Corona in Berlin

Corona-Krise bringt Berlins Polizei an die Belastungsgrenze

Kontrollen und Trickbetrug: Die Corona-Pandemie stellt die Polizei vor neue Herausforderungen.

Wenige Menschen sind in Berlin unterwegs, aber es gibt neue Aufgaben für die Polizei.

Wenige Menschen sind in Berlin unterwegs, aber es gibt neue Aufgaben für die Polizei.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Fast nichts ist mehr so wie vor wenigen Wochen – und wie es morgen sein wird, weiß niemand so recht. Was in den Zeiten der Corona-Krise für die meisten Berliner gilt, gilt erst recht für die Polizei. Noch sei die Behörde voll handlungsfähig, heißt es im Umfeld der Behörde. Doch das Virus macht auch vor den Beamten nicht halt. Wie lange die Polizei alle Aufgaben bewältigen kann oder ob die Behördenleitung schon bald Prioritäten setzen und Aufgaben streichen muss, ist daher unklar.

Bei allen Sorgen, die die Ordnungshüter umtreiben, gibt es auch gute Nachrichten: Weil die Straßen selbst in der Innenstadt deutlich leerer sind als sonst, werde man mit Taschendieben wohl weniger Probleme haben als bisher, heißt es. Viele Berliner bleiben zuhause, gehen abends nicht aus und sind tagsüber im Homeoffice. Das ist schlecht für Einbrecher, die ihre Geschäfte lieber verrichten, wenn niemand zu Hause ist.

Das Geschäft von Autodieben ist erschwert

Positiv könnte sich auch auswirken, dass die Grenzen nach Osteuropa kontrolliert werden und sich dort lange Staus bilden. Denn Autodiebe reisen lieber unerkannt und wollen zügig außer Landes kommen. Bis auf Weiteres ist dies nicht mehr möglich. Die zuständigen Ermittler des Landeskriminalamtes dürfte das entlasten. Auch die Einsatzhundertschaften müssen zu etlichen Einsätzen nun nicht mehr ausrücken: Keine Fußballspiele mehr, also auch keine randalierenden Fangruppen. Keine Straßenfeste, keine Demonstrationen, keine Großveranstaltungen: All das bringt Entlastung.

Viel mehr Gründe, optimistisch zu bleiben, gibt es aber nicht. Denn die Polizei muss auch Herausforderungen bewältigen, mit denen noch bis vor kurzem niemand gerechnet hatte. „Welche zusätzlichen Aufgaben könnten denn auf die Polizei zukommen?“, wollte ein Journalist vor wenigen Wochen wissen, als Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Rande einer Pressekonferenz zur Corona-Krise Auskunft gab. Slowik schaute ihre Mitarbeiter an, zuckte mit den Schultern, als wäre die Frage etwas abwegig. Nun eilt sie von Krisensitzung zu Krisensitzung, um zu erörtern, wie ihre Mitarbeiter die vielen zusätzlichen Aufgaben bewältigen können.

Da wären zum Beispiel die vielen Kontrollen. Kneipen dürfen nicht öffnen, auch Restaurants mussten schließen und vielen Geschäften verordnete der Senat, dicht zu bleiben. Überwacht werden sollen die Verbote von der Polizei – die damit gut beschäftigt ist. In der vergangenen Woche mussten die Beamten allein von Donnerstagabend bis Freitagmorgen 91 Anzeigen schreiben, weil Gaststätten- oder Geschäftsinhaber das Verbot missachteten. Am Sonntag zählte die Behörde nach Auskunft der Pressestelle 17 bestätigte Corona-Infektionen in ihren Reihen.

Dutzende Polizisten unter Quarantäne gestellt

Knapp 80 Mitarbeiter wurden von Amtsärzten unter Quarantäne gestellt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte daher bereits am vergangenen Donnerstag gefordert, die Testverfahren für Infektionen für Mitarbeiter in systemrelevanten Berufen zu beschleunigen. Zurzeit sei die Berliner Polizei trotz der Anzahl an Ausfällen handlungsfähig, da durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens auch Kapazitäten frei würden. „Ob das in ein paar Wochen noch so ist, werden wir sehen“, sagte der Berliner GdP-Chef Norbert Cioma.

In öffentlichen Verkehrsmitteln würden Beamte bereits jetzt seltener auf Streife gehen. Das Risiko, sich bei Kontakten mit Fahrgästen anzustecken, sei zu groß, heißt es. Die Polizei kümmere sich aber weiterhin nicht nur darum, dass Verordnungen eingehalten würden. Die Kollegen seien auch weiterhin im Kampf gegen Kriminalität aktiv. „Allein beim Blick auf die häuslichen Gewalttaten, die traditionell hochgehen, wenn Menschen über einen längeren Zeitraum auf engem Raum zusammen sind, wird es in den nächsten Wochen viel zu tun geben“, sagte Cioma.

Banden nutzen die Angst der Bevölkerung vor Corona

Banden der organisierten Kriminalität versuchen unterdessen, aus der Angst in Teilen der Bevölkerung Kapital zu schlagen. An Zynismus kaum zu überbieten ist eine Masche von Trickbetrügern. Ältere Menschen erhalten Anrufe von vermeintlichen Verwandten, die sich angeblich mit dem Coronavirus angesteckt hätten. Sie bräuchten Geld für teure Medikamente, behaupten diese Anrufer. Man werde einen Freund vorbeischicken, um Geld abzuholen.

Andere Kriminelle klingeln ohne Vorankündigung bei Senioren – angeblich um einen Corona-Test durchzuführen. Werden sie in die Wohnung gelassen, halten sie nach Wertgegenständen sowie Schmuck Ausschau und greifen dann unbemerkt zu.