Coronavirus in Berlin

Corona: Das ist der Notfallplan der Berliner Krankenhäuser

In Berlin liegen zwei Dutzend Corona-Patienten auf der Intensivstation. In wenigen Tagen könnten es aber viel mehr werden.

Regierung stemmt sich mit Milliarden gegen die Krise

Das Bundeskabinett hat Nothilfen im Umfang von mehreren hundert Milliarden Euro gebilligt, um die Folgen der Corona-Krise abzumildern. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) rechnet mit einer Neuverschuldung in Höhe von 156 Milliarden Euro in diesem Jahr.

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Berlin.  Die Bilder aus Italien von völlig überlasteten Intensivstationen haben alle im Kopf, die sich in diesen Tagen in Berlin um die Vorbereitungen auf den erwarteten Höhepunkt der Covid-19-Infektionswelle kümmern. Bisher liegen nur zwei Dutzend Corona-Patienten in der Berlin auf der Intensivstation. Aber in wenigen Tagen kann sich diese Zahl vervielfacht haben.

Es gehe nicht nur um die Kapazitäten auf den Intensivstationen, sondern auch um die Steuerung der Patienten zwischen den Häusern, hat der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler dem Senat geraten.

Coronavirus: Arbeitsteilung in Berliner Notfallkrankenhäusern

In Berlin ist zwischen den 38 Notfallkrankenhäusern eine Arbeitsteilung vorgesehen. Dabei geht es hauptsächlich um den Umgang mit Kranken, die schon beatmet werden müssen. Steuern soll den Fluss der Covid-Erkrankten die Charité. „Das erfolgt je nach dem Schweregrad der Erkrankung“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) der Morgenpost.

Die Universitätsklinik verfügt in ihrem ARDS/ECMO-Zentrum über die größte Expertise. Die Abkürzung steht für „acute respiratory distress syndrome“, auf Deutsch „akutes Lungenversagen“. ECMO bedeutet „extrakorporale Membranoxygenierung“. Vereinfacht gesagt wird dort Patienten, die nicht mehr atmen können, Sauerstoff über den Austausch von Blut zugeführt.

16 Krankenhäuser sind für Corona-Intensivfälle vorgesehen

Die Fachleute dort sollen ihre Kenntnisse und Techniken in der Behandlung von Corona-Patienten per Telemedizin auch den Ärzten in anderen Krankenhäusern zur Verfügung stellen. „Die Expertise kommt so in die Breite“, so Kalayci. Die Charité wird in dem „SAVE Berlin @COVID-19“ genannten Konzept als einziges Level-1-Krankenhaus geführt.

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16 weitere Häuser sollen für Level-2 zuständig sein, also auch schwerere Intensivfälle aufnehmen. Dazu gehören unter anderem die kommunalen Vivantes-Häuser Auguste-Viktoria-Klinikum (Schöneberg), das Humboldt-Klinikum (Reinickendorf), das Krankenhaus im Friedrichshain sowie die Kliniken in Neukölln und Spandau Spandau. Auch frei gemeinnützige und private Häuser sind auf dem Level 2 dabei, so die DRK-Kliniken Westend und Köpenick.

In Level-3-Häusern werden weniger ernste Fälle behandelt

In den Level-3-Häusern werden die weniger ernsten Fälle behandelt, die aber gleichwohl auf den Intensivstationen liegen. „Wenn wir einen beatmeten Coronapatienten haben, melden wir das der Charité. Die entscheiden dann, ob der bei uns bleibt oder verlegt wird“, beschreibt eine Sprecherin der DRK-Kliniken den geplanten Arbeitsablauf.

Kriterien für die Entscheidung sind unter anderem die Körpertemperatur der Menschen, die Atmungsfrequenz und die Sauerstoffsättigung des Blutes oder Bewusstseinsstörungen. Die Berliner Feuerwehr werde ihre „intensivmedizinischen Verlegungskapazitäten mehr als verdoppeln, sodass auch der für das Funktionieren des Stufenkonzeptes zwingend notwendige Interhospitaltransfer verstärkt wird“, heißt es in der Unterlage des Senats zu dem Konzept.

Führung der Corona-Klinik auf dem Messegelände ist unklar

Der städtische Klinikkonzern Vivantes baut zudem weitere Kapazitäten auf, um auch mehr leichter erkrankte Corona-Patienten behandeln zu können. Am Standort Prenzlauer Berg entstehen weitere 200 Plätze für Corona-Patienten. Derzeit wird dort umgebaut und ein Personalkonzept erstellt.

Noch unklar ist in der Berliner Krankenhauslandschaft, wer das Personal für das auf dem Messegelände geplante Corona-Krankenhaus bereitstellen soll. Auch wer die medizinische Führung übernehmen wird, ist potenziellen Akteuren noch nicht bekannt. Gesundheitssenatorin Kalayci sagte, man werde für diese Klinik zusätzliches Personal suchen. Man denke dabei auch an Medizinstudenten, reaktivierte Pensionäre oder niedergelassene Ärzte.

160 Ärzte haben sich gemeldet, um in Corona-Krise zu helfen

Dass der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sich am Dienstag beklagte, es hätten sich 160 Mediziner gemeldet, die helfen wollten, aber nicht wüssten wie und wo, wundert die Senatorin nach eigener Aussage. Die KV beteilige sich bisher nur an drei der acht Corona-Abklärungsstellen und könne dort weitere Aufgaben übernehmen.

Noch ist die Lage an den Berliner Krankenhäusern eigentümlich ruhig. Weil alle geplanten Eingriffe und Behandlungen abgesagt wurden, sind viele Stationen kaum noch belegt. Auch die Zahl der Operationen sei deutlich gesunken, hieß es aus den Kliniken. „Die Kollegen haben derzeit eine traumhafte Besetzung“, hieß es vom Vivantes-Betriebsrat. Anders als Krankenhäuser in anderen Bundesländern verzichtet der städtische Konzern jedoch darauf, Mitarbeiter bis zum erwarteten Ausbruch der Krise in Zwangsurlaub zu schicken oder sie Überstunden abbummeln zu lassen.

Meike Jäger, Krankenhaus-Expertin der Gewerkschaft Verdi und stellvertretende Vorsitzende des Vivantes-Aufsichtsrats sagte, die Krankenhäuser liefen leer. Die Belegschaften nutzen die Zeit, sich auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. Wenn zum Beispiel weniger Operationen erfolgten, könnten die sonst dort eingesetzten Kräfte zum Beispiel in der Bedienung von Beatmungsgeräten geschult werden.