Corona-Krise

So war der letzte Schultag in Berlin - Prüfungen verschoben

Ab Dienstag schließen die Schulen bis zum 19. April. MSA- und BBR-Prüfungen wurden verschoben, Zentralabitur wird aber geschrieben.

Wiedersehen erst im späten April, frühestens – drei Schülerinnen verlassen das Askanische Gymnasium in Tempelhof. Aber es sind keine „Coronaferien“.

Wiedersehen erst im späten April, frühestens – drei Schülerinnen verlassen das Askanische Gymnasium in Tempelhof. Aber es sind keine „Coronaferien“.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Der letzte Schultag, bevor alle öffentlichen und privaten Schulen in der Hauptstadt aufgrund des Coronavirus schließen, fiel sehr unterschiedlich aus. „Bei uns sind fast alle Schüler gekommen“, erzählt Sven Zimmerschied, Schulleiter an der Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg.

Die Oberstufenschüler kamen sowieso, aber auch die meisten Siebtklässler. Die Lehrer hätten um zehn Uhr am Montagmorgen nochmal allen Schülern erläutert, wie man digital weiter mit dem Unterricht verfahre, wo die Schüler sich Lernaufgaben abholen könnten. In den Laptop-Klassen – ein Profil der Schule – sei das kein Problem. Aber auch die anderen Klassen arbeiteten schon länger mit der Plattform „It’s learning“, bei der es praktischerweise einzelne Gruppen und auch einen Messengerdienst für Benachrichtigungen gebe. „Dieser ist allerdings heute morgen zusammengebrochen“, sagt Zimmerschied. Die Überlastung war zu groß. Auch für digitale Lernplattformen wird Corona zu einer Herausforderung.

Unterdessen hat die Senatsverwaltung für Bildung eine Hotline zum Thema „Schulschließung“ für Schüler und Eltern eingerichtet. Das Info-Telefon ist von 8 Uhr morgens bis 16.30 Uhr nachmittags freigeschaltet und hat folgende Nummer: 90227-6000. Gerade auch bei der Frage, ob man ein Anrecht auf eine Notbetreuung für ein Grundschulkind hat, kann diese Hotline wichtig sein. Eine Liste mit wichtigen Fragen und Antworten der Senatsbildungsverwaltung finden Sie hier.

„Die Kinder waren so bedrückt heute. Es war ganz still“

Während in der Friedensburg-Oberschule die Schüler eher unbeeindruckt von der außerplanmäßigen Schulschließung wirkten, war gerade an den Grundschulen die Stimmung oft anders. „Die Kinder waren so bedrückt heute“, sagt die Schulleiterin von der Köllnischen Heide, Astrid-Sabine Busse. Ganz still sei es in den Klassenzimmern der Grundschule gewesen, auch in ihrer eigenen Klasse. Die Kinder merkten eben, dass es keine Ferien seien, die

anstünden, spürten auch die Sorgen der Eltern. Wie viele Kinder weiter in die Schule zur Notbetreuung kämen, die für Eltern angeboten wird, die entweder beide oder als Alleinerziehende in „systemrelevanten Berufen“ arbeiten, kann Busse noch nicht absehen. „Aber bei uns werden es nicht so viele sein“, glaubt sie.

Für Irritationen sorgten Abiturienten, die in verschiedenen Bezirken der Stadt verkleidet und oft feiernd durch die Straßen zogen. So saßen auf dem Steinplatz in Charlottenburg Zwölftklässler in schwarzem Lack und Leder, zogen verkleidete Jugendliche durch Prenzlauer Berg und junge Männer in Frauenröcken liefen durch Westend.

„Während das Land versucht mit #COVIDー19 & seinen Folgen klarzukommen, verkleiden sich in Berlin zahlreiche Jugendliche, um dann trinkend/pöbelnd auf engem Raum durch die Stadt zu ziehen“, empörte sich der Moderator Sven Liebert auf Twitter. Es waren alles Abiturienten, die ihre „Mottowoche“ feierten – traditionell ihre letzte reguläre Woche in der Schule, bevor die Abiturprüfungen beginnen. Nun wollten sich die Heranwachsenden zumindest den einen Tag nicht nehmen lassen, hieß es.

Prüfungen an den ursprünglich festgelegten Nachholterminen

Am Morgen hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in einem Radiointerview überraschend verkündet, die zentralen Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss (MSA) und die Berufsbildungsreife (BBR) würden nun doch verschoben. Das geschehe, um die Schüler zu entlasten, damit sie schlussendlich genügend Zeit hätten, sich vorzubereiten. Man werde die beiden Prüfungen an den ursprünglich festgelegten Nachholterminen schreiben – Deutsch am 13. Mai, Mathematik am 25. Mai und die erste Fremdsprache am 27. Mai.

„Uns ist wichtig, dass nicht direkt am ersten Tag nach den Schulferien die zentralen Prüfungen geschrieben werden“, so Scheeres. Die zentralen Abiturprüfungen finden aber wie geplant statt, an den Tagen werden die betreffenden Schulen wieder die Türen für ihre Schüler öffnen. Man will aber auf einen großen Mindestabstand zwischen den Prüflingen achten.

Doch abschlussrelevant sind beim Abitur nicht nur die eigentliche letzte Abiturklausur, sondern auch die Klausuren aus der Zeit davor – es zählen die letzten vier Semester für die Abiturnote. Das heißt, auch die 11. oder 12. Klassen haben eigentlich abschlussrelevante Klausuren in den nächsten Wochen. Die werden ausfallen. Man werde sie nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs – der frühestens am 20. April ist – nachholen, so Martin Klesmann, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung.

Natürlich sei es richtig, dass es keine „Coranaferien“ geben dürfe

Unklar ist bislang noch, wie die Pflicht zur Anwesenheit der Pädagogen von den Schulleitungen gehandhabt wird. Müssen die Lehrer vor Ort in der Schule sein oder können sie von zuhause arbeiten? Viele sind schon älter, haben Angst vor Ansteckung im öffentlichen Raum. „Die Unsicherheit beim pädagogischen Personal ist groß“, sagte Tom Erdmann, Vorsitzender der Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Natürlich sei es richtig, dass es keine „Coronaferien“ geben dürfe – weder für Schüler noch für das pädagogische Personal. Aber er habe inzwischen von einer Schulleitung gehört, die ihre Lehrer aufforderte, das Klassenzimmer in der Schließzeit neu zu streichen.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengefasst. Darüber hinaus berichten wir in einem Newsblog laufend über die aktuellsten Entwicklungen bei der Ausbreitung und Eindämmung des Coronavirus in Berlin. Die überregionalen News zu Covid-19 können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

„Das ist keine pädagogische Arbeit“, betonte Erdmann. Die Arbeit dürfe nicht „willkürlich“ sein. Auch bei der Senatsverwaltung für Bildung hofft man auf das richtige Augenmaß der Schulleitungen. Aber dagegen, mal die „chemische Sammlung“ aufzuräumen, sei eigentlich nichts einzuwenden, so Klesmann. Dafür könne die Zwangspause gut genutzt werden.

Richtig hart trifft die Kita- und Schulschließung die Essenscaterer. Bis zum 19. März liefere man noch 25 Prozent der Essen aus, danach sei auch damit Schluss. „Aber unsere Personalkosten laufen weiter“, sagte Rolf Hoppe, vom Verband der Berliner Schulcaterer. Er sei sich nicht sicher, wie viele Firmen die Coronakrise wirtschaftlich überlebten.