Baustellen

Berlins Brücken müssen saniert werden

Derzeit gibt es in Berlin 52 Brücken, deren Zustand ungenügend ist. 16 davon müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden.

Auch die Salvadsor-Allende-Brücke wird saniert (Archivbild).

Auch die Salvadsor-Allende-Brücke wird saniert (Archivbild).

Foto: Gregor Fischer / dpa

Drei von einst sechs Fahrstreifen für den Autoverkehr sind auf der Elsenbrücke noch frei. Schon seit 2018 ist die Spreequerung nur noch eingeschränkt für den Straßenverkehr zugänglich, ehe in Kürze die Abrissarbeiten des südöstlichen Teilbauwerks beginnen. Wie der Elsenbrücke zwischen Treptow und Friedrichshain geht es einigen Brücken in Berlin. Sie sind marode und müssen saniert, teils sogar abgerissen werden. Hinzu gesellen sich in den kommenden Jahren auch noch etliche zu errichtende Brücken an neu entstehenden Verkehrswegen. All das stellt die zuständige Senatsverkehrsverwaltung zunehmend vor Herausforderungen – zumal Kapazitäten begrenzt sind.

Insgesamt gibt es derzeit 52 Brückenbauten in der Verwaltung des Landes Berlin, deren Zustand nicht mehr ausreichend ist, wie aus der Antwort der Senatsverkehrsverwaltung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht. In vier Fällen ist die Lage gar so kritisch wie bei der Elsenbrücke, sodass die Standsicherheit gefährdet ist und der Verkehr eingeschränkt werden muss. Doch auch bei den restlichen 48 Brücken muss die Verwaltung die Instandsetzung planen, da die Prüfer bei der vergangenen Inspektion eine Zustandsnote von 3,0 oder schlechter vergeben haben.

Aktuell baut Berlin an zehn Stellen neue Brücken

Schon aktuell baut Berlin an zehn Stellen neue Brücken. Darunter sind Provisorien wie die Behelfsbrücke, die während der Bauzeit die südöstliche Elsenbrücke ersetzen soll. Auch an der Salvador-Allende-Brücke laufen die Arbeiten bis zum Abschluss des vollständigen Neubaus 2021 noch. An anderer Stelle entstehen derzeit neue Verkehrswege mit ganz neuen Überquerungsbauten. So in der Europacity, wo ab 2021 der Golda-Meir-Steg den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal in Richtung Alt-Mitte überspannen soll.

Für insgesamt 16 Brücken sehen die Pläne der Senatsverkehrsverwaltung aktuell einen Ersatzneubau vor. Darunter befinden sich neben der Elsenbrücke auch so wichtige Verbindungen wie die Mühlendamm-, Gertrauden- und Spittelmarktbrücke auf der zentralen Ost-West-Achse im Anschluss an die Leipziger Straße. In Prenzlauer Berg muss die Schönhauser Allee-Brücke abgerissen und neugebaut werden. In Köpenick wiederum ist ein Ersatzneubau für die Lange Brücke geplant, die als zentrale Verbindung zur Altstadt gilt.

Treptow-Köpenick im Zentrum vieler Brückenbau-Aktivitäten

Komplett neu gebaut wird auch der Marzahner Knoten am Treffpunkt von Landsberger Allee und Märkischer Allee. Hier wird gleich die Neukonstruktion von drei Brückenbauwerken nötig. Hinzu kommen eine Reihe von Brücken, die an neuen Straßen und Wegen entstehen: Für den Bau der Tangentialverbindung Ost zwischen Marzahn und Köpenick nennt die Verkehrsverwaltung gleich mehrere Projekte.

Ohnehin steht Treptow-Köpenick im Zentrum vieler Brückenbauaktivitäten. An mehreren Stellen sollen die reichlich vorhandenen Wasserwege neu überspannt werden. So etwa im Rahmen des Baus der Süd-Ost-Verbindung sowie der Ost-West-Umfahrung der Köpenicker Altstadt.

Sind Brücken marode, muss nicht immer gleich der Abriss folgen. In einigen Fällen reicht die Sanierung aus. Geplant sind laut Verkehrsverwaltung die Instandsetzungen von insgesamt acht Brücken in den kommenden Jahren. Nötig wird dies etwa an der Putlitzbrücke an der Moabiter Grenze in Richtung Wedding sowie an der Nordhafenbrücke zwischen der Europacity und Alt-Mitte. Alles in allem viel zu bauen. Und doch wird die lange Liste nötiger Arbeiten in den kommenden Jahren wohl nicht vollständig geleert werden können.

In Sachen Brückenbau gibt es ein Personalproblem

„Der Zustand der Brückenbauwerke in Berlin zeigt, dass eine Abarbeitung des Sanierungsrückstands Jahrzehnte dauern würde“, sagt der FDP-Abgeordnete Stefan Förster. Gerade in den aktuell wirtschaftlich schwierigen Zeiten solle der Senat deshalb ein Sonderprogramm für Brückensanierungen auflegen, fordert Förster. Zudem solle der Senat verbindliche Absprachen mit der Bauindustrie treffen. Diese, so Förster, habe aufgrund wegbrechender Aufträge nun Kapazitäten frei. „So könnten Arbeitsplätze gesichert und der Zustand der Brücken verbessert werden.“

Zuletzt offenbarte sich in Sachen Brückenbau jedoch vor allem ein Personalproblem. Der Bedarf an Fachkräften im Brückenbau sei „eklatant“, teilte die Verkehrsverwaltung auf eine Linke-Anfrage mit. Besonders an dieser Stelle dürfte der Abbau des Sanierungsstaus deshalb wohl hapern.