Wohnungsmarkt

Wohnungsanbieter ignorieren den Mietendeckel

Am 23. Februar ist der Mietendeckel in Kraft getreten. Doch noch immer sind 92 Prozent aller angebotenen Wohnungen teurer als erlaubt.

Der Fernsehturm steht hinter Häusern mit Mietwohnungen.

Der Fernsehturm steht hinter Häusern mit Mietwohnungen.

Foto: Annette Riedl/dpa

Berlin. Rund 92 Prozent aller in Berlin angebotenen Wohnungen liegen über den Obergrenzen des Mietendeckels. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse, die das Internet-Portal ImmoScout24 am Donnerstag vorgelegt hat. Das vor einem Monat in Kraft getretene Gesetz zur Begrenzung der Wohnungsmieten in Berlin wird demnach von den Anbietern weitgehend ignoriert.

Laut Gesetz sind die Berliner Mieten für die kommenden fünf Jahre auf den Stand vom 18. Juni 2019 eingefroren, zudem dürfen Obergrenzen, die der Senat in einer Tabelle festgelegt hat, nicht überschritten werden. ImmoScout24 hat untersucht, wie sich das Angebot und die Preise von Mietwohnungen einen Monat nach Inkrafttreten des Gesetzes entwickelt haben. Mit Stand vom 19. März liegen demnach noch 92,4 Prozent aller in Berlin angebotenen Bestandswohnungen über den Obergrenzen des Mietendeckels – Neubauwohnungen, die ab 2014 errichtet wurden, sind vom Gesetz ausgenommen.

Die Analyse zeigt, dass Wohnungsangebote, die über den nun gültigen Obergrenzen des Mietendeckels liegen, seit dem 20. Februar 2020, also kurz vor Inkrafttreten des Mietendeckels, um 44,5 Prozent abgenommen haben. „Vermieter haben demnach einen Teil der bisher über den zulässigen Obergrenzen angebotenen Objekte aus dem Inseratsbestand entfernt“, folgert Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24. Das Angebot an mietendeckel-konformen Wohnungen stagnierte auf einem sehr niedrigen Stand.

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Im Ortsteil Mitte ist die Differenz besonders hoch

Die Einzelbetrachtung der Berliner Stadtteile zeigt, dass der Mietendeckel bei den Angeboten im Innenstadtbereich ignoriert wird: Im Ortsteil Mitte lagen zum Erhebungsstichtag 19. März 2020 alle Bestandswohnungen über dem Mietendeckel. Mit durchschnittlich 13,67 Euro pro Quadratmeter ist die Differenz zur zukünftig geforderten Obergrenze in Mitte nach wie vor am größten.

Auch in Friedrichshain-Kreuzberg liegen alle Angebote über den Höchstgrenzen. Hier fordern Vermieter im Schnitt über zehn Euro pro Quadratmeter mehr als erlaubt. In Lichtenberg liegen alle Wohnung über den Obergrenzen. Die Differenz zwischen der zulässigen und der geforderten Miete liegt bei 4,89 Euro pro Quadratmeter.

Die geringsten Differenzen gibt es in Lichtenrade mit 2,77 Euro pro Quadratmeter und Köpenick mit 2,95 Euro pro Quadratmeter. Doch auch in Köpenick liegen 71,4 Prozent der angebotenen Mietwohnungen über den Obergrenzen des Mietendeckel-Gesetzes.

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