Corona in Berlin

Corona-Fahrten: Rettungsdienste fühlen sich ignoriert

Wie soll der Transport von Verdachtsfällen ablaufen? Ein Angebot an den Senat blieb bislang ohne Antwort.

Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes steht in Berlin (Symbolbild)

Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes steht in Berlin (Symbolbild)

Foto: Wolfram Steinberg / picture-alliance / Wolfram Stein

Berlin.  Wenn plötzlich der Husten auftaucht, oder sich andere Symptome des Coronavirus zeigen, machen sich immer noch viele Berliner auf den Weg zu den vom Senat eingerichteten Untersuchungsstellen. Bei dem Weg dorthin und wieder zurück nach Hause sind die Patienten jedoch bis heute auf sich alleine gestellt. Selbst wenn sie als Verdachtsfälle eingestuft werden, steigen manche von ihnen in Ermangelung an Alternativen in Bussen, Bahnen oder Taxis.

Auch Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte dieses Problem früh erkannt. Bei einem Treffen mit den Geschäftsführern mehrerer Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst (MHD) und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Anfang März fragte Kalayci daher, ob diese einen Transportdienst per Krankenwagen zu den Untersuchungsstellen einrichten könnten. Bereits einen Tag später, am 5. März schickten die Hilfsorganisationen der Senatorin ein ausgearbeitetes Angebot, das der Berliner Morgenpost vorliegt: Der Transport von Verdachtsfällen in die häusliche Quarantäne könne von sechs Abklärungsstellen aus angeboten werden. Schon am 9. März hätten die Rettungsdienste mit dem Transport von Corona-Verdachtsfällen starten können. Passiert ist seitdem jedoch: nichts.

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„Bis heute gab es keine Rückmeldung“, sagt Heiko Jünger, Co-Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Berlin, der den Vorsitz der Gemeinschaft der Berliner Rettungsdienste innehat. Auch auf eine erneute Bitte um Stellungnahme zu dem Angebot Ende März, hätten die Hilfsorganisationen keine Antwort erhalten. Man könne niemandem erzählen, dass Verdachtspersonen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren müssen, sagt Jünger.

Die Überlegung des Sondertransports sei gewesen, die Infektionskette zu durchbrechen. Im Krankenwagen ist die Führerkabine abgetrennt. „Da geht der Übertragungsweg gegen Null für die Mitarbeiter“, erklärt Jünger. Im Taxi sei so etwas nicht möglich. „Da sitzen die Fahrer natürlich schweißgebadet vorne drin.“ Doch von der Gesundheitsverwaltung fehlt jede Reaktion. „Skandalös“ sei das, findet Jünger. „Wenn wir als Hilfsorganisationen eine Anfrage bekommen und machen in kürzester Zeit ein Angebot, dann ist es schon traurig, dass man darauf gar nicht reagiert.“

Verwaltung prüft nach wie vor die Angebote mehrerer Anbieter

Tim-Christopher Zeelen, gesundheitspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion kann das Verhalten der Gesundheitssenatorin nicht nachvollziehen: „Mit fehlt jedes Verständnis dafür, warum der Krisenstab das nicht längst umgesetzt hat.“ Es werde propagiert, Abstand zu halten. Hier jedoch provoziere man genau das Gegenteil. Zeelen verweist auf Anfragen über den Taxifunk an Fahrer, die auch der Morgenpost vorliegen, in denen Corona-Verdachtsfälle vom Krankenhaus abgeholt werden wollten. Man könne den Menschen die Anfragen nicht verübeln. Doch der Senat dürfe „weder Taxifahrer noch Fahrgäste in eine solche Position bringen.“

Nach Angaben von Gesundheitssenatorin Kalayci prüft die Verwaltung auch nach mehr als einem Monat derzeit noch die Angebote verschiedener Anbieter. „Es gibt Alternativangebote, auch von Taxiunternehmen“, sagte Kalayci im Gesundheitsausschusses am Montag. Von den Bezirken habe sie bislang keine Klagen gehört, dass es noch nicht zum Vertragsabschluss gekommen sei. „Ich finde es richtig, dass wir verschiedene Angebote prüfen.“