Hilferuf

Berliner Reeder: „Keine Handbreit Wasser unter dem Kiel“

Berliner Reeder verfassen wegen Corona Hilferuf an den Regierenden Bürgermeister.

Berliner Personenschiffer fürchten angesichts der Corona-Krise um ihre Existenz.

Berliner Personenschiffer fürchten angesichts der Corona-Krise um ihre Existenz.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Der Reederverband der Berliner Personenschifffahrt hat angesichts der Corona-Krise Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) um Hilfe gebeten. „Wir haben keine Rücklagen aus 2019 mehr, erwirtschaften voraussichtliche keine Umsätze für mindestens die kommenden zwei bis vier Monate und können daher keine Kosten decken oder Rücklagen für die Wintermonate bilden. Wir haben keine Handbreit Wasser mehr unter dem Kiel“, schrieben die 34 Mitgliedsunternehmen des Verbands am Mittwoch in einem Brief. Im Zuge der Maßnahmen zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung des Coronavirus hatten auch die Fahrgastschiffer ihren Betrieb einstellen müssen. Viele Unternehmen rechneten mit Umsatzeinbußen für die gesamte Saison. Vorbuchungen bis in den Juni hinein seien bereits storniert worden.

In dem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt, fordern die Reeder den Regierenden Bürgermeister nun unter anderem dazu auf, das Soforthilfeprogramm des Landes auch für Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten zu öffnen. Darüber hinaus sollte Berlin der Personenschifffahrt mit Landesbürgschaften helfen und außerdem rechtlichen Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen beim Aussetzen von Miet-, Leasing- oder Kreditverträgen bieten. Als letzten Punkt fordern die Firmen die Stundung aller Beträge und Gebühren, die von staatlichen Stellen erhoben werden. Dazu gehören etwa auch Wasserstraßenabgaben.

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Keine Möglichkeit, entgangene Umsätze nachzuholen

Gleichzeitig äußern die Reeder Bedenken gegen Hilfsprogramme in Form von Krediten. „Liquiditätshilfen, die aus zurückzahlbaren Krediten bestehen, sind für uns Bugwellen, die wir voraussichtlich Jahre vor uns herschieben“, so der Verband. Für die Unternehmen gebe es keine Möglichkeit, entgangene Umsätze einfach auf- oder nachzuholen. Das Ende der Corona-Krise sei darüber hinaus nicht gleichbleibend mit dem Anfang von touristischen Aktivitäten in der Stadt. Viele Touristen würden noch längere Zeit fehlen, regionale Gäste würden zudem nur noch über ein geringeres Budget aufgrund etwaiger Lohnreduzierungen verfügen, so der Verband.

Drei Millionen Fahrgäste befördern die Reedereien mit weit über 100 Schiffen jährlich über die Berliner und Brandenburger Gewässer. Etwa 1000 Mitarbeiter arbeiten dafür „hart und fleißig“, hieß es in dem Brief an Müller. Die Auswirkungen auf die Mitarbeiter seien unabsehbar bis vernichtend, so die Reeder. Gerade für die unteren Lohngruppen sei wegen der Kurzarbeit die Kürzung des Nettolohns auf 60 oder 67 Prozent katastrophal. Verschärft werde die Situation dadurch, dass keine Überstunden anfielen, die bezahlt werden würden. Zudem fehle dem Personal das Trinkgeld der Fahrgäste.