Coronakrise

Potsdamer Gastronomie steht vor der Schließung

Ab Mittwoch werden auch in Brandenburg Bars und Kneipen geschlossen. Die Landespolitik arbeitet an Notfallhilfen.

Potsdam leidet unter der Ausbreitung des Coronavirus

Potsdam leidet unter der Ausbreitung des Coronavirus

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Potsdam.  Eigentlich ist sie eine kleine Berühmtheit in der brandenburgischen Landeshauptstadt: Die aus Ostasien eingebürgerte Mandarinente. Während der täglichen Fütterung im Potsdamer Nuthepark fehlt es ihr am Dienstag jedoch an den üblichen Zuschauern. Trotz strahlenden Sonnenscheins sind die Spaziergänger in den Grünflächen rar – ein Zustand, der sich mit den neuen Auflagen vor allem im Bereich der Gastronomie bald auch in die Fußgängerzonen der Stadt verlagern wird.

Ab Mittwoch will Brandenburg das öffentliche Leben als Gegenmaßnahme zur Ausbreitung des Coronavirus drastisch einschränken. Wie bereits in Berlin sollen Bars, Clubs, Diskos und Kneipen schließen. Supermärkte, Drogerien, Banken, Sparkassen und Tankstellen bleiben hingegen auch weiterhin geöffnet, Restaurants nur in der Zeit von 6 Uhr bis 18 Uhr. Für Krankenhäuser und Pflegeheime gibt es Besuchsbeschränkungen.

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Schon am Dienstag sind Geschäfte leer

Am Dienstag sind trotz Virus und den Ankündigungen der Bundesregierung noch viele Menschen unterwegs in Potsdams Zentrum, der Brandenburger Straße. Vereinzelt sind Atemschutzmasken zu sehen, einige wenige Flaneure sitzen vor den Bistros in der Sonne. Die Geschäfte sind aber größtenteils leer – Läden hatten es aufgrund hoher Mieten und geringer Nachfrage auch schon vor der Corona-Krise schwer auf Potsdams Haupteinkaufsstraße.

An jeder Ecke stehen Grüppchen zusammen. Und es gibt nur ein Thema: Das Virus. Ansteckungsgefahr, wirtschaftliche Verluste, Kinderbetreuung, Kündigungsangst. Ein Mann, der gerade das „Café Extrablatt“ verlässt, sagt: „Ich finde die kommenden Einschränkungen persönlich sehr schade. Aber sie sind notwendig, um der Lage Herr zu werden.“

Einige der bekanntesten Theken der Innenstadt haben bereits auf eigene Faust geschlossen und klären ihre Kundschaft darüber mit großem Bedauern über Aushänge auf. Dazu gehören etwa der Nachbartreff „11-Line“, die Kneipe „Hafthorn“, der Irish Pub „ShamRock’s“ und die auf Cocktails spezialisierte „Schech’s Bar“. Sie alle sind äußerst beliebt sowohl bei Studenten als auch bei Anwohnern.

Blicke in eine ungewisse Zukunft

Leere Tische hat hingegen die Traditionsgaststätte „Zur Linde“ vorzuweisen. „Das geht schon länger so“, gibt Besitzer Ivo Wolf zu. „Potsdam ist eine Touristenstadt. Wenn die Besucher wegbleiben, bricht das Geschäft ein.“ Als Selbstständiger habe er das Risiko voll zu tragen. „Ich habe Verständnis für die Maßnahmen, aber man hätte lieber wie in Italien alles für einen Monat komplett dicht machen sollen, anstatt dieser Staffelung. Die Kundschaft kommt bei uns primär ab 18 Uhr. Das lohnt sich nicht.“ Ähnlich sieht es Biplob Laß. Erst seit Dezember betreibt er das Lokal „Gleis 6“ im angesagten Potsdamer Stadtteil Babelsberg. Der Wirt hat viel Geld investiert und blickt nun einer ungewissen Zeit entgegen.

Die Brandenburger Politik will auf Fälle wie die von Wolf und Laß reagieren können. So plant die Kenia-Koalition im Landtag, einen Rettungsschirm zu ermöglichen. „Wir wollen die Regierung ermächtigen, 500 Millionen Euro aufzunehmen“, sagte SPD-Fraktionschef Erik Stohn, „unser Wille ist, dass wir das in einem zügigen Verfahren auf den Weg bringen.“ Am 1. April sei zudem beabsichtigt, über zusätzliche Mittel zu entscheiden. Die Schuldenbremse sehe diese Möglichkeit bei Notsituationen wie der Corona-Krise, die drastische Auswirkungen auf das Gesundheitssystem habe, ausdrücklich vor, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jan Redmann.

Der Landtag selbst wird derweil nur eingeschränkt tagen. Es werde über Alternativen nachgedacht, so Redmann. Beispielsweise könnte nur eine eingeschränkte Zahl an Abgeordneten einberufen oder der Plenarsaal vergrößert werden.