Coronavirus

Berlin will die Zahl der Intensivbetten verdoppeln

80 Prozent der Intensivbetten in Berlin sind belegt. Nun soll die Kapazität verdoppelt werden, kündigt die Gesundheitssenatorin an.

Diese Virologen haben das Regiment übernommen

Ohne Christian Drosten und Lothar Wieler wäre Deutschland in der Corona-Krise womöglich aufgeschmissen: Beide Männer sind gefragt wie selten in ihrer Laufbahn - als Berater der Bundesregierung, aber auch als Ratgeber der Bevölkerung.

Beschreibung anzeigen

Berlin. In Berlin wird die Zahl der Krankenhausbetten mit Beatmungsgeräten auf Intensivstationen verdoppelt. Das hat Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses angekündigt. „Wir sind am Anfang einer Epidemie“, sagte die Senatorin. Darum sei es nun der richtige Zeitpunkt, die Bewegungsfreiheit der Bürger weiter einzuschränken. „Wenn die Pandemie-Kurve drastisch nach oben gegangen ist, ist es zu spät“, warnte Kalayci.

Am Montag wurde der zweite Corona-Todesfall in der Stadt gemeldet. Ein 70 Jahre alter Mann mit diversen Vorerkrankungen sei im Krankenhaus Friedrichshain verstorben. Die Gesundheitssenatorin rief alle Senioren und Angehörige anderer Risikogruppen auf, ihre Wohnungen wenn möglich nicht mehr zu verlassen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, alle über 70-Jährigen in Quarantäne zu nehmen“, sagte die Senatorin.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Coronavirus in Berlin: 80 Prozent der Intensivbetten belegt

In Berlins Krankenhäusern seien derzeit 80 Prozent der Intensivbetten belegt, obwohl dort erst vereinzelt die ersten mit dem Coronavirus infizierten Patienten angekommen sind. Die Gesundheitsbehörden sind bestrebt, zwischen 60 bis 80 Prozent aller Intensivbetten der Stadt für Corona-Fälle frei zu bekommen. Zudem hätten die Krankenhäuser angekündigt, 700 bis 800 Plätze zusätzlich einrichten zu können.

Zusammen mit dem geplanten Corona-Krankenhaus auf dem Messegelände würde Berlin die Verdoppelung der Intensivbetten hinkriegen. Bisher liegt die Stadt mit einer Inzidenz von 23 leicht über dem Niveau des Bundes im oberen Drittel der Bundesländer. Das bedeutet, dass auf 100.000 Einwohner 23 registrierte Infektionen kommen. Bundesweit liegt der Wert bei 20, in Hamburg aber bei 32, so die Senatorin.

Berlin hat aus der Großbestellung des Bundesgesundheitsministeriums über 10.000 Beatmungsgeräte 1000 Apparate angemeldet. Man werde aber wohl nicht die volle Zahl bekommen, sagte Kalayci. Deshalb habe der Senat eine eigene Bestellung auf den Weg gebracht, die Finanzierung dafür soll der Hauptausschuss des Landesparlaments am Mittwoch freigeben.

Gesundheitssenatorin: Beschaffung von Schutzausrüstung schwierig

Die Beschaffung von Schutzmasken, -brillen und –anzügen beschrieb die Senatorin als schwierig. Eine kleinere Lieferung aus einer Bestellung des Bundes ist zwar am Montag eingetroffen, es kam aber weniger Material als erhofft. Man warte aber auf eine größere Charge, die in den nächsten Tagen eintreffen solle. „Wir haben einfach keine Reserven in Krankenhäusern“, sagte Kalayci. Die Vorräte reichten für einige Wochen, auch die seien irgendwann rum. Berliner Kassenärzte klagen schon lange darüber, dass es an Schutzausrüstung fehle. Auch in Pflegeheimen und bei ambulanten Diensten mangelt es an Masken. Deshalb soll die Pflege aus der nächsten Lieferung mit Priorität bedacht werden.

Im Gesundheitsausschuss berichtete der Vorsitzende Wolfgang Albers (Linke) von extrem gestiegenen Preisen für Schutzausrüstung. Die Verwaltung bestätigte die Aussagen. Vor der Krise hätten einfache OP-Masken drei Cent gekostet, heute würden dafür bis zu 50 Cent. Eine professionelle Atemmaske, die es früher für 70 Cent gegeben habe, koste jetzt sieben bis zwölf Euro.

Berliner Krankenhäuser richten Notruf an die Politik

Berlins Krankenhäuser haben auch wegen dieser zusätzlichen Belastungen einen Notruf an die Politik gesendet. Die von der Bundesregierung zugesagten finanziellen Hilfen seien viel zu niedrig, zumal mit dem Verbot planbare Operationen durchzuführen und oder solche Patienten aufzunehmen fast die gesamten Einnahmen wegbrechen. „Wir brauchen für die Versorgung und die vielen Umstrukturierungen, die wir vornehmen, pauschale, schnelle finanzielle Hilfe ohne Bürokratiehürden“, sagte Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft.

Die Bundesregierung hat für jedes leere Krankenhausbett 560 Euro pro Tag zugesagt. Der Linken-Politiker Albers, selbst gelernter Chirurg, sagte, ein Intensivbett einzurichten koste bis zu 95.000 Euro. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe dafür 50.000 Euro vorgesehen. Senatorin Kalayci, derzeit Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, kündigte für den Notfall auch Hilfen des Landes für die Kliniken an. Man habe es bereits geschafft, die ursprünglich von Spahn avisierten Ausgleichszahlungen zu erhöhen.

Die Gesundheitssenatorin kündigte an, Berlins Labore würden die Kapazitäten für Coronatests von derzeit 3000 pro Tag auf 10.000 hochfahren zu wollen. Es bleibe aber dabei, dass vor allem Menschen mit Krankheitssymptomen, medizinisches Personal und Angehörige der Risikogruppen getestet würden. Für die steigende Zahl von Menschen in Quarantäne bieten die Gesundheitsämter nun spezielle Telefonleitungen und E-Mail-Adressen, wo deren spezielle Fragen beantwortet würden.