Peru sagt Flug ab

Berliner Reisegruppe steckt wegen Coronavirus in Lima fest

Eine fünfköpfige Reisegruppe steckt in Perus Hauptstadt fest. Ein bereits zugesagter Flug nach Deutschland wurde ihnen verweigert.

Die deutsche Reisegruppe um Sabine Meyer (ganz rechts) in Peru

Die deutsche Reisegruppe um Sabine Meyer (ganz rechts) in Peru

Foto: BM

Berlin. Es ist ein Satz, den Sabine Meyer aus Steglitz überhaupt nicht gern gehört hat. „Leider können wir nicht in allen Fällen innerhalb kürzester Zeit Abhilfe schaffen“, so Bundeaußenminister Heiko Maas (SPD) im Interview mit der Berliner Morgenpost. Gemeint ist, dass die Rückholaktion für Deutsche, die überall auf der Welt wegen der Corona-Krise gestrandet sind, nicht in jedem Land gleich erfolgreich und schnell durchgeführt werden kann.

Die fünfköpfige Reisegruppe um Meyer, zu der auch zwei Bekannte aus Friedenau gehören, hat das nun am eigenen Leib erfahren. Wie rund 200.000 andere Deutsche weltweit sitzen sie im Ausland fest. Im südamerikanischen Lima, der Hauptstadt Perus. Und auch das nur mit Glück.

Situation im Hotel wurde immer bedrückender

Die Gruppe um die 60 Jahre alte Apothekerin hatte Peru seit dem 29. Februar bereist und wollte am 16. März eigentlich von Cuzco aus die weltberühmte Ruinenstadt Machu Picchu besuchen, als wegen der Corona-Epidemie über Nacht alles dicht gemacht wurde. Nur über eine vermittelnde Taxifahrerin konnte sich Meyer mit ihren Bekannten noch in den letzten Flug nach Lima retten. Danach war aber erstmal Schluss – gestrandet in einem Hotel, eine halbe Stunde vom gesperrten Flughafen entfernt. „Die deutsche Botschaft hat sich wirklich sehr um uns gekümmert“, lobt Meyer, „sie haben Tag und Nacht für uns geackert“. Über sie haben sich die Reisenden umgehend sowohl telefonisch als auch über das Internet an das Auswärtige Amt gewandt, auf deren Rückkehrer-Liste sie nun stehen.

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Die Situation im Hotel wurde derweil immer bedrückender, während die Gruppe auf ihren Flug zu warten verdammt war, wie Meyer schildert: „Außer zur Apotheke, zum Geldautomaten und zum Supermarkt dürfen wir überhaupt gar nichts. Seit Montag ist es auch nur noch bis zu fünf Leuten erlaubt, im Hotel- Restaurant zu sitzen und wir müssen zu den anderen Gästen Abstand halten. Die Stimmung ist trostlos und angespannt.“

Nachdem laut Außenminister Heiko Maas mittlerweile die Haupturlaubsgebiete abgefertigt worden sind, richtet sich das Augenmerk der „Luftbrücke“ des Auswärtigen Amts nun auf weiter entfernte Länder wie Peru. Aus der Deutschen Botschaft in Lima heißt es, dass zurzeit intensive Vorbereitungen durchgeführt würden, um die hohe Zahl deutscher Touristen mit einer bereits bereitstehenden Lufthansa-Maschine außer Landes zu bringen. Vorausgegangen war ein Telefonat zwischen dem Auswärtigen Amt und Perus Vize-Außenminister Jaime Pomareda, in dem dieser seine Unterstützung zugesichert hatte.

„Wir fühlen uns als Geiseln der peruanischen Regierung“

Die Botschaft habe eine Landeerlaubnis für die Lufthansa-Maschine beantragt und warte nun auf die Genehmigung der peruanischen Behörden. Ansonsten bestehe für die Deutschen aber auch die Möglichkeit, bereits am Mittwoch mit den Fluglinien British Airways, Iberia und Edelweiss nach Europa zurückzukehren.

Darauf kann Sabine Meyer nicht wirklich vertrauen, zumal sie persönlich von der Botschaft hierzu noch nicht informiert wurde. Schon für Montag hatte ihre Gruppe eine Zusage für einen Heimflug nach Deutschland mit der Lufthansa erhalten. Sonntag früh kam dann der Anruf, dass Peru die Lande- und Startgenehmigung wider die eigentliche Abmachung nicht erteilt hatte. Ohne weitere Begründung. Eine Iberia- Maschine, die bereits von Europa aus in Richtung Peru gestartet war, musste in der Luft wieder umkehren. „Wir fühlen uns als Geiseln der peruanischen Regierung, die sich immer wieder umentscheidet“, klagt Meyer, „worin besteht für Peru das Risiko, wenn eine Ersatzcrew landet, keiner aussteigt und die Passagiere an Bord gehen?“.

Im Prinzip würde die Gruppe aber mit jeder Gesellschaft den Kontinent wieder verlassen, wenn sich die Möglichkeit bietet. Solange danach die Weiterreise in die Heimat garantiert ist. „Zwei Wochen Madrid verweigern wir uns“, so Meyer.