Keine Besucher

Corona: Veränderter Alltag für Tiere in Zoo und Tierpark

Auch die Tiere in Zoo und Tierpark bemerken, dass etwas anders ist. Einigen fehlen sogar die Besucher.

Berliner Zoo-Tiere im Corona-Urlaub

Einfach mal chillen! Viele Tiere im menschenleeren Berliner Zoo genießen derzeit die ungewohnte Ruhe. Andere wirken fast gelangweilt.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Endlich Frühling für die Affenfamilie: Die Weißhandgibbons haben ihr Außenquartier im Tierpark bezogen. Frieda, Bruno und Lara balancieren sofort auf den Seilen, hangeln an Baumstämmen entlang, springen über Klettertürme. Abenteuerliche Manöver in atemberaubender Geschwindigkeit – allein der Applaus bleibt aus. Kein Publikum, das raunt, staunt und anerkennend lacht.

Irgendetwas fehlt, das merken auch die Affen. „Sie finden Besucher ganz spannend und beobachten sie gern“, sagt Zoo- und Tierparksprecherin Philine Hachmeister. Dass zeige sich daran, dass manche Affen Blickkontakt suchen und interessiert sind – an einigen Besuchern mehr, an anderen weniger. Doch jetzt geht der Blick ins Leere.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Zoo und Tierpark fast drei Wochen geschlossen

Seit bald drei Wochen sind Zoo und Tierpark wegen des Coronavirus geschlossen. „Wir kämpfen sehr mit der aktuellen Situation“, sagt Max Jäger von der Pressestelle. Es fehlten jegliche Einnahmen. Der Betrieb ließe sich nicht herunterfahren, wie in anderen Branchen. „Unsere rund 30.000 tierischen Schützlinge müssen schließlich weiterhin versorgt werden und so kostet uns der Betrieb von Zoo, Tierpark und

Aquarium täglich rund 140.000 Euro“, sagt Jäger.

Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) hat sich bereits mit der dringenden Bitte um ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. In dem Schreiben machte Jörg Junhold, Präsident des Verbandes und Zoodirektor in Leipzig, auf die wirtschaftlich angespannte Lage für Zoos aufmerksam. „Momentan arbeiten wir ohne Einnahmen bei gleichbleibend hohen Ausgaben“, so Junhold.

Tierpfleger müssen Besucher im Zoo und Tierpark ersetzen

Die Tierpfleger müssen jetzt die Besucher ersetzen. „Einige scheinen immer besonders interessiert, wenn mal ein Mitarbeiter bei ihnen vorbeischaut“, sagt Philine Hachmeister. Ob die Tiere die Besucher wirklich vermissen, sei natürlich eine sehr menschliche Interpretation der Beobachtung, dass sich manche aktuell anders verhalten als sonst.

Aber Robben, Papageien oder auch einige Affenarten würden die Besucher wohl durchaus als spannende Abwechslung im Alltag wahrzunehmen, so die Zoo-Sprecherin. Auch den Tieren im Streichelzoo seien die Extraportionen Futter immer sehr willkommen. „Natürlich gleichen wir das jetzt durch eine größere Menge an Futter bei der normalen Fütterung aus.“

Es gibt aber auch Tiere, die sich schnell an den leeren Zoo und Tierpark gewöhnt haben. Dazu gehören nach Auskunft der Mitarbeiter beispielsweise die Zebras und Elefanten. „Sie sind nun viel aufmerksamer, manchmal sogar schreckhafter als sonst, wenn plötzlich ein Mensch an ihrem Gehege vorbeikommt“, sagt Philine Hachmeister.

Jungtiere wachsen im Frühjahr heran - ohne Besucher

Gerade jetzt im Frühjahr passiert eine Menge in Zoo und Tierpark – nur leider ohne Zuschauer. Die Tiere entdecken ihre Außengehege neu, Jungtiere wachsen heran oder werden geboren. So gibt es gerade Nachwuchs bei den Prinz-Alfred-Hirschen im Zoo, die zu den seltensten Hirschen der Welt gehören. Das hellbraune Jungtier mit den weißen Punkten weicht der Mutter nicht von der Seite und entwickelt sich nach Auskunft des Zoos prächtig.

