Coronavirus in Berlin

Corona-Krise: Berlin wartet auf Atemschutzmasken

In Berlin fehlen viele Atemschutzmasken. Wann der Mangel behoben werden kann, ist derzeit völlig offen. Näherinnen wurden erfinderisch.

Eine Lieferung mit Schutzmaterialien für Berlin fiel deutlich kleiner aus als erhofft.

Eine Lieferung mit Schutzmaterialien für Berlin fiel deutlich kleiner aus als erhofft.

Foto: Privat

Berlin. Niedergelassene Ärzte, Pflegeheime, Kita-Erzieherinnen in der Notbetreuung und viele andere Gruppen klagen über fehlende Atemschutzmasken. Wann jedoch der Mangel behoben werden kann, ist derzeit völlig offen. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) erhielt am Montag eine verspätete Lieferung mit Schutzmaterialien, die aber deutlich geringer ausfiel als vom Berliner Senat erhofft. Eine weitere, größere Charge wird für die nächsten Tage erwartet. Wann genau das sein wird, ist nicht zu sagen: „Wir kriegen jeden Tag solche Ankündigungen“.

Nach den Worten der Senatorin war aber auch ein Teil der Masken, die auf rätselhafte Weise in Kenia verschwunden sind, für Berlin bestimmt. Mit seiner Not steht Berlin nicht alleine da. In ganz Deutschland und Europa mangelt es an Schutzausrüstung gegen das Coronavirus. In dieser angespannten Lage versuchen nun auch noch Menschen, mit der Not anderer Geschäfte zu machen. Die Intensivmediziner-Vereinigung DIVI berichtet von zahlreichen, jedoch unseriösen Angeboten von Lieferanten zu „fantasievollen Preisen“.

FFP2-Maske mit Atemschutzfilter überteuert angeboten

Eine sogenannte FFP2-Maske mit Atemschutzfilter koste normalerweise je nach Ausführung 11 bis 60 Cent. Jetzt würden Pakete mit 1000 Masken für sieben Euro das Stück angeboten. Ein normaler, dreilagiger Klinik-Mundschutz mit Gummiband lag vor der Corona-Pandemie bei drei bis 15 Cent, eine OP-Maske mit hoher Keimdichtigkeit bei fünf bis 15 Cent. Erste Anbieter verlangen nun das Fünffache. Die Lieferzeiten sollen zwischen 14 und 30 Tagen liegen.

Berliner Krankenhäuser bestätigen dieses Bild. Bei den DRK-Kliniken reichten Masken für Mund und Nase noch für drei Wochen, sagte Sprecherin Romina Rochow. Die Einkaufsabteilung arbeite mit Nachdruck daran, Nachschub zu beschaffen. Zusagen für Lieferfristen wolle kein Lieferant mehr abgeben.

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Näherinnen fertigen Mundschutz-Masken

Doch Not macht auch hier erfinderisch: Um Abhilfe zu schaffen, hätten die Näherinnen in den hauseigenen Wäschereien begonnen, selbst einfache Mundschutz-Masken zu nähen, die bei 60 Grad gewaschen werden könnten. Damit könnten immerhin Tröpfchen-Übertragungen verhindert werden. Im klinischen Bereich trügen inzwischen alle Mitarbeiter eine Maske.

Der städtische Klinikkonzern Vivantes hat inzwischen 10.000 Mitarbeiter mit einem personalisierten textilen Mund-Nasen-Schutz ausgestattet. Für die Beschäftigten in kritischen Bereichen stünden darüber hinaus weiterhin ausreichend Einweg-Masken zur Verfügung, hieß es von dem Klinikkonzern.

Auch der Hausärzteverband Berlin-Brandenburg klagte am Dienstag über fehlendes Material. Bei einer Umfrage unter den Mitgliedern antwortete eine große Mehrheit der 631 teilnehmenden Mediziner auf die Frage, ob sie sich zurzeit für eine weitere Ausbreitung des Coronavirus gerüstet fühlen, mit Nein. Das teilte der Hausärzteverband mit. Ebenfalls eine Mehrheit gab demnach an, dass in ihren Praxen Schutzkleidung wie Brillen oder Schutzmasken und auch Personal fehle.