Verkauf

Drei Milliardären gehört jetzt das „Luftbrückenhaus“

Die Investmentgruppe hatte gerade eine Räumungsklage gegen die Kiezkneipe „Syndikat“ in Neukölln erwirkt.

Das „Luftbrückenhaus“ an der Leine- Ecke Oderstraße in Berlin-Neukölln.

Das „Luftbrückenhaus“ an der Leine- Ecke Oderstraße in Berlin-Neukölln.

Foto: Nina Kugler

Der Verkauf des „Luftbrückenhauses“ am ehemaligen Flughafen Tempelhof an einen Investor hat die Mieter des Gebäudes aufgeschreckt. Nun ist klar, wer das Haus an der Leine- Ecke Oderstraße erworben hat: Ausgerechnet die Firma der drei Milliardärs-Brüder Pears aus Großbritannien ist laut dem Luxemburger Transparenzregister neuer Besitzer. Die drei Brüder gehören zu den reichsten Menschen Großbritanniens und besitzen über ihre Firmen nach eigenen Angaben 6000 Wohnungen weltweit.

Nur ein paar Straßen vom Luftbrückenhaus entfernt im Neuköllner Schillerkiez hat die Investmentgruppe der Brüder gerade eine Räumungsklage gegen die Kiezkneipe „Syndikat“ erwirkt, gegen die das Kneipenkollektiv Widerstand angekündigt hat. Der Bezirk Neukölln prüft nun, ob er das Vorkaufsrecht für das Luftbrückenhaus wahrnimmt.

Käufer hatte Sperre im Grundbuch veranlasst

Die Mieter des Hauses waren bislang daran gescheitert, den neuen Käufer ausfindig zu machen, da er eine Sperre im Grundbuch veranlasst hat. „Offensichtlich scheuen die Besitzer die Öffentlichkeit“, sagt Christoph Trautvetter, der die Besitzer der „Marie Luise S.a.r.L“ ermittelt hat, die das Haus erworben hat. „Es zeigt, wie wichtig die neuen Transparenzregister sind.“ Seit vergangenem Jahr müssen nach Vorgaben der Europäischen Union alle Länder ein Transparenzregister führen. Trautvetter leitet bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung das Projekt „Wem gehört die Stadt“ und sucht deshalb nach Eigentümerstrukturen von Häusern in Berlin.

Der Bezirk hatte angekündigt, Vorkaufsrecht zu prüfen

Das Luftbrückenhaus gehört wegen seiner markanten gelben Fassade zu den bekanntesten im Südosten des Flughafens. Früher, so erzählen alteingesessene Mieter, konnten sie den Piloten der landenden Flugzeuge zuwinken, es roch nach Kerosin. Der Verkauf erfolgte nach Angaben des Bezirks am 14. Februar, obwohl das Haus im Milieuschutzgebiet liegt. Zwar ist es hier grundsätzlich untersagt, Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Aber wenn sich die neuen Eigentümer verpflichten, sieben Jahre lang nur an die ursprünglichen Mieter zu verkaufen, muss die Umwandlung genehmigt werden.

Der Bezirk hatte zuletzt angekündigt, das Vorkaufsrecht wohlwollend zu prüfen. Möglicherweise spielt das Wissen um die neuen Eigentümer dabei eine Rolle. Die Frist für das Vorkaufsrecht läuft Mitte April ab.