Wochenende

Volle Parks in Berlin: Viel Abstand, wenig Ärger

Frühlingshafte Temperaturen locken Berliner ins Freie. Die meisten halten sich an die neuen Verhaltensregeln.

Berlin: Frühlingsgenuss trotz Corona-Verboten

Trotz der Corona-Verbote wollen sich viele Berliner die Frühlingssonne nicht entgehen lassen. Aauf das erste Sonnenbad, ein längeres Gespräch mit Freunden auf der Wiese oder Gruppensport wollen sie nicht verzichten, doch die meisten halten sich an die Vorgaben.

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Berlin. Sonntagnachmittag, Temperaturen knapp unter 20 Grad. Berlin erlebt seine ersten warmen Frühlingstage in diesem Jahr. Doch bleiben die meisten Berliner wegen der Corona-Krise tatsächlich wie gefordert in ihren Wohnungen? Ein Besuch in den Parks der Stadt.

Im Flohmarkt-gewöhnten Mauerpark ist die Stimmung verhalten. Paare unterhalten sich leise, Jugendliche kicken mit großem Abstand Bälle hin und her, Musik ist nirgends zu hören. Auf der Wiese sitzen meist Zweier-Gruppen mit großem Abstand zu Fremden.

Seit dem am Freitag veröffentlichten Bußgeldkatalog sind die geltenden Regeln klarer definiert: Ausruhen oder zu zweit zusammensitzen ist erlaubt, zuvor war lediglich eine Pause nach körperlicher Betätigung gestattet. Immer wieder fährt ein Polizeiwagen im Schritttempo durch den Park. Der Eindruck: Die Regeln werden auch bei Sonnenschein eingehalten.

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In den Park zu gehen, sei keine leichte Entscheidung gewesen, erzählt Mika S., sie gehe regelmäßig joggen, meide aber ansonsten jegliche Kontakte. „Langsam bekommt man so allein aber mentale Schwierigkeiten zu Hause“, sagt sie. Heute habe sie sich zum ersten Mal verabredet, zu ihrer Freundin hält sie über einen Meter Abstand. Diese sieht dem Polizeiwagen wohlwollend hinterher. „Ich habe ein besseres Gefühl, wenn die Polizei kontrolliert“, sagt Stella B.

Auch Klemens P. hat den Eindruck, dass die Regelungen wirklich befolgt werden. Er sei am Sonnabend Zeuge einer für Berliner „surrealen Szene“ geworden: „Ich bin gestern in Kreuzberg am Paul-Lincke-Ufer entlang spaziert, dort saßen viele Leute zusammen“, erzählt er. Zwei Polizeiwagen hätten per Lautsprecher dazu aufgerufen, sich doch lieber zu Hause aufzuhalten. „Daraufhin sind die Leute tatsächlich alle aufgestanden und gegangen.“ Im Mauerpark haben die Vorsichtsmaßnahmen mittlerweile sogar Kinder verstanden. Mit panischem Gesichtsausdruck schreit ein etwa dreijähriges Mädchen ihrem Vater entgegen: „Papa, ich hab’ den Finger in den Mund genommen!“ Der lächelt nur milde und beruhigt seine Tochter.

Coronavirus in Berlin: Polizeipräsidentin Slowik bittet darum, Ausweis mitzuführen

Deutlich voller ist es im Park am Gleisdreieck. Junge Menschen und Familien treiben Sport oder unterhalten sich auf Picknickdecken. Der auf Wiesen vorgeschriebene Abstand von fünf Metern zum nächsten Paar wird jedoch weitgehend eingehalten. Meist zu zweit sitzen die Besucher beisammen, einige Gruppen gibt es trotzdem. Darauf angesprochen, ob sie zu fünft nicht verbotenerweise zusammensäßen, lächelt eine junge Frau nur. „Alles erlaubt, wir sind eine Familie“, sagt sie.

Einige Meter weiter biegt eine Seniorin in den Park ein. Mit Walking-Stöcken schreitet sie langsam den Weg entlang. Tritt ihr jemand entgegen, wartet die Schönebergerin einige Momente ab. Sie wohne gleich nebenan und wolle nur das schöne Wetter genießen, sagt die 92-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Ich muss auch mal ein bisschen raus, aber halte immer Abstand.“ Sie fühle sich sicher, trotz der vielen Parkbesucher.

Der Eindruck von regeltreuen Berlinern bestätigt sich auch in anderen Parks: Zwar lockt das frühlingshafte Wetter die Menschen ins Freie, mit den ersten warmen Tagen aus 2019 lassen sich die Besucherzahlen jedoch nicht vergleichen. Polizisten patrouillieren eher symbolisch über das Tempelhofer Feld. Nach Schätzungen der Polizei waren dort in Spitzenzeiten rund 4000 Personen unterwegs. Ähnliche Szenen auch im Volkspark Friedrichshain: viele Jogger und Paare, größere Gruppen sind nicht zu sehen.

600 Polizisten am Sonntag in Berlin im Einsatz

Am Sonntag waren etwa 600 Beamte in der Hauptstadt im Einsatz, um die Einhaltung der Regeln zu überprüfen. Es sei wieder die gesamte Palette von Verstößen vorgekommen, sagte eine Polizeisprecherin, wie beispielsweise „geringer Abstand oder auch Menschen, die ohne triftigen Grund draußen unterwegs waren“. Am Brandenburger Tor musste eine nicht genehmigte Versammlung aufgelöst werden. Gegen Personen, die sich weigerten zu gehen, wurden Anzeigen geschrieben.

Dennoch seien weniger Menschen in den Parks und Wäldern unterwegs gewesen, als erwartet, sagte eine Polizeisprecherin. „Dafür waren wir sehr dankbar.“ Man habe sehr viele positive Gespräche geführt. „Generell gilt unser Appell: Bitte bleiben Sie zu Hause. Wenn Sie das Haus aus erlaubten Gründen verlassen, achten Sie bitte dringend auf den Mindestabstand.“

Nach der neuen Verordnung ist zudem die Ausweispflicht entfallen. Polizeipräsidentin Barbara Slowik bat die Berliner jedoch darum, ihre Ausweise trotzdem mitzuführen. Gruppen könnten sonst schlecht beweisen, dass sie zu einem Haushalt gehörten. „Das verhindert, dass wir in Einzelfällen gezwungen sind, mit nach Hause zu fahren und da den Ausweis in Augenschein zu nehmen“, sagte sie dem „Tagesspiegel“. Insgesamt sei die Berliner Polizei weit entfernt von ihrer Belastungsgrenze. Sie stehe absolut stabil und sei gut gerüstet.

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