Corona-Schließungen

Shutdown in Berlin: So war der Sonntag vor der Kontaktsperre

Am Sonntag wurden in Berlin wegen der Corona-Pandemie Restaurants, Bars und Cafés mit Tischbetrieb geschlossen.

Geschlossene Gastronomie an der Simon-Dach-Straße

Geschlossene Gastronomie an der Simon-Dach-Straße

Foto: Dennis Meischen / BM

Berlin. Cafés und Restaurants in Berlin müssen seit Sonntag geschlossen bleiben. So hatte es am Vortag der rot-rot-grüne Senat verfügt. Doch in den Bezirken wird damit ganz unterschiedlich umgegangen.

Am Nollendorfplatz in Schöneberg ist es trotz sonnigen Wetters ungewöhnlich ruhig. Nur vereinzelt sind Menschen unterwegs, meist zu zweit, auf dem Fahrrad oder mit dem Hund. Selbst eine Gruppe Männer, die auf Bänken Bier trinkt, sitzt in gebotenem Abstand zueinander. „Gespenstig finde ich diese Atmosphäre nicht“, sagt eine Dame, die mit ihrem Enkel spazieren geht, „eher beruhigend und der Situation angemessen.“

Fast alle Läden haben hier geschlossen. Einige Cafés und Bistros versuchen aber trotzdem ihr Glück und haben die Stühle ausgepackt – einzig die Gäste fehlen. Sie verkaufen Kaffee und Snacks außer Haus. Die größte Menschenansammlung steht noch an einer Eisdiele unweit des U-Bahnhofs, welche bis 15 Uhr ihre Produkte zum Mitnehmen verkauft. Während der Besitzer die neuen Regeln erklärt, bildet sich diszipliniert eine Schlange an der Ausgabe.

Ganz im Gegensatz dazu sind wenige Meter weiter im Park am Gleisdreieck in Kreuzberg viele Passanten an der frischen Luft.

Auch der Lieblingsort sonnenliebender Berliner ist voller Menschen: das Tempelhofer Feld. Am Bahnhof Tempelhof empfangen die Reisenden nicht nur die üblichen Biertrinker vor den Imbissbuden, auch die sportlichen Betätigungen auf dem ehemaligen Flughafengelände werden bei strahlendem Wetter ausgeübt wie eh und je. „Ich glaube, die Zahl der Besucher ist konstant geblieben“, sagt ein Spaziergänger, der den Tag mit seiner Frau genießt, „aber ich habe das Gefühl, dass die Menschen Abstand halten und die Hygienevorschriften des Parks ernst nehmen.“ Für eine Ausgangssperre sei er im Übrigen aber auch, sollte die Pandemie so tatsächlich wirkungsvoll bekämpft werden können.

An der beliebten Sonnenallee in Neukölln sind die Cafés, Kneipen und Restaurants geschlossen. Außer den Autos auf der Straße ist daher ausnahmsweise nicht viel zu hören. Einzig vor mehreren Imbissbuden, die offenbar nicht unter die Kategorie der „Gaststätten mit Tischbetrieb“ fallen, herrscht reger Betrieb. „Wir lassen uns das Sonntagsbier nicht verbieten“, sagt ein Mann, der sich mit Kollegen an einem Stehtisch amüsiert. Bei einigen Berlinern ist eben noch immer laissez faire angesagt.

Die bei Touristen wie Anwohnern für ihr gastronomisches Angebot sonst so berühmte Simon-Dach-Straße in Friedrichshain gleicht dagegen einer Geisterstadt. Die Rollos von Kneipen und Restaurants sind heruntergezogen, Tische und Stühle vor den Türen aufeinandergestapelt und zusammengeschnürt.

Einige Menschen sitzen wie zum Trotz mit eigenen Getränken vor den Lokalen. So ganz will man es wohl gerade hier noch nicht wahrhaben, dass das öffentliche Leben immer weiter heruntergefahren wird.

Größere Gruppen sammeln sich zeitgleich vor den wenigen Lokalen, die noch Abholdienste anbieten. „Es ist alles sehr schade“, sagt eine Kundin, die draußen auf ihr Essen wartet, „aber es lässt sich wohl nicht ändern.“ Die deutsche Hauptstadt probt schon einmal den Shutdown.