Corona-Krise

Busch-Petersen: „Der Handel war zu allen Zeiten kreativ“

Leere Regale sind in diesen Tagen in den Supermärkten zu sehen. Doch für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund, mahnt der Handelsverband.

Leere Regale sind in diesen Tagen in den meisten Supermärkten zu finden. Doch für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund, mahnt der Handelsverband. Die Versorgung ist gesichert.

Leere Regale sind in diesen Tagen in den meisten Supermärkten zu finden. Doch für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund, mahnt der Handelsverband. Die Versorgung ist gesichert.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Das Bild ist in den meisten Supermärkten das gleiche: Kaum ist ein Nudelregal wieder gefüllt, ist es auch schon wieder leer. Viele Berliner decken sich in diesen unsicheren Tagen mit Grundnahrungsmitteln ein – allen Appellen zum Trotz, das nicht zu tun. „Es wird normal aufgefüllt, aber abnorm gekauft“, sagt der Chef des Berliner Handelsverbandes (HBB), Nils Busch-Petersen. Neben den Nudelregalen trifft das besonders auch auf Mehl und Toilettenpapier zu.

Doch für Hamsterkäufe gibt es nach Angaben des Handelsverbandes nach wie vor keinen Grund. „Die Lager sind wegen der anstehenden Osterferien voll, die Lastwagen kommen an – auch aus Spanien und Italien.“ Natürlich könne es zu Verzögerungen für einzelne Waren kommen. „Aber bei der Grundversorgung ist Deutschland zu 100 Prozent Selbstversorger“, sagt Busch-Petersen.

Das heißt, Kartoffeln, Mehl, Obst und Gemüse werden in ausreichendem Maß in Deutschland angebaut, so dass das Land im Zweifel nicht auf Importe angewiesen ist. „Wenn einmal die ein oder andere Apfel- oder Apfelsinensorte für ein paar Tage nicht zu bekommen ist, wird das den wenigsten Kunden auffallen“, sagt der Handelsverbandschef.

Schüler müssen künftig zu Hause versorgt werden

In den kommenden Tagen könnte der Andrang in den Supermärkten allerdings noch zunehmen, vermutet Busch-Petersen. Dann nämlich wenn alle Schüler und Studenten nicht mehr in den Kantinen ihrer Einrichtungen versorgt werden, sondern von den Eltern oder selbst kochen müssen. Dann steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln in den Supermärkten weiter.

Trotzdem appelliert der Handelsverband zur Besonnenheit „Unser Appell an die Kunden: Wenn sie sich Vorräte anlegen, dann schrittweise und mit Bedacht.“ Busch-Petersen rief zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf. „Wir merken, dass es eine enorme Nachfrage bei Einzelprodukten gibt“, sagte er. Dazu gehörten länger haltbare, nicht zu kühlende Lebensmittel sowie Hygieneartikel.

Sonntagsfahrverbot für LKW aufgehoben

Probleme sieht Busch-Petersen indes auf die eigene Branche zukommen. Weil aufgrund der Absagen großer Messen Touristen ausblieben, verzeichne auch der Einzelhandel seit Anfang März Umsatzrückgänge im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Es gebe eine enge Zusammenarbeit zwischen Handel, Gastronomie und der Politik, um über konkrete Hilfen zu beraten.

Um den Logistik-Transport für den Handel zu erleichtern, hatten die Senatsverwaltung für Verkehr in Berlin sowie das Brandenburgische Verkehrsministerium am Freitag das Sonntagsfahrverbot für entsprechende Transporte aufgehoben. Ab sofort dürfen bis einschließlich 1. Juni dieses Jahres sogenannte Trockentransporte – haltbare Lebensmittel, Hygiene- sowie Medizinartikel – auch sonntags auf den Straßen in den beiden Bundesländern unterwegs sein.

Busch-Petersen begrüßte die Entscheidung. „Das ist eine erhebliche Entlastung für den Handel“, sagte er. Er sieht auch auf Dauer keine Versorgungsprobleme auf Berlin zukommen. „Der Handel war zu allen Zeiten, auch zu Kriegszeiten, kreativ“, sagt Busch-Petersen. „Lassen Sie uns machen, dann kriegen wir das auch hin.“

Das sehen die Discounter ähnlich. „Im Zusammenhang mit der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus stellen wir eine erhöhte Nachfrage in bestimmten Sortimentsbereichen fest“, sagt Alexandra Antonatus von Edeka Minden-Hannover, das auch Berlin-Brandenburg mit Waren versorgt. „Dies hat zur Folge, dass wir einige Produkte oder Marken innerhalb eines Sortiments zeitweise nicht anbieten können.“

Edeka bittet um Verständnis für Warteschlangen

Es stünden jedoch Ausweichartikel zur Verfügung. „Wir sind selbstverständlich bestrebt, unseren Kunden schnellstmöglich wieder sämtliche Artikel anbieten zu können und bitten deshalb auch unsere Kunden um Verständnis, wenn es gegebenenfalls an den Kassen oder Bedientheken etwas länger dauern kann“, sagte Antonatus.

Wegen des höheren Kundenaufkommens suchen Supermärkte wie Rewe oder Lidl dringend Personal, um die Regale schneller auffüllen zu können. Bewerbungen könnten unkompliziert in den Filialen gestellt werden, sagte Rewe-Chef Lionel Souque.

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