Corona-Krise

Flughäfen brauchen Finanzspritze

Nur noch halb so viele Passagiere: Lücke im Flugverkehr führt zu erheblichen Einnahmeausfällen bei der Flughafengesellschaft.

Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönfeld dringen wegen eines Einbruchs der Passagierzahlen wegen des Coronavirus auf eine Finanzspritze von Bund und Ländern.

Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönfeld dringen wegen eines Einbruchs der Passagierzahlen wegen des Coronavirus auf eine Finanzspritze von Bund und Ländern.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Dass es auch für Berlins Flughäfen ernst werden würde in der Coronakrise, hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup schon vergangene Woche im Abgeordnetenhaus angedeutet. Die Rede war schon am Donnerstag von nurmehr der Hälfte der üblichen Passagiere gewesen. Seitdem hat sich die Lage weiter verschärft.

Der Flugverkehr geht seit Tagen deutlich zurück, entsprechend fehlen der wegen der Finanzierung des BER-Neubaus hoch verschuldeten Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) die Einnahmen aus den Start- und Landegebühren. Lütke Daldrup fordert deshalb eine Finanzspritze vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg: „Wir werden die Unterstützung der Gesellschafter brauchen, was die Corona-Frage betrifft“, sagte Lütke Daldrup am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Höhe lasse sich demnach noch nicht beziffern; es gehe aber um „erhebliche Einnahmeverluste“, so der Flughafenchef. Die Eröffnung des BER, die für den 31. Oktober vorgesehen ist, sei jedoch nicht gefährdet, versicherte Lütke Daldrup.

Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg durch BER hoch verschuldet

Die neue Finanzlücke kommt zu den mehreren 100 Millionen Euro noch dazu, die der BER für seinen weiteren Ausbau benötigt. Die Rede war zuletzt von knapp 800 Millionen Euro bis 2024. Ein Teil dieser Zusatzkosten sollte aber auch auf mehr Personal entfallen. Ob das noch so benötigt wird, ist angesichts der Krise und möglichen Spätfolgen unklar.

Die Coronaviruskrise hatte den Verkehr an den Flughäfen Tegel und Schönefeld verglichen mit den Vorjahreszahlen einbrechen lassen. „Wir haben zurzeit etwa die Hälfte der Fluggäste“, sagte Lütke Daldrup und meint damit die vergangenen Tage. Schon vor dem akuten Ausbruch der Krise hatte es Verluste gegeben. „In der Woche davor lag das Minus bei 30 Prozent, davor bei 12 Prozent“, sagte der Flughafenchef. Für Februar hatte die FBB ein Minus von zehn Prozent gemeldet.

Der Staat als Eigentümer soll die finanzielle Schieflage wieder ausgleichen

„Die Flughafengesellschaft gehört dem Staat. Und natürlich ist es so, dass wir für das, was wir nicht durch den Flugverkehr einnehmen können, die Hilfe unseres Eigentümers benötigen“, sagte Lütke Daldrup. Das sei in den Aufsichtsgremien des Unternehmens besprochen und den Gesellschaftern angekündigt worden. Eine genauere Abschätzung, wie hoch der Finanzbedarf sein könnte, will das Management der FBB dem Aufsichtsrat bei seiner nächsten Sitzung am 20. März vorlegen. Zuletzt war man davon ausgegangen, dass die Mittel der Flughafengesellschaft aus Gesellschafterdarlehen bis 2021 reichen.

Allerdings ist auch die Perspektive für den Luftverkehr düster. „Wir erwarten keinen wirklichen Osterreiseverkehr“, sagte Lütke Daldrup. Das dürften auch Folgen für die Mitarbeiter haben. „Wir beschäftigen uns damit, wie wir Überstunden und Gleitzeitkonten abbauen, natürlich müssen wir auch Kurzarbeit prüfen.“

Zudem will Lütke Daldrup auch Flächen vorübergehend still legen: „Wir prüfen, ob es erforderlich ist, Terminalabschnitte abzusperren, damit wir nur so viel Personal auf der Fläche haben wie wir auch wirklich benötigen.“

Ausbreitung des Coronavirus trifft den Tourismus hart

Die Ausbreitung von Sars-CoV-2 trifft die Tourismusbranche derzeit mit voller Wucht. Veranstalter sagen Reisen ab, einige Fluggesellschaften stellen vorerst den Betrieb ein. Turkish Airlines, El Al und Hainan Airlines fliegen nicht mehr nach Berlin.

Die Landesregierung von Baden-Württemberg hatte am Vortag verkündet, im Laufe der Woche den Betrieb der Flughäfen in dem Bundesland einzustellen. Für Berlin erwartet Lütke Daldrup diesen Schritt nicht.

Flughäfen Tegel und Schönefeld sollen geöffnet bleiben

„Wir gehen davon aus, dass die Flughäfen der deutschen Hauptstadt systemrelevant sind. Das heißt, der Flugverkehr muss aufrecht erhalten werden.“ Tegel und Schönfeld seien kritische Infrastruktur, die während der Krise gebraucht werde, etwa für Fracht, Medikamententransporte und Flüge der Regierung.

Auf der BER-Baustelle fehlt wegen der Coronaviruskrise zum Teil Personal. Das betreffe das Terminal 2, das als zusätzliches Abfertigungsgebäude neben dem ursprünglichen BER-Terminal 1 entsteht. „Dort arbeiten wir daran, dass das Fehlen einiger Bauleute aus Osteuropa kompensiert werden kann und nicht zu Verzögerungen führt“, sagte Lütke Daldrup. „Aber es ist wäre kein Thema, den BER ohne das T2 zu eröffnen, zumal wenn wir weniger Flugverkehr haben.“ Das Terminal 1 sei nicht betroffen, weil dort lediglich Restarbeiten liefen. (mit dpa)

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