Lesen Sie auch: Wildtierpark-Leiterin: „Ich mache mir große Sorgen“

Viel los ist auch bei der Familie der Erdmännchen. Die Jungtiere haben sich bereits aus der Höhle herausgetraut. Manchmal halten sie mitten im Lauf inne, um sich wie ihre Eltern auf die Hinterpfoten zu setzen und ihre Nasen in die Luft zu halten. Und natürlich verpassen die Tierfreunde auch, wie Panda Paule sich mal nicht nur im Zeitlupen-Tempo bewegt, sondern quer durch das Gehege flitzt.

„So viele Menschen haben sehnsüchtig darauf gewartet, die beiden persönlich kennenzulernen, und nun können sie nicht daran teilhaben, wie die Bärenbrüder heranwachsen“, sagt die Zoo-Sprecherin voller Bedauern. Nun versuche man, über die sozialen Medien den Besuchern die Zoologischen Gärten ein Stück weit nach Hause zu bringen.

Eisbärin Hertha spielt mit Mutter Tonja

Im Tierpark turnen nun nicht nur die Weißhandgibbons über Äste und Seile. Auch Eisbärin Tonja spielt weiterhin mit Jungtier Hertha übermütig auf der Anlage. „Sie gehören zu den Tieren, die ihre mögliche Verwunderung über den leeren Park eher weniger zum Ausdruck bringen“, sagt Philine Hachmeister.

Beendet ist die Winterruhe auch bei den Präriehunden. Sie haben ihre weit verzweigten, bis zu 300 Meter langen Gänge tief unter der Erde verlassen und lassen sich ihren Pelz von der Sonne wärmen. Der jüngste Nachwuchs ist bei den Bartgeiern geschlüpft. Von den flauschigen Jungtieren ist bislang nicht viel mehr als das kleine Köpfchen und der Schnabel zu sehen.

Wegen Corona: Belegschaft in zwei getrennte Schichten eingeteilt

Die Belegschaft in Zoo und Tierpark ist jetzt in zwei getrennte Schichten eingeteilt. Dadurch muss dieselbe Arbeit jetzt von weniger Pflegern erledigt werden. Viel Zeit zum Kraulen der Schafe bleibe da nicht, sagt Hachmeister. Aber natürlich komme der Tierbeschäftigung in diesen Tagen eine besondere Bedeutung zu. So haben die Menschenaffen im Zoo zum Beispiel einen Futterautomaten bekommen. Mit einem Stöckchen können sie sich ihre Leckerbissen durch kleine Spalten angeln. Eine Aufgabe mit hohem Belohnungsfaktor.

Wiedereröffnungstermin für Zoo und Tierpark ist noch nicht in Sicht

Noch ist die Zukunft für Zoo und Tierpark ungewiss, ein Wiedereröffnungstermin nicht in Sicht. Vielleicht könnte der Tierpark, der immerhin so groß wie der Tiergarten ist, zumindest beschränkt und zeitweise bald schon wieder öffnen, hoffen die Mitarbeiter. Die die Lage ist gravierend. Das lasse sich daran erkennen, „dass ein einzelner großer Zoo aktuell einen wöchentlichen Umsatzverlust von etwa einer halben Millionen Euro zu verkraften hat“, sagt Jörg Junhold vom Verband der Zoologischen Gärten (VdZ).

Insgesamt 56 deutsche Zoos seien im Verband organisiert, in denen insgesamt mehr als 180.000 Wirbeltiere gepflegt und gezüchtet werden. Viele von ihnen gehörten zu bedrohten Arten. „Ein möglicher Verlust dieses wertvollen Tierbestandes wäre ein herber Rückschlag für unseren Kampf um den Erhalt der Biodiversität und käme somit einer Katastrophe gleich“, sagt VdZ-Präsident Junhold.

Umso wichtiger ist heute die Unterstützungen aus der Bevölkerung. Zoo und Tierpark erreichten schon wenige Tage nach der Schließung die ersten Anfragen, wie man helfen könne. „Wir sind überwältigt von der bisherigen Hilfsbereitschaft und den ersten Unterstützungen der Berliner. Die aktuelle Situation ohne jegliche Einnahmen stellt uns wirklich vor enorme Herausforderungen“, so Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem. „Ich drücke uns allen die Daumen, dass wir diese schwierige Zeit bald überstanden haben!“