Coronavirus

Coronavirus: Was in den Frauenhäusern passiert

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Eine Mitarbeiterin steht im Frauenhaus "Cocon" an einem Fenster. Die Frauenhäuser wollen solange wie möglich offen bleiben.

Eine Mitarbeiterin steht im Frauenhaus "Cocon" an einem Fenster. Die Frauenhäuser wollen solange wie möglich offen bleiben.

Foto: Britta Pedersen / dpa / Archiv

In Berlin gibt es derzeit sechs Frauenhäuser für rund 300 Frauen. Doch was passiert in der Corona-Krise mit den Einrichtungen?

Berlin. Für viele Frauen sind Frauenhäuser ein Ausweg aus ihrer gefährlichen Situation. Die Einrichtungen bieten ihnen Schutz, wenn sie Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind. Doch was passiert, wenn die Frauenhäuser angesichts der Pandemie, ausgelöst durch das neuartige Coronavirus, keine Menschen mehr aufnehmen können oder gar geschlossen werden müssen? Und wen können die Frauenhäuser überhaupt aufnehmen, um nicht Gefahr zu laufen, womöglich die anderen Einwohner zu infizieren? Eines ist sicher, die Frauen in ihren eigenen Wohnungen zu lassen, ist keine Option.

Die richtigen Antworten auf diese Fragen gebe es derzeit nicht, sagt Anke, Mitarbeiterin des Frauenhauses Cocon in Berlin. Ihren vollen Namen kann sie nicht Preis geben, zum Schutz der Bewohnerinnen. Wie es um die Einrichtung weitergeht, könne sich stündlich ändern.

„Wir warten immer noch auf eine Entscheidung des Berliner Senats“, sagt sie. Bis dahin wolle man in jedem Fall die „Stellung halten“. Frauen, die zuletzt in Risikogebieten gewesen sind, etwa Italien, könnten sie derzeit nicht aufnehmen. Außerdem werde jede neue Bewohnerin auf Symptome der Erkrankung Covid-19 überprüft.

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Rund 1700 Frauen finden in Berlins Frauenhäusern Zuflucht

Im Haus selbst sei indes der Verbrauch an Desinfektionsmittel gestiegen. Und für die rund 60 Frauen und Kinder, die im Cocon wohnen, würden der Mitarbeiterin des Frauenhauses aktuell ohnehin andere Regeln gelten. Die Bewohner seien dazu angehalten, auf ihren Etagen zu bleiben. Wer das Haus verlässt, sollte größere Menschenansammlungen meiden. Und wer die Küche wann nutzen wolle, müsse das absprechen, damit nicht alle Bewohner zur selben Zeit in der Küche stehen. Anke zeigt sich zuversichtlich für die kommenden Tage und Wochen: „Wir geben noch nicht so schnell auf hier.“

Das Cocon ist eines von sechs Frauenhäusern in Berlin, in denen insgesamt rund 300 Frauen aufgenommen werden können. 20 weitere Frauenhäuser gibt es in Brandenburg. In Berlin finden jährlich rund 1700 Frauen Zuflucht in den sozialen Einrichtungen. Das geht aus Zahlen der Polizei aus dem Jahr 2017 hervor. Und für diese Frauen gibt es keine Alternative zu den Räumlichkeiten, deren Adressen geheim gehalten werden.

Die Post wird nur noch unter der Tür durchgeschoben

Das die Frauenhäuser deshalb offen bleiben müssen, sieht auch die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF) so. Um eine Infektion des Coronavirus in den Einrichtungen zu vermeiden, hat sie Handlungsempfehlungen an die Berliner Frauenhäuser geschickt. In dem Schreiben heißt es, dass Beratungsgespräche mit den Bewohnerinnen nur noch telefonisch stattfinden. Sollten persönliche Gespräche nicht vermeidbar sein, dürften sich Mitarbeiterinnen und Bewohner bis zu 15 Minuten in einem „frisch gelüfteten Raum“ mit mindestens zwei Metern Abstand gegenüber stehen.

Dasselbe gelte auch für das Personal. Außerdem sollten die Bewohnerinnen ihre Aktivitäten einschränken, wenn möglich nur noch auf Einkäufe in Supermärkten und Drogerien reduzieren. Und die Post für die Bewohnerinnen sollte lediglich unter den Türen durchgeschoben werden, insofern keine Postfächer vorhanden sind.

Im schlimmsten Fall kommt das Frauenhaus unter Quarantäne

Umgesetzt würden diese Empfehlungen im 2. Autonomen Frauenhaus Berlins. Das sagt eine Mitarbeitern am Telefon, die aus Sicherheitsgründen ihren Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will. Doch was passiert, wenn sich eine Bewohnerin wirklich mit dem Coronavirus ansteckt? „Dann gibt es einen Pandemie-Plan“, sagt die Mitarbeiterin. Die betroffene Person würde isoliert ins Krankenhaus gebracht werden und das gesamte Frauenhaus stünde fortan unter Quarantäne.

Während die Angebote der Frauenhäuser solange wie möglich offen bleiben sollen, schließt die „Pumpe“ im Bezirk Mitte am kommenden Samstag. In der Notübernachtung in der Nähe der Lützowstraße können bis zu zehn Frauen aufgenommen werden, neben 40 Männern. Sie kommen meist aber nicht wie in den Frauenhäusern wegen häuslicher Gewalt in die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt.

In erster Linie gilt die „Pumpe“ als Kältehilfe. Die Koordinatorin Malaika Neu berichtet, dass sie als Helfer Abstand zu den Gästen halten würden und sie für das Thema Coronavirus sensibilisieren würden. Seit zwei Wochen sei mittlerweile auch das Desinfektionsmittel in der Stelle leer. Unabhängig davon, würde die Einrichtung noch bis 21. März Menschen aufnehmen, also eine knappe Woche. Allerdings wirkt die Stimme von Malaika Neu auch etwas besorgt. Denn die Gäste der Pumpe würden oftmals schon an Vorerkrankungen leiden und husten. Für den Ernstfall gebe es aber eine Meldekette der Arbeiterwohlfahrt, die solche Fälle abklären würde.