Warnung

Corona: Berlins Feuerwehr könnten die Mitarbeiter ausgehen

Die Corona-bedingte Schließung ihrer Ausbildungsstätte gefährdet die Personalplanung der Behörde.

Einsätze wie hier vor dem Amtsgericht Tiergarten drohen für die Feuerwehr zur Herausforderung zu werden.

Einsätze wie hier vor dem Amtsgericht Tiergarten drohen für die Feuerwehr zur Herausforderung zu werden.

Foto: Carsten Koall / dpa

Der Berliner Feuerwehr stehen harte Zeiten bevor. Denn angesichts der Corona-Krise könnte der Behörde das Personal ausgehen. 102 Mitarbeiter befinden sich bereits jetzt in Quarantäne, weil sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder aus einem Risikogebiet zurückkehrten. Sechs Mitarbeiter der Feuerwehr haben sich bereits mit dem Virus infiziert, so der Stand vom Ende vergangener Woche. Der vorläufige Höhepunkt der Krise: Ende vergangener Woche musste die Feuerwehr zwischenzeitlich ihre Wache in Marzahn schließen. Dort waren mehrere Feuerwehrleute positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Die Personalnot dürfte sich zuspitzen. Denn auch der Feuerwehr fehlen Schutzmasken. Die Rettungssanitäter der Behörde laufen daher bei jedem Einsatz Gefahr, sich durch den Kontakt zu einem Patienten mit unbemerkter Corona-Infektion selbst anzustecken. Die Zahl der verfügbaren Rettungssanitäter würde sich so weiter verringern – und das in einer Zeit, in der die Retter nicht weniger, sondern deutlich mehr Kollegen bräuchten, und die Bevölkerung auf die Helfer dringend angewiesen ist.

Die Gewerkschaft der Polizei schlägt Alarm

Auch auf mittlere Sicht ist kaum Besserung zu erwarten. Denn wegen der zunehmenden Infektionsgefahr durch das Virus wurde Anfang vergangener Woche auch die Berliner Feuerwehr- und Rettungsakademie (BFRA) geschlossen. Das Gute im Schlechten: Die Auszubildenden und die Lehrer können je nach Qualifikation und persönlicher Eignung nun ihre aktiven Kollegen auf den Rettungswagen oder im Einsatzstab unterstützen. Eine willkommene Entlastung. Der Haken: Die Ausbildung des Nachwuchses wird sich wegen der Schließung der BFRA verzögern. Die von der Politik bewilligten und von der Behörde fest eingeplanten zusätzlichen Stellen werden daher zunächst nicht besetzt werden können, jedenfalls nicht Kräften, die vollständig ausgebildet sind.

Die auch für die Feuerwehr zuständige Gewerkschaft der Polizei (GdP), schlägt daher Alarm. Die Schließung der BFRA sei angesichts der Corona-Krise zwar alternativlos gewesen. Die Auswirkungen auf die Ausbildung seien aber derzeit nicht absehbar. „Es verdichtet sich, dass wir nach dem Katastrophenplan wegen des Coronavirus einen Katastrophenplan für die BFRA benötigen“, warnt GdP-Sprecher Benjamin Jendro. „Je länger die Einschränkungen dauern, desto gravierender werden die Folgen für unsere Berliner Feuerwehr sein.“

Details nennt die Behördenleitung nicht

Die Feuerwehr selbst bemüht sich, das Problem nicht zu dramatisieren. Die zukünftige Einstellung werde im Zuge des angestrebten Personalaufwuchses – trotz der Schließung der BFRA – wie geplant zum 1. April vorgenommen. Die Schulung der Anwärter in der Laufbahnausbildung werde sich aber verlängern müssen. Details nennt die Behördenleitung nicht.

Doch auch abgesehen von der Corona-Krise dürfte die Personalnot die Feuerwehr noch eine Weile begleiten. Denn die Politik hat den Helfern in Rot zwar längst zusätzliche Stellen bewilligt und folgerichtig auch die Ausbildungskapazitäten hochgefahren. Doch die zusätzlichen Ausbilder-Stellen gibt es nur auf dem Papier. Das geht aus der noch unveröffentlichten Antwort der Innenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP hervor. Ende vergangenen Jahres waren demnach 25 der zurzeit 91 Ausbilder-Stellen nicht besetzt. Das entspricht einem Anteil von rund 27 Prozent. Das Problem hat sich den offiziellen Behördenzahlen zufolge sogar noch verschärft. Denn Ende 2018 lag der Anteil der unbesetzten Stellen bei „nur“ zwölf Prozent.

Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe, der die parlamentarische Anfrage gestellt hatte, kritisiert, dass Gewerkschaften und Abgeordnete, sowie Initiativen wie „Berlin brennt“, immer wieder auf die wachsenden Ausbildungsbedarfe bei Feuerwehr und Rettungswesen hingewiesen hätten. „Wenn es an Ausbildern fehlt, ist die freiwillige Dienstzeitverlängerung oder Rückkehr von Pensionären ein guter Weg – bei Feuerwehr und Polizei – schnell fehlende Stellen in der Ausbildung zu besetzen“, sagte Luthe.

Alle Planung wäre Makulatur

Die GdP lobt, dass die Politik der Feuerwehr nach den vorangegangenen Sparrunden einen „enormen Stellenzuwachs“ bewilligt habe. Dass die Ausbildung der Mitarbeiter von morgen nicht einfach zu bewerkstelligen sei, sei mit „Blick auf die personellen wie auch räumlichen Kapazitäten“ aber jedem klar gewesen. Die Feuerwehr selbst versichert, dass es Planungen gebe, die unbesetzten Ausbilderstellen „zu kompensieren“. Dazu sollten Feuerwehrleute aus dem aktiven Dienst vorübergehend an die BFRA abgeordnet werden.

Momentan dürfte die Behördenspitze aber vor allem mit kurzfristigen Planungen beschäftigt sein. Aus gutem Grund. Denn wenn die Bewältigung der Corona-Krise außer Kontrolle geraten sollte, dürften die mittel- und langfristigen Planungen ohnehin Makulatur seien.