Schutzkleidung

So will ein Berliner Corona-Masken aus Hongkong importieren

Mit ungewöhnlichen Ideen will ein Unternehmer Schutzmasken nach Berlin liefern - davon gebe es genug. Wäre da nicht die Bürokratie.

Der Berliner Christian Passeyer mit seinem Sohn in Hongkong. Er könnte Masken nach Deutschland liefern, sagt er.

Der Berliner Christian Passeyer mit seinem Sohn in Hongkong. Er könnte Masken nach Deutschland liefern, sagt er.

Foto: Privat

Berlin/Hongkong. Berlin wartet dringend auf Schutzmasken und anderes medizinisches Material. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) setzt darauf, in den kommenden Tagen eine größere Lieferung vom Bund zu erhalten. Aber Hausärzte, Pflegedienste und auch viele Bürger fragen sich, wie sie sich gegen die Infektion mit dem Coronavirus schützen können.

In Hongkong sitzt der Berliner Christian Passeyer und wundert sich. „Hier gibt es jede Menge Masken“, sagt der Unternehmer, der seit zehn Jahren in der chinesischen Sonderverwaltungszone aktiv ist. Mit seiner Firma Capsy Group verkauft Passeyer in normalen Zeiten Konsumentenelektronik wie Kopfhörer, Computermäuse, aber auch textile Gerätehüllen und Rucksäcke.

Aus diesem Geschäft kennt er viele Fabrikanten in der benachbarten chinesischen Industriemetropole Shenzhen. „Viele Hersteller haben in der Coronakrise auf Druck der Regierung auf Maskenproduktion umgestellt“, berichtet der Unternehmer, der aus Schöneberg stammt und noch Familie in Berlin hat.

Corona-Masken in China: „Wer Masken haben will, der kriegt sie“

Es gebe in Shenzhen eine riesengroße Kapazität, die ins Ausland geht. „Wer Masken haben will, der kriegt sie.“ Eine von seriösen Laboren wie dem TÜV zertifizierten Profi-Masken kosteten je nach Menge zwischen einem und 1,10 Euro ab Fabrik. Im Ausland würden sie mit riesigen Profiten für diverse Zwischenhändler für 2,40 Euro angeboten. Einfache Atemmasken, die inzwischen in Deutschland bis zu 50 Cent kosten, würden in Shenzhen immer noch für 0,23 Cent ab Fabrik angeboten.

Eine französische Firma habe sich sogar eine komplette Fabrik geleast, um die Produktion der Schutzausrüstung selbst zu übernehmen. Er selbst stehe mit einer Fabrik in gutem Kontakt, die könne jeden Tag 500.000 Masken herstellen. Die entscheidende Frage sei aber, welche Konditionen Interessenten derzeit in einem entfesselten „Verkäufermarkt“ anböten. Und da seien die Deutschen zu unflexibel, ist er überzeugt. Kürzlich habe er 200.000 Masken an eine dänische Firma geliefert. „Das ging gegen Vorkasse.“

Schutzausrüstung gegen Corona: Berliner Unternehmer in Hongkong bietet Berlin Hilfe an

Er hat den Berliner Gesundheitsämtern und der Senatsverwaltung seine Hilfe angeboten, um mit seinen Beziehungen bei der Beschaffung zu helfen. Einfache Masken seien ebenso lieferbar wie die professionelle Version FFP2 mit oder ohne Ventil. Auch Schutzbrillen und –anzüge ließen sich besorgen.

Vom „Team Beschaffung“ der Gesundheitsverwaltung bekam er auch eine E-Mail zurück. Darin verlangen die Beamten neben Angaben zu seiner eigenen Firma eine genaue Liste inklusive Stückpreis der Produkte ein, die er anbieten und bis wann er diese liefern könne „inklusive Versand und Lieferkosten“. Die Zahlung erfolge „gegen Rechnung“ nach „vertragsgerechter Abnahme der Leistung.“

Mit solchen Konditionen sei man in Hongkong jedoch chancenlos, sagt Passeyer. Allein dass sie Importzölle und Mehrwertsteuer vorstrecken müssten, schrecke seriöse Lieferanten ab. Auch die Transportkosten vorherzusagen, sei kompliziert. Sie schwankten stark. Ein Kilogramm Luftfracht von China nach Deutschland könne zwischen 6,40 und 11 Euro kosten.

Deutsche Geschäftsmethoden zu unflexibel für China

Viele Zwischenhändler bieten den Herstellern Vorkasse. Deswegen regt der China-Kenner ein anderes System an. Das Geld aus Deutschland könnte etwa beim Konsulat auf ein Treuhandkonto fließen. Mit einer solchen Sicherheit würde seine Hongkonger Hausbank ihm Geld vorstrecken, um flexibel ankaufen zu können. Im Nachhinein könne dann transparent abgerechnet werden.

In China laufe das Geschäftsleben sehr stark über persönliche Kontakte. Dort einfach per E-Mail zu bestellen zu wollen, sei in diesen Zeiten aussichtslos. „Andere Kunden bringen Geld direkt zur Fabrik“, beschreibt Passeyer die Gepflogenheiten, oder sie überwiesen per Echtzeittransfer, sobald der Container verschlossen werde.

Er hat auf ganz kleinem Niveau die Schwierigkeiten des Imports nach Deutschland erfahren. 200 Masken habe er mit UPS an seine Familie verschickt. Die Luftfracht habe 70 Euro gekostet. Dazu wurden an der Grenze Zoll, Importsteuer und Mehrwertsteuer fällig. In der Summe 180 Euro. Eine Million Masken passten in vier 40-Fuß-Container. Hier sei nicht das Gewicht, sondern das Volumen das Problem.

Lufthansa-Maschinen könnten als Frachtflieger eingesetzt werden

Angesichts des zusammengebrochenen Passagierflugverkehrs kann sich der Wahl-Hongkonger auch unkonventionelle Schritte vorstellen. Warum schicke man nicht einen der derzeit am Boden stehenden Lufthansa-Jumbos nach China, um dort direkt gekauftes Material nach Deutschland zu fliegen, fragt sich der Unternehmer, der mit einer Hongkongerin verheiratet ist.

Er stehe jedenfalls bereit, um zu helfen, sagt Passeyer. Natürlich wolle er für seine Dienste auch Geld verdienen. Aber das soll nachvollziehbar sein und sei mit Sicherheit billiger als über Zwischenhändler das dringend benötigte Material zu beschaffen.