor fünf Jahren habe er sich zum ersten Mal an den Tresen gesetzt, seitdem schaue er oft vorbei und sei mit dem Kneipenbesitzer befreundet. „Er ist immer für seine Gäste da, und nun müssen wir für ihn da sein“, sagt Leptien am Telefon. Um seine Lieblingsbar zu retten, hat er online eine Spendenkampagne, auf gofundme.com, gestartet. Seit dem 25. März haben sich knapp 100 Menschen beteiligt. Unter Pseudonymen wie Loriot, Angela Merkel oder David Bowie spendeten sie für ihren Pub. Loriot schrieb beispielsweise zu seiner 10-Euro-Spende: „Ein Leben ohne Puschel ist möglich, aber sinnlos.“

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Auch Lemmy ist bei den Spendern aufgeführt. 50 Euro lässt er seiner Stammkneipe zukommen. Insgesamt sind so rund 5300 Euro zusammengekommen. „Überwältigend“ findet Leptien das Ergebnis. Und Puschel? Er sei überrascht, dass so viel Geld zusammengekommen ist. „Damit ist die Insolvenz erst mal abgewendet“, sagt der Besitzer des Puschels Pub. Er hofft, spätestens im Juni wieder aufmachen zu können.

Seit drei Wochen kein Bier mehr gezapft

Puschel sagt, seit drei Wochen habe er kein Bier mehr in seinem Pub gezapft. Vor Ende Mai rechne er auch nicht mehr damit. Und langsam wird das Geld knapp. So wie ihm geht es vielen Kneipenbesitzern in Berlin während der Corona-Krise, etwa der „Ernst Bar“ in Kreuzberg. Gäste erstellten für sie ebenfalls eine Spendenkampagne auf gofundme.com. Die meisten Kneipen leben vom Tagesgeschäft, den Pub für mehrere Monate schließen, dafür haben nur wenige Rücklagen gebildet. Auch Puschel nicht. „Hätte ich nicht so tolle Gäste, hätte ich wohl Privatinsolvenz anmelden müssen“, sagt er. Und das, obwohl er die staatlichen Hilfen bereits beantragt hat.

Der Pub ist vor allem bei Fußballfans beliebt. Puschels Liebe zu dem Sport ist in der Kneipe unverkennbar. Die Decke ist geschmückt mit Fanschals, Bayern, Schalke, Union, Hertha – alle hängen sie da. Die Sammlung ist in den mehr als 30 Jahren, die Puschel den Pub betreibt, entstanden. Wegen des Fußballs habe er sich eigentlich auf den April gefreut. Die Bundesliga ist so spannend wie selten zuvor und in der Champions League haben deutsche Mannschaften gute Chancen auf das Weiterkommen. Finanziell gesehen sei das einer seiner umsatzstärksten Monate – normalerweise. Aber ihm gehe es in erster Linie um die Menschen, die dann in „sein Wohnzimmer“ kommen. „Fußballschauen kann man nicht alleine“, sagt er.