Coronavirus in Berlin

Corona: Was sich in Berlins Supermärkten verändert hat

Wegen der Coronavirus-Krise gelten andere Vorschriften in den Märkten. Das führt zu ungewöhnlichen Szenen vor den Läden.

Zum Schutz vor Corona dürfen sich nur noch wenige Menschen gleichzeitig in Geschäften aufhalten – also wird gewartet.

Zum Schutz vor Corona dürfen sich nur noch wenige Menschen gleichzeitig in Geschäften aufhalten – also wird gewartet.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin.  Sich am Ende des Parkplatzes anzustellen, nur um in den Baumarkt zu kommen, dürfte für viele Kunden neu sein. Angesichts der Coronavirus-Pandemie müssen Bau- und Supermärkte schärfere Maßnahmen ergreifen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern – dazu zählt auch, dass sich nur noch eine bestimmte Anzahl an Kunden gleichzeitig im Markt befinden darf. Im Bauhaus-Markt in Schöneberg durften am Sonnabend nur 150 Menschen gleichzeitig ins Geschäft. Deshalb regelten Sicherheitsmitarbeiter an den Türen den Einlass. Erst, wenn fünf Kunden das Bauhaus verlassen hatten, durften wieder fünf hinein. Daher reihten sich die Menschen mit Einkaufswagen auf dem Parkplatz ein. Und warteten.

„Das ist ein bisschen entspannter als die übliche Drängelei“, sagte eine Frau, die wartete. Zwischen zehn und 15 Minuten standen die Kunden auf dem Parkplatz, ehe sie ihre Einkaufswagen füllen konnten. Von schlechter Stimmung war nichts zu spüren, auch wenn die potenziellen Kunden am Morgen bei eisigen Temperaturen draußen stehen mussten. Einem Mann, der ebenfalls auf den Eintritt wartete, kam die Warteschlange sogar sehr gelegen. So könne er genug Abstand zu seinen Mitmenschen halten. Doch wieso geht man gerade Sonnabend in den Baumarkt, wenn mit großem Andrang zu rechnen ist? „Ich denke, dass es auf absehbare Zeit, das letzte Mal ist“, sagte er in Hinblick auf eine möglich Ausgangssperre in Berlin.

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Sicherheitsleute mit Warnweste und Mundschutz am Eingang

In einer ähnlichen Situation wie vor dem Bauhaus waren die Kunden vor dem Baumarkt Hellweg an der Yorckstraße in Schöneberg. Am Eingang standen zwei Sicherheitsleute – mit Warnweste und Mundschutz. Sie achteten darauf, dass sich nur bis zu 250 Menschen im Laden aufhielten und das maximal in Gruppen mit zwei Personen. „Da müssen Familien mit mehreren Kindern ab und zu getrennt werden“, sagte einer Wachmann, zumindest für die Zeit des Einkaufs. Auf Verständnis seien die Sicherheitsleute dabei nicht immer gestoßen.

Auch bei Supermärkten kam es zu außergewöhnlichen Szenen. Am Eingang des Real im Park Center in Treptow begrüßte die Kunden ein Schild. Darauf zu lesen: „Bitte halten Sie Abstand und bitte möglichst bargeldlose Zahlung. Vielen Dank.“ Im Untergeschoss deuteten die halbleeren Regale, wo normalerweise das Toilettenpapier steht, auf andere Tage hin. Und an der Kasse wurde man ebenfalls wieder an die Corona-Pandemie erinnert.

Eher ausladend als einladend standen zwei Schilder hinter roten Absperrbändern vor dem Kassenbereich: „Bitte halten Sie Abstand!“ stand dort in roter Farbe. Dahinter stand ein Sicherheitsmitarbeiter, der darauf achtete, dass die Kunden die schwarzen Markierungen auf dem Boden einhielten. 1,50 Meter zum nächsten Kunden. Die Kassierer saßen auch etwas geschützt hinter provisorisch angebrachten Plastikscheiben.

Hygienevorschriften, Abstandsregelungen, keine langen Warteschlangen

Neben Baumärkten gehören Supermärkte und Discounter zu den wenigen Läden, die in diesen schwierigen Zeiten noch geöffnet haben dürfen. Sie sollen die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung während der Covid-19-Krise sicherstellen. Allerdings müssen sie sich an Vorschriften halten. Christian Böttcher ist Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Er sagt, dass die Märkte nur noch öffnen dürfen, wenn sie drei Anweisungen befolgen: Hygienevorschriften verschärfen, Abstandsregelungen einführen und keine langen Warteschlangen entstehen lassen – zumindest nicht im Laden. Wie das genau umgesetzt wird, regeln die Bezirksämter in Berlin selbst. Dennoch gibt es laut Böttcher derzeit gewisse einheitliche Maßnahmen in Berlin, die umgesetzt werden. Etwa die Abstandsaufkleber auf den Böden oder die Plexiglasvorrichtungen an den Kassen.

Ohnehin haben Einzelhändler viel zu tun. Die Geschäfte leiden immer noch unter einem „irrationalen Abverkauf“ von Waren wie Toilettenpapier, Seife, Drogerieartikeln, Mehl und Pasta – so sagt es Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Fahrer aus Bereichen wie dem Event- und Messebau würden die Lebensmittellogistik unterstützen, um die Lieferketten aufrecht zu erhalten. Staatliche Vorgaben zur Begrenzung des Kundenansturms in den Geschäften seien jedoch nicht nötig, betonte Busch-Petersen.