Coronavirus

Gestrandet in Kolumbien: Was Berliner Studenten erlebten

Während die Bundesregierung Tausende Urlauber aus den Urlaubsregionen zurückholt, erlebten zwei Berliner Studenten Chaos in Kolumbien.

Die Berliner Studenten Fiona Staude und Manuel Mosquera sind wegen Corona in Kolumbien gestrandet. 

Die Berliner Studenten Fiona Staude und Manuel Mosquera sind wegen Corona in Kolumbien gestrandet. 

Foto: Privat / BM

Es war ein Rückflug in letzter Minute: Die Berliner Studenten Fiona Staude und ihr Partner Manuel Mosquera, beide 22 Jahre alt, gehörten zu den mehr als 100.000 deutschen Urlaubern, die wegen der Corona-Krise an ihren Urlaubsorten festsaßen. Nach dreieinhalb Wochen Urlaub in Kolumbien wurde ihr Rückflug am Montag kurzfristig gestrichen – so wie viele andere Flüge aus dem südamerikanischen Land auch, berichtet Fiona Staude, die an der Technischen Universität Lehramtsstudentin ist. „Für vier Tage sah es so aus, als gäbe es kaum eine Chance, noch aus dem Land auszureisen.“

Seit Montag saß das Paar in Bogotà im Chaos fest. „Die spanische Fluggesellschaft hat wegen des Corona-Notstands in Spanien alle Flüge gestrichen, es hieß nur, das Geld gebe es nicht zurück“, so die Studentin. Auch in der deutschen Botschaft habe ihnen niemand helfen können. Nach vier Tagen des Wartens gelang es dem Paar zwar, einen Flug nach München zu bekommen. „Das war einfach Glück, doch Hunderte Urlauber sitzen noch am Flughafen in Bogotà fest“, sagt Fiona Staude. Bevor sie am gestrigen Donnerstag aus der Reihe der Wartenden geholt wurden und nach München fliegen konnten, habe es unter den Wartenden Panik und Tränen gegeben. „Es gibt wegen des Coronavirus Ausgangssperren, viele Hotels nehmen keine Gäste mehr auf.“

Keine Rückholaktion, solange es noch Flüge gibt

Der Grund für das Chaos: Auch wenn die Bundesregierung angekündigt hat, gestrandete Urlauber zurückzuholen – für Länder wie Kolumbien gilt das vorerst nicht, so die Information, die das Auswärtige Amt und auch die kolumbianische Botschaft an die Touristen gaben. Rückholaktionen gebe es nicht, „solange es noch kommerzielle Flüge gibt“, hieß es in einer E-Mail, die das Berliner Paar von der deutschen Botschaft in Bogotá erhielt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) teilte am Donnerstagmorgen mit: In Ländern, in denen es noch regulären Flugverkehr gebe, wenn auch eingeschränkt, fordere man die Touristen auf, diese Flieger zu nutzen, „weil wir die jetzt gecharterten Maschinen insbesondere für Länder brauchen, die nicht mehr angeflogen werden.“

Was das konkret für sie bedeutete, schildert Studentin Fiona Staude: Seit Montag seien sie täglich zum Flughafen gekommen in der Hoffnung auf neue Informationen. „Am Flughafenschalter von Iberia hing nur ein Schild, man sei überlastet, und man sagte uns, es gebe weder Rückzahlung noch Ersatzflüge.“ Auch ein Hotel wurde nicht übernommen, das Paar kam provisorisch bei einem Verwandten in Bogotà unter. „Aber längst nicht alle Reisenden haben diese Möglichkeit.“ Bei einer Hotline der Fluggesellschaft gab es kein Durchkommen, sagt Fiona Staude. So kaufte sich das Paar letztlich für 3000 Euro zwei Tickets nach München bei Avianca, der einzigen noch aktiven Fluggesellschaft. „Zum Glück haben unsere Eltern uns das Geld geliehen.“

Tags darauf hätten sie von anderen Touristen gehört, dass sich die Preise inzwischen verdoppelt hätten. „Dazu kam, dass uns gesagt wurde, trotz Ticket sei es keinesfalls sicher, dass der Flug überhaupt gehe und ob man mitgenommen würde. Es hieß, wegen des Coronavirus würden nur 70 Prozent der gebuchten Plätze belegt, um einen größeren Abstand zu gewährleisten“, so Staude.

Am Mittwochabend sei in der Warteschlange dann schließlich jemand von der Fluggesellschaft Avianca auf das Paar zugekommen und habe sie in einen anderen München-Flug eingebucht. Auch wenn sie selbst inzwischen sicher in Deutschland gelandet seien, „viele andere Deutsche sitzen noch in Bogotà fest, nicht alle haben das Geld, sich diese teuren Tickets zu leisten“. Die Studentin appelliert an die Bundesregierung, auch Bundesbürgern in Ländern abseits der großen Touristengebiete zu helfen.

Am Mittwoch sind unterdessen bereits 7500 Menschen vor allem aus Ägypten, Tunesien und Marokko zurückgeholt worden, sagte Außenminister Maas am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Über das Wochenende sollen dann allein aus Ägypten voraussichtlich weitere rund 20.000 Touristen mit Chartermaschinen zurück nach Deutschland gebracht werden. Wo es noch Flugverkehr gebe, sollten Deutsche reguläre Flüge nutzen. „Wir setzen Flieger ein, wo Menschen gar keine Möglichkeit mehr haben, zurückzukommen“, sagte Maas.

Die Frage der in solchen Fällen üblichen finanziellen Beteiligung der betroffenen Bundesbürger an ihrem Rücktransport wurde Maas zufolge zunächst zurückgestellt, weil Menschen „in Not sind“. Diese Frage werde man „später klären“.

Zum Problem von möglichen Coronainfizierten an Bord verwies der Bundesaußenminister auf die besonderen Bestimmungen bei der Rückkehr von Menschen aus Risikogebieten. Zum Teil kämen die Rückkehrer allerdings aus Ländern, die eine niedrigere Infektionsrate als Deutschland hätten. Wenn jemand Symptome zeige, werde es die „notwendigen Konsequenzen“ geben. Mit einer „Luftbrücke“ will die Bundesregierung in den kommenden Tagen insgesamt weit über 100.000 gestrandete Reisende zurückholen.

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