Corona-Krise

22.600 Firmen in Berlin melden Kurzarbeit an

Berlins Arbeitsagentur-Chef geht davon aus, dass die Folgen durch Corona für die Berliner Wirtschaft schwerwiegend sein werden.

Wegen der Corona-Krise haben zahlreiche Unternehmen für ihre Mitarbeiter bereits Kurzarbeit angemeldet.

Wegen der Corona-Krise haben zahlreiche Unternehmen für ihre Mitarbeiter bereits Kurzarbeit angemeldet.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin. Die Krise um die weitere Ausbreitung des Coronavirus hat die Berliner Wirtschaft mit voller Wucht getroffen: Bis zum 27. März hatten bereits 22.600 Unternehmen mit Sitz in der deutschen Hauptstadt Kurzarbeit angemeldet, teilte die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten könne noch nicht seriös ermittelt werden, sagte der Berliner Arbeitsagenturchef Bernd Becking. Experten gehen aber davon aus, dass in Berlin weit mehr als 100.000 Menschen ganz oder teilweise die Arbeit niederlegen könnten.

Rund ein Drittel der Unternehmen, die in Berlin wegen der Corona-Krise bereits Kurzarbeit angezeigt hätten, stamme aus dem Bereich Gastronomie, so Becking. Danach folgten Firmen aus dem Bereich wirtschaftsnahe Dienstleistungen (16 Prozent) und Handel (13 Prozent). Becking sagte, er gehe davon aus, dass die Folgen durch Corona für die Berliner Wirtschaft schwerwiegender sein werden als nach der weltweiten Finanzkrise 2009.

Gründe dafür seien vor allem die hohe Zahl als Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständigen in Berlin. Der deutschen Hauptstadt fehle im Vergleich zu Industrie-Standorten die Substanz, um Krisen wegzustecken, sagte Becking. Zudem sei das gezahlte Brutto-Arbeitsentgelt auch noch immer geringer als im bundesweiten Vergleich. Hinzu käme, dass es bereits vor der Corona-Ausbreitung Anzeichen für eine konjunkturelle Krise in Berlin gegeben, so Becking.

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Becking appelliert an Unternehmen

Der Arbeitsmarkt-Experte appelliert aber an die Unternehmen, Mitarbeiter nicht zu entlassen: „Wer jetzt entlässt, handelt nicht weitsichtig, weil nach der Krise dann das notwendige Personal fehlt, um wieder durchzustarten“, sagte Becking.

Ähnlich äußerte sich auch der Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin und Brandenburg, Christian Hoßbach, am Dienstag. Die hohe Zahl der angezeigten Kurzarbeit sei ein gutes Zeichen dafür, dass Beschäftigung in der Region gesichert wird und nicht etwa kurzsichtig entlassen wird, so Hoßbach. „Kurzarbeit hilft Betrieben und Beschäftigten, Einbrüche zu überbrücken und Kündigungen zu vermeiden. Das Kurzarbeitergeld ist ein Rechtsanspruch aus der Arbeitslosenversicherung. Es ist darum gut, dass dieses Instrument genutzt wird“, erklärte er weiter.

Gleichzeitig forderte der Gewerkschafter Arbeitgeber auf, ein Kurzarbeitergeld von mindestens 80 Prozent vom Netto zu garantieren. Angesichts des ausgeprägten Niedriglohnsektors in Berlin und Brandenburg bedeuteten geltende Sätze von 60 beziehungsweise 67 Prozent Kurzarbeitergeld für viele Beschäftigte Einkünfte unterhalb der Armutsschwelle, sagte Hoßbach.

Berlins Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) sagte als Reaktion auf die Zahlen, die starke Nutzung von Kurzarbeit zeige auch, dass viele Betriebe an ihren Beschäftigten festhielten und mit ihnen für die Zeit nach Corona planten. „Aber wir wissen, dass die Auswirkungen auf den Berliner Arbeitsmarkt erheblich sind und wir uns auf steigende Arbeitslosenzahlen einstellen müssen“, erklärte Breitenbach weiter. In Berlin waren im März 154.249 Arbeitslose gemeldet. Das waren 2.341 weniger als im Vormonat und 3.549 mehr als vor einem Jahr. Die Corona-Krise spiegelt sich in den Zahlen allerdings noch nicht wieder.

IHK: Kurzarbeit auch für Azubis

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin forderte am Dienstag erneut, dass Betriebe das Kurzarbeitergeld auch für Azubis vom ersten Tag an beantragen können. „Nur so können wir verhindern, dass die Krise zu zahlreichen Vertragslösungen führt und dann im Aufschwung der Azubi- und Fachkräftemangel massiv zunehmen wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin Jan Eder.

Er betonte zudem, dass die Berliner Arbeitsagenturen bei der Bewältigung des riesigen Antragsaufkommens einen hervorragenden Job machten und bestrebt seien, die Wartezeiten für Unternehmen zu minimieren. Arbeitsagenturchef Becking hatte zuvor bereits erklärt, 70 Prozent der eingegangenen Anträge noch bis Ostern abarbeiten zu wollen. Dafür sei das Personal kräftig aufgestockt worden, so Becking.