Schule

"LernBrücken": Nachhilfepakete für benachteiligte Schüler

Der Senat stellt im Rahmen des Hilfsprogramms „LernBrücken“ drei Mio. Euro bereit, um Kinder aus bildungsfernen Familien zu fördern.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)

Foto: Carsten Koall / dpa

Berlin will benachteiligten Schülern helfen, in der schulfreien Zeit nicht zu viel Lernstoff zu verpassen. „Es ist wichtig, die Kinder, die zu Hause nicht über die entsprechenden Ressourcen verfügen oder aus schwierigen Familien stammen, nicht aus den Augen zu verlieren“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag. Dafür ruft die Bildungsverwaltung das Programm „LernBrücken“ ins Leben. Bislang sind bereits 30 Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe dabei, zusammen mit der Verwaltung und den Schulen Fördermöglichkeiten für diese Kinder zu erarbeiten und bereitzustellen. Der Senat stellt dafür drei Millionen Euro zur Verfügung.

Das Angebot richtet sich vor allem an die 240 Bonus-Schulen, die in sozialen Brennpunkten über einen hohen Anteil an Schülern aus bildungsfernen Familien verfügen, und diejenigen Schüler, die vom Bildungs- und Teilhabepaket profitieren. Das sind derzeit 4500. Die Verwaltung befürchtet, dass diese Kinder mit ihren Leistungen weiter hinter Kindern aus Familien zurückbleiben, in denen die Eltern sich um die Leistungen des Nachwuchses kümmern. „Die Spaltung darf nicht verstärkt werden“, sagte Scheeres.

„LernBrücken“: Schulen sollen benachteiligte Schüler benennen

Das sieht auch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung so, die das Projekt koordiniert und mit auf den Weg gebracht hat. „Bildung ist ein Kinderrecht“, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Frank Hinte. „Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche aus benachteiligten, oder derzeit überforderten Haushalten unter den Schulschließungen und dem Wegfall aller nachmittäglichen Angebote besonders leiden.“

Konkret sollen die Schulen den freien Trägern Schüler nennen, für die diese Förderung infrage kommt. Die Sozialarbeiter sollen dann den Kontakt zu den Schülern und deren Eltern aufnehmen und Hilfestellungen anbieten. Das könne digital geschehen, oder auch direkt, sei es durch das Abstellen von Nachhilfepaketen vor der Haustür oder durch Briefe und Postkarten, mit denen die Kinder motiviert werden sollen. „Wir wollen die Kinder bestärken, selbstständig zu arbeiten“, sagte Scheeres.

„LernBrücken“: Hilfsprogramm soll Modellcharakter haben

Die Verwaltung greift dabei auf Erfahrungen aus den Jahren 2015 und 2016 zurück, als in Folge der Flüchtlingswelle viele Kinder neu in das Bildungssystem kamen. Es ist das erste Hilfsprogramm dieser Art in Deutschland und könnte nach Überzeugung der Kinder und Jugendstiftung Modellcharakter für andere Bundesländer haben.

Das Unterstützungsprogramm soll schon in den Osterferien starten und danach weitergeführt werden – auch wenn derzeit vollkommen unklar ist, wie es mit den Schulen weitergeht. Die Verwaltung will aber vorbereitet sein, wenn es so weit ist. „Wir bereiten im Hintergrund eine Teilöffnung der Schulen vor“, sagte Scheeres. Dazu sei sie im Gespräch mit den Bildungsministern aus den anderen Bundesländern, um eine einheitliche Regelung zu finden. Denkbar sei, dass zunächst diejenigen Schulstufen in die Schule zurückkehren, die vor Prüfungen stehen, wie dem mittleren Schulabschluss oder dem Abitur. Für die Grundschulen könnte eine stufenweise Rückkehr in den regulären Betrieb beschlossen werden, zum Beispiel mit jeweils der Hälfte der Schüler im Wochenwechsel.